Erkunden Sie die Hansestadt Gardelegen
Gardelegen Visitenkarte Marienkirche

Im Herzen der Altmark: die Einheitsgemeinde Hansestadt Gardelegen

Zur Einheitsgemeinde Hansestadt Gardelegen gehören seit der Gebietsreform von 2011 insgesamt 49 Ortsteile. Auf einem Areal von 632 km² – damit ist Gardelegen hinter Berlin und Hamburg die flächenmäßig drittgrößte Stadt Deutschlands – leben etwa 23.000 Menschen. In der Umgebung einer im 11. Jahrhundert errichteten Burg entstand die ursprüngliche Siedlung nahe einer Furt am Zusammenfluss von Milde und Lausebach, umgeben von Mooren und Wäldern. Ihr frühester urkundlicher Nachweis als Stadt geht auf das Jahr 1196 zurück.

Gardelegen erlebte im ausgehenden Mittelalter eine Blütezeit, die es nach den Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg über Jahrhunderte nicht wieder erreichen sollte. Aufgrund seiner strategisch günstigen Lage an der Kreuzung mehrerer Handelsstraßen wurde Gardelegen bald ein überregional bedeutender Handelsplatz. Hier konnten die Fernhändler aus dem Magdeburgischen auf dem Weg nach Lüneburg und an die Seehäfen Schutz finden, ausspannen, ihre Waren umladen, Fuhrwerke reparieren lassen und auch Handel treiben. Die Bürger der Stadt verdienten gut daran.

Schwerpunkt war der Handel mit Getreide und anderen Agrarprodukten. Hinzu kam das typischste der Gardelegener Produkte: der beste Hopfen Norddeutschlands. Das Garley-Bier – das älteste Markenbier der Welt – ging erst ab etwa 1485 in den hanseatischen Handel, als es durch den Zusatz der in anderen Gegenden schon länger angewandten Bierhefe haltbar und dadurch auch über größere Entfernungen exportreif gemacht werden konnte. Der Gerstensaft war also nicht, wie oft behauptet wird, der „Taufschein“ der Gardelegener Hansezugehörigkeit. Wohl aber der „Sargnagel“, denn als Folge der Bierziese-Aufstände von 1488 mussten sich die altmärkischen Städte auf Geheiß des Kurfürsten Johann Cicero von Brandenburg aus sämtlichen Städtebünden zurückziehen – also auch aus der Hanse.


Gardelegen und die Hanse

Angesichts der wenigen vorhandenen Quellen darf angenommen werden, dass Gardelegen von 1358 bis etwa 1488 der Hanse angehörte. Das erste Dokument, das Gardelegen in hanseatischen Belangen erwähnt, ist ein Schreiben, in dem die Stadt Rostock zum Hansetag nach Lübeck für den 24. Juni 1359 einlädt. Gerichtet war es an jene Städte, die „im Sommer 1358 in Lübeck zusammengekommen waren“. Unter den Altmarkstädten, die diese Einladung erhielten, war auch Gardelegen – schlüssiger Beweis, dass es (mindestens) seit 1358 zur Hanse gehörte.

Vielfältig sind die noch vorhandenen steinernen Zeugen, die ihren Ursprung in der Blütezeit von Handel, Handwerk und Hanse im späten Mittelalter haben:

  • Die Stadtkirchen St. Marien und St. Nikolai als Zeugnisse der Norddeutschen Backsteingotik
  • Das Rathaus gotischen Ursprungs, dessen Fassade von den Wappen der altmärkischen Hansestädte geschmückt wird
  • Die Reste der ehemaligen Stadtbefestigung von 1550 mit dem Salzwedeler Tor, einem der markantesten Stadttore Norddeutschlands
  • Eine geschlossene denkmalgeschützte Altstadt, die zwar mehrfach durch Stadtbrände zerstört wurde, deren Grundriss aber noch heute das mittelalterliche Stadtbild erkennen lässt. Mehrere Bürgerhäuser haben die Jahrhunderte überdauert. Unter vielen von ihnen befinden sich gut erhaltene Gewölbekeller – Zeugen der einstmals mehr als 200 Braustätten in Gardelegen


Gardelegens historisches Erbe – noch heute zu erleben

Hopfen und Bier waren jahrhundertelang Symbole des Wohlstands der Stadt und ihrer Bürger. Noch immer zieren drei Hopfenranken das Stadtwappen. Einige Jahre hindurch waren sie allerdings die einzige Erinnerung an Gardelegens Brautradition.

