Die Geschichte der Hanse

Die Ausdehnung der Hanse im Mittelalter

Die Hanse ist eine einmalige Erscheinung der deutschen Geschichte. Aus der Zusammenarbeit und den Zusammenschlüssen von Kaufleuten zur Förderung ihres Handels im Ausland entstand ein Städtebund, dem in seiner Blütezeit nahezu 200 See- und Binnenstädte angehörten.

Als Keimzelle der Hansegründung kann das „Artlenburger Priveleg“ dienen. Hiermit beendete Heinrich der Löwe die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den niederdeutschen Kaufleuten und ihren Kollegen aus Gotland. Er gewährte den Gotländern in seinem Reich die gleichen Rechte wie den deutschen Fernhändlern, nämlich Zollfreiheit, Schutz und Frieden. Diese Garantien beruhten auf Gegenseitigkeit.

Mehr zur Geschichte, Aufstieg und Niedergang der Hanse sehen Sie in unserem Hanse-TV.


Die Hanse im Mittelalter, 200 Städte in 7 Ländern

Die Hansekogge © H.-J. Draeger / © BOYENS BUCHVERLAG

Diese Städte lagen in einem Gebiet das heute sieben europäische Staaten umfasst: von der niederländischen Zuidersee im Westen bis zum baltischen Estland im Osten und vom schwedischen Visby/Gotland im Norden bis zur Linie Köln-Erfurt-Breslau-Krakau im Süden.

Aus diesem Raum heraus, erschlossen sich die hansischen Fernkaufleute einen wirtschaftlichen Einflussbereich, der im 16. Jahrhundert von Portugal bis Russland und von den skandinavischen Ländern bis nach Italien reichte, ein Gebiet, das heute 20 europäische Staaten einschließt.


Hanse Wirtschaftsmacht mit Durchsetzungskraft

Dänenkönig Waldemar besiegt die Hanseflotte 1362 vor Helsingborg © H.-J. Draeger / © BOYENS BUCHVERLAG

In ihrer Blütezeit war die Hanse so mächtig, dass sie zur Durchsetzung ihrer wirtschaftlichen Interessen Wirtschaftsblockaden gegen Königreiche und Fürstentümer verhängte und im Ausnahmefall sogar Kriege führte.

So hatte die Hanse im 13. und 14 Jahrhundert mit den Dänenkönigen mehrere Auseinandersetzungen. Nachdem Waldemar 1227 geschlagen wurde, überfiel Waldemar IV 1361 Gotland und besiegte 1362 auch die hansische Kriegsflotte (s. Flottenführer Johann Wittenborg).

1367 schlug die Hanse unter Bruno Warendorp zurück und bezwang den dänischen König bei der Belagerung Helsingborgs. Auch der seit 1425 eingeführte Sundzoll zur Durchfahrung der hanseschiffe des Öresund, sorgte Jahrhundertlang für Streitigkeiten.


Warenaustausch-Monopol

Das Warenaustausch-Monopol der Hanse © H.-J. Draeger / © BOYENS BUCHVERLAG

Vom 13. bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts beherrschte die Hanse weitgehend den Warenaustausch zwischen dem Nordosten und dem Nordwesten Europas, indem sie den Rohstoff- und Nahrungsmittelbedarf des Westens aus dem durch die deutsche Kolonisation erschlossenen Osten deckten und den Osten mit den benötigten westeuropäischen Produkten belieferten. Hierzu gehörten z.B. Pelze, Wachs, Getreide, Fisch ebenso Flachs, Hanf, Holz und Holzbauprodukte wie Pech, Teer und Pottasche. Im Gegenzug brachten die Hansekaufleute in diese Länder die gewerblichen Fertigprodukte des Westens und Südens wie Tuche, Metallwaren, hier insbesondere Waffen, und Gewürze.


Die Kontore der Hanse als zentrale Handelsniederlassungen im Ausland

Brügge © H.-J. Draeger / © BOYENS BUCHVERLAG

Zentrale Umschlagsplätze dieses Handels waren die Kontore der Hanse in Nowgorod (Nordwestrussland), in Bergen (Norwegen), in Brügge (Flandern) und in London (England). Daneben unterhielt die Hanse von Russland bis nach Portugal über halb Europa verteilt zahlreiche kleinere Niederlassungen, die sogenannten Faktoreien. Die Fernkaufleute verfolgten handelswirtschaftliche Ziele.


Die Hanse organisiert sich, die Hansetage werden eingeführt

Die Hanse organsiert sich: Hansetage © H.-J. Draeger / © BOYENS BUCHVERLAG

Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts versuchten die Hansestädte jedoch, eine festere Bündnisorganisation zur gegenseitigen Unterstützung gegen adlige Herrschaftsansprüche zu schaffen. Mit diesem festeren Zusammenschluss wollten sie auch Problemen begegnen, die durch die wachsende Konkurrenz englischer, italienischer und süddeutscher Kaufleute und holländischer Frachtfahrer und durch die staatliche Erstarkung in den Zielländern des Handels entstanden. Der Druck von außen war somit der Grund dafür, dass sich die Städte von der deutschen Hanse („stede van der dudeschen hense“) auf dem ersten Hansetag 1358 in Lübeck als Gruppe enger zusammenschlossen.


Der schleichende Niedergang der Hanse

Die Hanse verliert an Einfluss © H.-J. Draeger / © BOYENS BUCHVERLAG

Die Entwicklung ließ sich jedoch nicht aufhalten und führte dazu, dass der Einfluss der Hanse zurückging, wenn auch der Handel im 16. und frühen 17. Jahrhundert noch enorme Zuwächse aufwies.

Die aufkommenden nationalen und territorialen Wirtschaften ließen einer überregionalen Handelsgemeinschaft wie der der Hansekaufleute und Hansestädte keinen Raum mehr. Die Reformation spaltete zusätzlich den Zusammenhalt.


Ein Geschäftsführer der Hanse wird eingesetzt

Ein Syndikus/Geschäftsführer wird eingesetzt © H.-J. Draeger / © BOYENS BUCHVERLAG

Mitte des 16 Jahrhunderts wurde Heinrich Sudermann als erster Geschäftsführer (Syndikus) eingestellt um die Hanse aus ihrer schwierigen Lage zu befreien. Trotz einiger Erfolge fehlte ihm, wie auch seinem Nachfolger die Durchsetzungskraft gegen die Eigeninteressen der Kaufleute und Städte.

Der dreißigjährige Krieg (1618 – 1648)  zerstört endgültig den Handelsraum der Hanse-Kaufleute. An einen geordneten Warenverkehr war nicht mehr zu denken.

Im Jahre 1669 fand in Lübeck der letzte Hansetag der historischen Hanse statt.

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