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Bergen

Nach der Überlieferung wurde Bergen im Jahre 1070 von König Olav Kyrre gegründet. Befunde späterer archäologischer Untersuchungen haben zu keinen nennenswerten Verschiebungen dieses Datums geführt.

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I. Die Stadt
Bergen 1070 – ca. 1360

In der Umgebung gab es kaum Naturschätze. Durch die geringe Besiedlungsdichte und die einseitigen Naturgegebenheiten war man gezwungen, eine Reihe von Waren zu importieren. Diese Waren wurden mit Exportprodukten bezahlt. Im Mittelalter waren Fischprodukte die wichtigste Exportware Norwegens.

Bergen lag genau zwischen den großen Fischereien in Nordnorwegen und den europäischen Handelspartnern. Deshalb wurde Bergen als Umschlagsplatz für Im- und Exportwaren gegründet. Es gab einen geschützten Hafen und eine gute Wasserzufuhr aus den die Stadt umgebenden Bergen. Das Bauland befand sich auf einem relativ schmalen Streifen auf der Ostseite des Hafens zwischen der See und den Bergen.

Entscheidend für die Bebauung waren die Besitzverhältnisse; alles deutet darauf hin, dass der König bei Gründung der Stadt als Besitzer und regulierende Instanz auftrat. Die ersten Häuser standen an der gleichen Stelle, an der heute die Doppelhöfe auf Bryggen stehen. Die Gebäude bestanden aus zwei Häuserreihen mit zur See gewandten Giebelwänden und einer gemeinsam genutzten Passage. Gegen 1170 expandierte die Stadt, und um Baugrundstücke zu gewinnen, begann man, Häuser in die See zu bauen. Diese Form der Expansion hielt an, und als im Jahre 1350 Bergen von der Pest heimgesucht wurde, war die Bebauung schon bis zu 60 Meter in die See gewachsen. Zu dieser Zeit dürfte Bergen ungefähr 5000 Einwohner gehabt haben.

1191 waren einige Kreuzfahrer in der Stadt, die unter anderem Folgendes niederschrieben: „Stockfisch, der auch Kabeljau genannt wird, gibt es in so großen Mengen, dass er weder gemessen noch gezählt werden kann. Schiffe und Männer kommen aus allen Himmelsrichtungen angesegelt.“

Bergen war eine internationale Stadt geworden. Es kamen auch deutsche Kaufleute, um Stockfisch und Tran gegen ihre Waren einzutauschen. Die ersten Deutschen kamen wahrscheinlich vom Rhein, ab Mitte des 13. Jahrhunderts aber kamen sie aus den Städten an der Ostsee. Sie brachten Getreide mit, das für Nordnorwegen lebensnotwendig war. Dies war entscheidend für die Geschichte der Hanse in Bergen.

Im Jahre 1350 wurden fast der gesamte Adel und große Teile des Handelsstands von der Pest dahingerafft. Dies öffnete Tür und Tor für die Gründung des Deutschen Kontors in Bergen um 1360. Die Hanseaten blieben 400 Jahre in Bergen. Die Stadt Bergen ist nie Mitglied der Hanse gewesen.


Das Deutsche Kontor in Bergen ca. 1360 – 1754

Das Kontor in Bergen ist als letztes der vier hanseatischen Kontore gegründet worden, und es hat am längsten Bestand gehabt. Grundlage des Handels am Kontor waren der Import von Getreide, Mehl, Malz, Bier und Fischereigerätschaften sowie der Export von Stockfisch, Tran und Häuten.

Die Hanseaten erhielten in einer für Norwegen schwierigen Zeit den internationalen Handel aufrecht und erlangten ein fast vollständiges Monopol für den Handel mit Stockfisch und Tran. Das Kontor war dem Mittelstand vorbehalten und kann in seiner Großzeit bis zu 1000 Mitglieder gehabt haben. Es war eine reine Männergesellschaft, die Mitglieder waren unverheiratet und zogen zurück nach Deutschland, wenn sie ökonomisch in der Lage dazu waren, dort zu leben.

Das Kontor erhielt ein eigenes Gebiet, Bryggen, mitten in der Stadt gelegen. Es gab einen Ältestenrat, der das Kontor nach dem eigenen Regelwerk verwaltete und unter anderem über eine interne Gerichtsbarkeit verfügte. Das Regelwerk wurde vom Hansetag erarbeitet und von Lübeck aus kontrolliert. Das Kontor durfte Handel treiben mit der Provinz Nordland und Teilen von Troms, nicht aber mit anderen Regionen.

