Erkunden Sie die Hansestadt Quedlinburg
Stiftskirche Harz

Schon im 9. Jahrhundert besaß das sächsische Adelsgeschlecht der Liudolfinger, dem Heinrich I. entstammte, ausgedehnte Ländereien im Quedlinburger Raum. Als Heinrich 919 König wurde, ließ er auf dem Burgberg eine Pfalz anlegen. 936, nach seinem Tod, wurde er in der Quedlinburger Pfalzkirche begraben. Mit der Gründung des reichsunmittelbaren Damenstiftes an der Grablege ihres Gemahls, schuf die Königinwitwe Mathilde hier eine Einrichtung, die für mehr als hundert Jahre Quedlinburg zu einer wichtigen Metropole des Reiches wurde.

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Die Leitung des Stiftes lag in den Händen fürstlicher Äbtissinnen. Äbtissin Mathilde, eine Tochter Kaiser Otto I., begründete den steilen Aufstieg des Stiftes zu einem führenden politischen und kulturellen Zentrum des Landes. Ihr wurde auch 994 das Markt- Münz- und Zollrecht verliehen. Es bildete die Grundlage für die Entwicklung einer Marktsiedlung, die bald zur Stadt aufblühte. Schon im 11. Jahrhundert bekam die Quedlinburger Kaufmannschaft aus der Hand Kaiser Heinrich III. das Recht, im ganzen Deutschen Reich Handel treiben zu dürfen. Dieses wichtige Fernhandelsprivileg führte die Kaufleute bis in die Seehäfen der Nordsee, an die Handelsplätze des Rheingebietes und zu den Kaufmannsstädten am Nordrand der Alpen. Entsprechend lag Quedlinburg an traditionellen Handelswegen entlang des Nordrandes vom Harz, die auch nach Magdeburg und nach Thüringen führten.

In einer Zeit schwieriger politischer Verhältnisse im Deutschen Reich und „der Herrschaft des Faustrechtes“ auf den Straßen ging Quedlinburg mehrere Schutzbündnisse ein. 1384 schloss sie sich dem „Niedersächsischen Städtebund“ an und als dieser 1426 der Hanse beitrat, wurde Quedlinburg auf diese Weise Mitglied des mächtigen Kauffahrtei-Bundes. 1435 war eine Quedlinburger Delegation auf dem „Hansetag“ in Lübeck. Dort wurden die Beitrittsverpflichtungen für die Stadt festgelegt. So bestanden Quedlinburgs jährliche Beitragszahlungen in 70 rheinischen Gulden. Im Kriegsfalle musste Quedlinburg sieben rittermäßig ausgerüstete Reisige mit je zwei Pferden bereitstellen. 1475 stellte die Hanse dem Kaiser in einem Feldzug Truppenkontingente zur Verfügung. Quedlinburg brachte zu diesem Aufgebot: 9 reisige Pferde mit Mannen, einen sechsspännigen Heerwagen, Proviant, Rüstzeug und eine Gruppe „starker Knechte mit eisernen Flegeln“.

Quedlinburg gehörte während seiner Hansezeit zum sächsischen Quartier.

Als nach Kämpfen mit dem Damenstift und seiner Fürstäbtissin Hedwig die Stadt Quedlinburg 1477 eine Niederlage erlitt, musste sie aus allen Bündnissen, auch der Hanse, austreten und durfte auch zukünftig keine neuen mehr eingehen. So blieb die Stadt bis zur Auflösung des Damenstiftes 1802 eine kleinstädtische Residenz, die von Ackerbau, Viehzucht, Schnapsbrennerei, Schweinemast und Wollhandel recht einträglich lebte. In späterer Zeit gehörte Quedlinburg zum Königreich Preußen und trug alle politischen Ereignisse in diesem Staat mit. Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert brachte die Saatzucht Quedlinburg einen bedeutsamen wirtschaftlichen Aufschwung. Firmen von Weltgeltung lieferten Zuckerrüben-, Gemüse- und Blumensamen in viele Länder. Noch heute wird, wenn auch in kleinerem Rahmen, in Quedlinburg geforscht und gezüchtet. Neben der traditionellen Landwirtschaft und dem Dienstleistungsgewerbe ist neuerdings auch der Tourismus ein Wirtschaftszweig für die Stadt geworden. Da Quedlinburg von Bränden und Kriegseinwirkungen weitgehend unzerstört blieb, hat sich ein einzigartiger historischer Stadtkern erhalten, der 1994 von der UNESCO zum Weltkulturerbe (90 ha) erklärt wurde.

Die heutige Kreisstadt am Nordrand des Harzes erfuhr im Laufe ihrer tausendjährigen Geschichte diverse Bevölkerungsschwankungen. Sind während der Zeit des Mittelalters Zahlen um die 6000 Einwohner bekannt, so verlor Quedlinburg während der Zeit des 30jährigen Krieges über die Hälfte der Bevölkerung. Doch die Zahl erholte sich durch den wirtschaftlichen Aufschwung der folgenden Jahrhunderte. Nach dem II. Weltkrieg hatte die Stadt kurzzeitig sogar 35.000 Einwohner, bedingt durch die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen. Heute leben ca. 22.500 Menschen im Stadtgebiet.

Da die Stadt nur kurz dem Hansebund angehörte, hat sich aus dieser Zeit nur wenig erhalten, obwohl jene 50 Jahre zu den politisch und wirtschaftlich aktivsten ihrer Geschichte gehörten. Der gotische Westturm an der Rathausfassade wurde um 1450 angefügt, um Münzstempel, Edelmetalle und wichtige Dokumente sicher unterzubringen. Der „Roland“, als Zeugnis hohen Bürgerstolzes, wurde während der Zeit der Hansemitgliedschaft aufgestellt (ca. 1440).


Die Überlieferung

Das Archiv

Stadtarchiv Quedlinburg, Markt 1, 06484 Quedlinburg

Tel:  03946/905530; Fax: 03946/9059500

E-Mail: stadt@quedlinburg.de

Öffnungszeiten:  Di  09.00 – 18.00; Do  09.00 – 15.00; Fr  09.00 – 13.00

Die Hansemitgliedschaft Quedlinburgs währte 51 Jahre, deshalb können nur relativ wenige Urkunden und Akten bestehen. Verheerend für diesen geringen Bestand war auch die Niederlage der Stadt bei den Kampfhandlungen mit der Fürstäbtissin Hedwig im Jahre 1477. Sämtliche Privilegienbriefe und Beitrittsurkunden zu den Städtebündnissen zog die Siegerin ein. Sie wurden entweder vernichtet oder in andere Archive überführt.

Viele Hinweise und Angaben zur Quedlinburgischen Hansezeit sind in den Quellenpublikationen zur Hanse sowie in den Archiven anderer Hansestädte (Braunschweig, Goslar, Magdeburg, Halle) zu finden.


Bilder der Hansestadt Quedlinburg

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