Erkunden Sie die Hansestadt Perleberg
Perleberg Marktplatz Dieter Zaplo

Nach der Eroberung des ostelbischen Slawenlandes durch deutsche Feudalherren wurde die Stadt Perleberg von der in der Altmark ansässigen Adelsfamilie Gans im 12. Jahrhundert gegründet. Archäologische Untersuchungen belegen eine Besiedlung seit 3000 Jahren durch germanische, slawische und deutsche Bewohner. Die Stadtgeschichtsforschung geht von drei Siedlungskernen aus, die sich auf drei Flussinseln bildeten.

Von den beiden Stepenitzinseln, die zur späteren Altstadt verschmolzen, ist die einstige Nicolaikirche mit Kaufmannssiedlung und der Bäckerstraße als Straßenmarkt zwischen zwei Stadttoren der ältere Siedlungskern. Der nur wenig jüngere zweite Siedlungskern ist die Jacobikirche mit christlicher Siedlung und einer unweit gelegenen Siedlung jüdischer Kaufleute. Jüngste Forschungen zur jüdischen Sied-lungsgeschichte bezeichnen den Aufstieg Perlebergs als eine gezielte Investition der Stendaler Kaufmannschaft in das neue Territorium.

1239 wird Perleberg erstmals als Stadt mit Salzwedler Stadtrecht urkundlich erwähnt. Als die Perleberger Linie der Adelsfamilie Gans um 1300 ausstarb, wurden die brandenburgischen Markgrafen Stadtherren von Perleberg, das Immediatstadt und später Hauptstadt der Prignitz wurde. Der Landesherr stattete die Stadt mit Privilegien aus.

Als Handelsstadt war Perleberg durch seine verkehrsgeographische Lage außerordentlich begünstigt. Die Handelsbeziehungen zu Wasser über die Stepenitz und Elbe sowie auf dem Landweg erstreckten sich bis an die Nord- und Ostsee bzw. nach Süddeutschland und Böhmen. Große mittelalterliche Handelsstraßen kreuzten sich hier: die aus dem Süden von Magdeburg über Stendal-Wittenberge und über Havelberg-Wilsnack nach Norden mit den aus dem Westen von Salzwedel-Lenzen nach Pritzwalk-Wittstock und über Kyritz weiter in östliche Richtung führenden Straßen. Gehandelt wurde u.a. mit Salz, Holz, Fisch, Pottasche und Tuchen. Im 14. Jahr-hundert hatte Perleberg eine eigene Münze, die Silberpfennige mit dem Stadtwappen, dem achtzackigen Stern, prägte.

Als Mitglied des mächtigen Hansebundes (1359-1447) überflügelte Perleberg alle Prignitzstädte und erlangte auch unter den Städten der Mark große Bedeutung als Zentrum politischen und wirtschaftlichen Geschehens der Region. Im Rahmen der ständischen Verfassung wurde sie 15. Jahrhundert „Vorort und Hauptstadt der Prignitz“ und vertrat die Prignitzstädte als Sprecherstadt auf den brandenburgischen Landtagen.

Der Dreißigjährige Krieg brachte Not und Verfall. Die Plünderungen und Gewalttaten der marodierenden Soldaten waren so grausam, dass von etwa 3000 Bewohnern nur 300 in der Stadt blieben. Aus dem Jahre 1476 ist die Zahl von etwa 300 Wohnhäusern bekannt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es laut Quellen nur noch „14 Buden, 6 baufällige oder untaugliche Häuser und 127 bewohnbare Häuser“. 1691 heißt es allerdings in einem Bericht an den Landesherren: „Die erschöpften Bürger haben sich merklich recolligieret, die verwüsteten Städte sind von Jahren zu Jahren wiederumb aufgebaut, und sind die Städte in ziemlichen wachstumb geraten.“ 1727 gab es wieder 1137 Erwachsene in der Stadt. 1720 ist die Zahl der Feuerstellen mit 344 angegeben. 1730 kamen 470 fremde Händler mit ihren Handelswagen nach Perleberg auf die im Frühjahr, Sommer und Herbst stattfindenden drei Jahresmärkte.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die verbliebenen Wehranlagen wie Stadtmauerreste und Stadttore abgetragen. Die Stadt erweiterte sich über den mittelalterlichen Stadtkern hinaus. Eine königlich-preußische Garnison wurde stationiert, auf deren Insassen mit ihren Bedürfnissen sich die Stadtbevölkerung einstellte. 1817 wurde die Stadt Kreisstadt der Westprignitz. Die Sozialstruktur des Stadt war geprägt durch Verwaltung, Handwerk und Gewerbe sowie durch Militär.

Große Umbrüche in der Zeit der Industrialisierung haben Perleberg nicht erreicht. Noch heute verfügt die Stadt über einen geschlossenen historischen Stadtkern mit reichhaltiger Bausubstanz, der in Verbindung mit der reizvollen Umgebung, den Flussniederungen der Stepenitz und Elbe, ausgedehnten Wäldern und geschichtsträchtigen Orten ein lohnenswertes Ziel für Touristen ist. Die Einwohnerzahl beläuft sich gegenwärtig auf circa 13.200 mit Einwohnern in zwölf Ortsteilen.

Die Überlieferung

Das Archiv

Stadtarchiv Perleberg, Karl-Liebknecht-Straße 33, 19348 Perleberg

Tel. 03876 / 781 150, Fax 03876 / 781 302

E-mail: archiv@stadt-perleberg.de

Öffnungszeiten: Di  9.00-11.00 und  13.00-17.30; Do  9.00-11.00 und 13.00-15.00

Das Stadtarchiv Perleberg ist in seiner jetzigen Form seit 1952 existent.

Die Aktenbestände, beginnend im 13.Jh., umfassen einen kleinen Teil von Urkunden und Amtsbüchern sowie über 10.000 Akteneinheiten bis in die heutige Zeit, außerdem Pläne und Karten, Zeitungen und Zeitungsausschnittsammlungen, Plakate und Fotos und eine Archivbibliothek mit ca. 3.000 Bänden.

Die Bestände des Stadtarchivs sind erschlossen durch eine Findmittelkartei und Findbücher. Auf der Internetseite der Stadt Perleberg stellt sich das Archiv mit seinen Beständen vor.

Die Hauptmasse der archivischen Überlieferung setzt erst ab dem 19.Jh. ein. Aus der Zeit der Zugehörigkeit der Stadt Perleberg zur Hanse sind nur wenige Dokumente wie Urkunden und Schriftstücke überliefert.

Das älteste Ratsbuch entstammt dem 15./16.Jahrhundert.

Besonderes Zeugnis des Ansehens der Stadt Perleberg aus der Hansischen Zeit ist der Friedensvertrag zwischen dem Kurfürsten Friedrich zu Brandenburg und den Herzögen und Fürsten von Pommern, Mecklenburg, Sachsen und Wenden. Eine gemalte Wandtafel im Sitzungsaal des Rathauses zu Perleberg erinnert noch an diesen Tag.


Wichtige Bestände für die Hansezeit und die frühe Neuzeit

I. Urkunden und Akten von besonderen historischem Wert

davon 53 aus der Zeit 1358 – 1447


II. Amtsbücher  und Handschriften

Ratsbuch 15./16.Jh.
Rechnungsbuch  ab 1472
Ratsprotokolle  ab  1594

Abschrift eines Schuldbriefes der Stadt Hamburg  an Perleberg von 1535


III. Akten

Magistratsarchiv

umfassender Bestand beginnend im 17.Jh.

Perleberg

Stadt Perleberg
Großer Markt
19348 Perleberg