Doch es gibt Menschen, denen das nicht genug ist: Den Brüdern Jens und Lars Vogel ist es gelungen, zusammen mit der Hansestadt Gardelegen und der Brauerei „Schulzens“ in Tangermünde ein speziell für Gardelegen und das Hansefest 2019 gebrautes, ungefiltertes und naturbelassenes Spezialbier nach alter Tradition herzustellen – den „1356 Hanse-Urtrunk“. Die Resonanz war enorm. Das hat die Brüder in dem Vorhaben, weiter für Gardelegen zu brauen und das Bier in der Stadt zu vertreiben, bestärkt. Aktuell wird das Bier in Tangermünde hergestellt und abgefüllt. Ziel des frisch gegründeten Unternehmens „Garley Braugesellschaft mbH & Co. KG“ der Brüder Vogel ist es aber, in naher Zukunft auch wieder in Gardelegen zu brauen – der Tradition verpflichtet!

Den dreieckigen Marktplatz, an dem sich zur Hansezeit zwei bedeutende Handelsstraßen kreuzten, ziert zu Füßen des Rathauses als Symbol von mittelalterlicher Gerichtsbarkeit, von Bürgerstolz und Freigeist seit 2002 wieder ein steinerner Roland. Sein Vorgänger war im Jahre 1727 wahrscheinlich mutwillig zerstört worden.

Ein Kleinod der Stadt sind die Wallanlagen – ein grüner Ring um den mittelalterlichen Stadtkern, gebildet aus einer weit über 100 Jahre alten Lindenallee. Entlang des Rundweges erinnern Reste der historischen Befestigungsanlage, der Stadtgraben, Fragmente alter Wachttürme und der vier Stadttore an die Wehrhaftigkeit des mittelalterlichen Gardelegen. In unmittelbarer Nachbarschaft zeigen Rosarium und Tiergehege, Sportplätze und Themengärten, dass die Zeit auch auf dem Wall nicht stehengeblieben ist. Seit 2004 gehören die Wallanlagen zum denkmalpflegerischen Landesprojekt „Gartenträume – historische Parks in Sachsen-Anhalt“.


Sehenswürdigkeiten in anderen Ortsteilen

Jeder der 49 Ortsteile bringt sein ganz besonderes Flair, seine ganz besondere Geschichte ins bunte Mosaik der Einheitsgemeinde Hansestadt Gardelegen ein. Jeder von ihnen hat seine ganz besonderen Sehenswürdigkeiten. Aus der Fülle seien erwähnt:

Das Jagdschloss Letzlingen, dessen Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht und aufs engste mit dem Haus Hohenzollern verbunden ist. Seine Bedeutung erlangte das Areal durch die Hof- bzw. Kaiserjagden, die zwischen 1843 und 1912 hier abgehalten wurden.

Heute befindet sich im Schloss eine repräsentative Ausstellung zur Geschichte der Jagd und der Hohenzollern in Letzlingen.   

Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster in Kloster Neuendorf wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Die schlichte gotische Backsteinkirche mit dem niedrigen Kreuzgang und einige Klausurgebäude haben die Zeiten überdauert. Von außerordentlicher kunstgeschichtlicher Bedeutung sind die mittelalterlichen Glasmalereien aus der Mitte des 14. Jahrhunderts.  

Die Dorfkirche von Berge erlangte überregionale Berühmtheit durch ihre Decken- und Wandmalereien aus dem frühen 17. Jahrhundert. Sie sind Werken von Michelangelo Buonarotti nachempfunden und haben dem Kirchlein den Beinamen „Sixtinische Kapelle der Altmark“ eingetragen.   

Die romanische Feldsteinkirche von Wiepke entstand um 1180 und gilt damit als ältestes erhaltenes Gebäude der Region. Von der mittelalterlichen Ausstattung sind die Orgelempore und der frühgotische Taufstein erhalten. Das Gotteshaus ist das einzige Objekt der Einheitsgemeinde Gardelegen an der Straße der Romanik.   

Der verwunschene Gutspark in Weteritz aus dem 19. Jahrhundert lässt in seiner Gestaltung Einflüsse des berühmten Gartenkünstlers Peter Joseph Lenné erkennen. Er bietet dem Naturfreund eine Fülle seltener Gehölze, artesische Brunnen und andere Naturschönheiten.   

Das Gut Zichtau hat seine Ursprünge bereits um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Unter der Regie von Hasso von Blücher, der es Ende der 1990-er Jahre erwarb, wurden die Orangerie, der Kornspeicher und der Rinderstall grundlegend saniert. Darüber hinaus entstanden mehrere Themengärten. Inzwischen hat sich auf dem Gelände die Stiftung Zukunft Altmark mit Tagungszentrum und Veranstaltungsräumen etabliert. Events mit namhaften Künstlern machen den Ort zu einem Anziehungspunkt für Kunst- und Literaturfreunde.

Text: Rupert Kaiser 


Bilder der Hansestadt Gardelegen

Gardelegen

Hansestadt Gardelegen
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39631 Gardelegen