07. Dezember 2020

Osnabrück/Deventer: gemeinsame Studienprojekte

Deventer Faltas

„Voneinander lernen – miteinander arbeiten!“ Auch in diesem Semester werden erneut zwei zukunftsorientierte Themen gemeinsam von Studierenden der Hochschule Osnabrück und der Saxion University of Applied Science Deventer in Zusammenarbeit mit den Städten Osnabrück und Deventer bearbeitet. Eine Zusammenarbeit zweier Hansestädte, die bereits seit 2015 besteht und sich bewährt hat. Städte lernen voneinander, können ihre Vorgehensweise mit anderen Städten vergleichen und im besten Fall Lösungen übernehmen.

Thema 1 widmet sich in diesem Jahr dem Umgang mit von der Norm abweichendem Hausmüllverhalten. Denn: Die Trennung und Entsorgung von Hausmüll ist in den Städten ein wichtiges Thema. Die Stadt muss ein angemessenes und erschwingliches System für die Sammlung, Trennung, Beseitigung und Entsorgung von Hausmüll bereitstellen. Dies ist nur dann erfolgreich, wenn Bürger und Besucher verantwortungsbewusst und in Übereinstimmung mit der örtlichen Abfallpolitik mit ihren Abfällen umgehen. Wie fördern Osnabrück und Deventer ein solches verantwortungsbewusstes Abfallverhalten? Was wird unternommen, um dies durchzusetzen und abweichendes Abfallverhalten von Bürgern und Besuchern zu unterbinden? Was könnte verbessert werden?

Im Thema 2 dreht sich alles um die Bedeutung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) für Kommunen. Hier gilt: In den vergangenen Jahren haben die Nachhaltigkeitsziele weltweit eine prominente Position in der strategischen und politischen Planung eingenommen. Immer mehr lokale Verwaltungen integrieren sie in den lokalen mittel- und langfristigen Visionen, Politiken und Butgetplanungen. Beide – Osnabrück und Deventer – haben kürzlich nationale Auszeichnungen für die Implementierung der SDGs in ihren Städten erhalten. Was haben die Kommunen unternommen, um nationale Aufmerksamkeit zu erregen? Welche Bedeutung haben die SDGs für die Kommunalpolitik? Welche Verbesserungsmöglichkeiten gibt es?

Unterstützt wird die Arbeit der Studierenden durch Ansprechpersonen in den Hochschulen sowie bei den Stadtverwaltungen. Experten aus den jeweiligen Fachdiensten stehen bei inhaltlichen Fragestellungen zur Seite. Koordiniert wird das Projekt von zentralen Ansprechpersonen bei den jeweiligen Kommunen.  „Ich bin wirklich gespannt auf die Ergebnisse, denn Osnabrück und Deventer haben unterschiedliche Ausgangssituationen und Strukturen, unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen und letztlich auch einige kulturelle Unterschiede“, so Cornelia Pabst, Koordinatorin der Zusammenarbeit seitens der Stadt Osnabrück. Offziell gestartet ist die Bearbeitung der Themen im September 2020. Coronabedingt fanden die Kickoff-Termine digital statt. Auch die gemeinsame Bearbeitung durch die 15 Studierenden erfolgt ohne ein persönliches Treffen. Im Dezember 2020 werden erste Ergebnisse präsentiert, die schriftliche Präsentation erfolgt drei Monate später. „Ich drücke den Studierenden und uns die Daumen, dass wir trotz Abstand und Coronakrise Möglichkeiten finden, auch diesmal miteinander und voneinander zu lernen“, so Adel Faltas von der Stadt Deventer. Er koordiniert bereits seit 2015 die gemeinsamen Studienprojekte.

Insbesondere Thema 2 ist ein Thema, welches künftig immer mehr Kommunen, aber auch kommunale Verbände, Zusammenschlüsse, Vereine, Firmen etc. beschäftigen wird. Welchen Beitrag kann jeder einzelne Akteur leisten? Welche Ziele können wir gemeinsam erreichen? Wie lassen sich die SDGs in strategische Planungen aufnehmen? Wie lässt sich Erfolg messen? Was machen andere Hansestädte?

Interesse an den Ergebnissen oder an einer weiterführenden Diskussion? Dann wenden Sie sich gerne an Cornelia Pabst (Pabst(at)osnabrueck.de) oder Adel Faltas (a.faltas(at)deventer.nl).

Zum Hintergrund

Seit 2013 tauschen die Städte Osnabrück (Deutschland) und Deventer (Niederlande) sich aus. Das entstand dank der bereits bestehenden Zusammenarbeit der Hochschulen in beiden Städten. Mit Einvernehmen beider Bürgermeister  - aber ohne formale Städtepartnerschaft - wuchs ein kollegialer Austausch u.a. über kommunale Statistik, strategische Zielsetzung und Projektmanagement. Seit 2015 erweiterte sich die Zusammenarbeit auf die Hochschulen. Gemischte Gruppen von Studierenden bearbeiten jährlich zwei Aufträge, die beide Städte gemeinsam vergeben. Verschiedene Themenbereiche auf kommunaler Ebene sind denkbar; bisher wurden u.a. die Themen Jugendtourismus, Abfallpolitik, jugendorientierte Stadt und Subventionspolitik bearbeitet. Dies sind nur einige Beispiele der 12 Aufträge bis Dato. Kern der Aufgabe ist immer der Vergleich: mit welchen Zielen und Maßnahmen geht die andere Stadt in diesem Bereich vor? Wie zufrieden ist man mit den Ergebnissen? Was kann die eine Stadt von der anderen übernehmen? Haben die Studierenden eigene Verbesserungsvorschläge? Die grenzübergreifende professionelle Zusammenarbeit auf Englisch („Amtssprache“ des Projekts) ist für alle - Studierende, Dozenten und Mitarbeiter der Stadt - ungewohnt. Dadurch lernen alle Beteiligten in diesem Projekt.