Lübecks Reichsfreiheit, einst sogar mit einer gefälschten Barbarossa-Urkunde begründet, steht exemplarisch für städtische Selbstbehauptung und politische Gestaltungskraft. Ohne solche autonomen Städte wäre die Hanse als Handels- und Machtverbund kaum denkbar gewesen. Auch lange nach dem Mittelalter blieb Lübecks Eigenstaatlichkeit prägend – in Politik, Stadtidentität und Geschichtsschreibung. Hansegeschichte war stets mehr als die Erzählung vergangener Ereignisse: Sie diente auch dazu, Gegenwart zu deuten und gesellschaftliche Ordnungen zu legitimieren.
Der Tagungsort, das Europäische Hansemuseum, bietet einen idealen Rahmen, um sich auch mit auf Geschichte gestützten Machtdiskursen auseinanderzusetzen: Wie wird Geschichte erzählt – und von wem? Welche Narrative werden betont, welche verdrängt? Und wie wirken Museen, Politik und Wissenschaft an der Deutung der Vergangenheit mit? Zwischen mittelalterlicher Machtpolitik und moderner Erinnerungskultur öffnet sich so ein weiter Raum für Diskussionen über Macht, Narration und Deutungshoheit – und darüber, wie Geschichte nicht nur erinnert, sondern immer wieder neu verhandelt wird.