Erkunden Sie die Hansestadt Anklam
Nikolaikirche

Die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstandene städtische Siedlung wurde 1243 urkundlich erwähnt. Von kaum passierbaren Mooren und Sümpfen umgeben, war der Ort Tanchlim vor feindlichen Angriffen weitestgehend geschützt.

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I. Die Stadt

Durch die günstige Lage an der Peene, die sich hier mit dem bedeutenden Landhandelsweg der Hanse von Lübeck nach Nowgorod kreuzte, entwickelte sich der Marktort schnell und wurde Mittelpunkt eines Verwaltungsbezirkes, dem ein Vogt vorstand.

Deutsche Siedler begründeten dann die planmäßige Anlage der Stadt mit ihrer schachbrettartigen Straßenführung. Das Tuchmachergewerbe hatte Bedeutung, wie die Straßennamen Breite und Enge Wollweberstraße und Gerberstraße belegen.

Der damalige Pommernherzog Barnim I., der auch der Städtegründer genannt wurde, hielt sich zwischen 1247 und 1277 oft in Anklam auf. Eine Urkunde zur Stadtrechtsverleihung ist allerdings nicht überliefert. Eine erstmalige Erwähnung als Stadt erfolgte in einer Urkunde des Herzogs von 1264, welche die Bürger, die in der Stadt Tanglym (Anklam) wohnen, von jedem Zoll befreit und das Recht einräumt, auf allen seinen Gewässern ungehindert Schifffahrt zu betreiben.

Schon 1283 wird die Stadt mit Lübischem Recht Hansestadt. Das in Rostock abgeschlossene Landfriedensbündnis vereint erstmals die Städte Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund, Greifswald, Anklam, Stettin und Demmin. Die Fernhandelsstadt entwickelt sich zu einer reichen und bedeutenden Hansestadt mit großem Grundbesitz.

Der Warenumschlag von Getreide, Fisch, Tuch, Leder, Bier und Vieh im Anklamer Hafen war sehr einträglich. Insbesondere der Heringshandel auf den stadteigenen Vitten (Handelsniederlassungen) auf Falsterbo und Skanör brachte großen Reichtum. Dadurch konnte Anklam u.a. zwei große Stadtkirchen errichten und die Befestigung der Stadt ausbauen. Gegen feindliche Übergriffe schließt Anklam 1339 ein 4-Städte-Bündnis mit den pommerschen Städten Stralsund, Greifswald und Demmin.

Im November 1808 wurde mit der neuen Städtereform in Anklam die mittelalterliche Stadtverfassung von 1353 aufgehoben. Durch die ständigen Kriege geschwächt, erholten sich Stadt und Land allmählich. 1869 entsteht der erste Industriebetrieb, die Eisengießerei und Maschinenfabrik Münter. Neue Chausseen und die Bahnanbindung 1863 verstärken den wirtschaftlichen Aufschwung. Zwischen 1820 und 1870 erhöhte sich die Zahl der Einwohner von 7000 auf 12 000.

Die Wiederaufrüstung in Deutschland vor dem 2. Weltkrieg verschaffte Anklam zunächst eine Konjunktur. Die alte Eisengießerei wurde ein Betrieb der Arado-Flugzeugwerke mit über 2000 Beschäftigten. Die Einwohnerzahl überschritt 1939 die 20 000.

Doch Fliegerhorst und Flugzeugwerke machten Anklam im Krieg zum Angriffsziel alliierter Bomberverbände. Luftangriffe 1943,1944 und 1945 legten die alte Hansestadt in Schutt und Asche. 80 % der Innenstadt wurden zerstört.

Mit dem Wiederaufbau der Innenstadt nach dem Krieg, zumeist mit Großblock- und Plattenbauten, ist man dem einstigen Erscheinungsbild der Hansestadt nicht gerecht geworden. Nach der Wende 1990 ist das teilweise besser gelungen.


II. Die Überlieferung
Archive und Präsentation

Die Hansestadt Anklam verfügt gegenwärtig nur über ein Verwaltungsarchiv. Das historische Stadtarchiv mit Beständen aus der Hansezeit (u.a. Urkunden und eine mittelalterliche Magistratsbibliothek) befindet sich im Vorpommerschen Landesarchiv Greifswald, Martin-Andersen-Nexö-Platz 1, Tel. 03834/5953-0.

Weitere Überlieferungen zur Hansegeschichte Anklams sind daher in Quellenarchiven zur Hanse sowie in Briefbüchern und Kopialien anderer Hansestädte zu suchen.


Museum im Steintor

Das Regionalmuseum im letzten erhalten gebliebenen Stadttor der ehemals mittelalterlichen Befestigungsanlagen zählt zu den ältesten Museen in Vorpommern. Es präsentiert eine ausführliche Ausstellung zur Hansegeschichte Anklams in dem noch aus der Hansezeit stammenden Gebäude.

Das Museum verfügt über ein Archiv und eine Bibliothek. Der Bestand ist zu 80 % erschlossen. Der Katalog ist teilweise über den Internetauftritt des Museums einsehbar.

Eine Benutzung des Archivs ist nach Voranmeldung möglich.

www.museum-im-steintor.de


Literatur (Auswahl)

H. Bellee: Bericht über die Verzeichnung der kleineren, nicht staatlichen Archive. Stettin 1941. 
J. W. Bruinier: Das Stadtbuch von Anklam, Ältester Teil 1401 1429. Köln/Graz 1960. 
J. W. Bruinier: Das Stadtbuch von Anklam, 2. Teil 1429 1453. Köln/Graz 1964. 
J. W. Bruinier: Das Stadtbuch von Anklam, 3. Teil 1454 1474. Köln/Graz 1965. 
C. F. Stavenhagen: Topographische und chronologische Beschreibung der Pommerschen Kauf- und Handels-Stadt Anklam aus Urkunden und historischen Nachrichten verfasst und mit einem Anhange des Herrn Pastors J. F. Sprengels. Greifswald 1773.


Bilder der Hansestadt Anklam

Anklam

Hansestadt Anklam
Markt 3
17389 Anklam