In Bergen war die Bedeutung des Kontors begrenzt, für Nordnorwegen aber war sie enorm. Die Hanseaten konnten das lebensnotwendige Getreide beschaffen und kannten die europäischen Absatzmärkte für Stockfisch und Tran. Für die Hanse an sich waren notwendigerweise alle vier Kontore von großer Bedeutung, auch wenn das Deutsche Kontor in Bergen am wenigsten Ertrag brachte. Die Männer, die auf Bryggen in Bergen gearbeitet hatten, etablierten sich meist als solider Mittelstand in ihrer Umgebung.


Das Norwegische Kontor in Bergen 1754 – 1899

Ab 1630 wurden immer mehr hansische Kaufleute Bürger der Stadt Bergen und betrieben weiterhin Handel mit Stockfisch, Tran und Getreide. Im Jahre 1740 gab es nur noch neun deutsche Handelsstuben, während neunzig im Besitz von Bergener Bürgern waren.

Zu diesem Zeitpunkt begann die Umorganisation des Kontors, und 1754 wurde schließlich das Norwegische Kontor gegründet. Die Organisation übernahm einen Großteil des hanseatischen Regelwerks und führte es weiter bis in die vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts. Es war z.B. einem Handelsverwalter bis zum Ende der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts verboten, zu heiraten.

Ein Großteil der Kaufleute auf Bryggen war bis in die vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts immer noch in Deutschland geboren, und man sprach bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Deutsch auf Bryggen. Der letzte deutsche Gottesdienst in der Marienkirche wurde 1868 abgehalten. Der „sanfte“ Übergang von deutscher zu Bergener Organisation hatte dazu geführt, dass man die alten Märkte in Deutschland behalten konnte und gleichzeitig die Möglichkeit hatte, an anderer Stelle zu expandieren. Dies führte unter anderem dazu, dass sich ein umfangreicher Stockfischhandel mit Italien entwickelte. Italien ist immer noch Norwegens wichtigster Absatzmarkt für Stockfisch.

1899 wurde das Norwegische Kontor aufgelöst. Dies war das Ende einer fast 500-jährigen Epoche.


Bergen heute

Heute hat Bergen 250.000 Einwohner, und zwei Drittel der norwegischen Exporte stammen aus der Region. Die meisten Einnahmen werden mit Öl und Gas aus der Nordsee sowie der Schifffahrts- und Fischereiindustrie erwirtschaftet. Die Stadt verfügt über eine starke Forschungslandschaft, einen vielfältigen und hoch entwickelten Industriesektor und Zugang zu einigen der größten Energiequellen der Welt: Öl, Gas und Wasserkraft.

Bergen ist das Tor zur norwegischen Fjordlandschaft und einer der Touristenmagnete in Nordeuropa mit einem der größten Passagierhäfen in Europa. Bergen ist ein lebendiges Zentrum für Kunst und Kultur und erhielt im Jahr 2000 den Status einer Europäischen Kulturhauptstadt.


II. Die Überlieferung
Das Archiv

Bergen Byarkiv. Kalfarveien 82, N-5018 Bergen.
Adresse: PO Box 7700, N-5020 Bergen
Tel. +47 55 56 62 83, Fax +47 55 56 62 40
E-Mail: post.byarkivet@bergen.kommune.no
Websites: www.bergen.kommune.no/byarkivet, www.oppslagsverket.no

Öffnungszeiten: Mo - Fr  9.00 bis 15.00 Uhr, Mi auch 15.00 – 20.00 Uhr nach Vereinbarung.

Das Stadtarchiv von Bergen beherbergt gegenwärtig rund 19.000 Regalmeter Archivmaterial aus der Stadtverwaltung sowie zusätzlich von Unternehmen, Organisationen, Einzelpersonen usw. aus der Stadt.

Das älteste Objekt ist das Bürgerbuch aus den fünfziger Jahren des 16. Jahrhunderts bis 1751, eines der wenigen Bücher, das den großen Stadtbrand von 1702 überstand, der nicht nur das Stadtarchiv, sondern den größten Teil der Stadt vernichtete. Der Katalog wurde mit Hilfe des norwegischen Datenbanksystems Asta erstellt, eine Netzversion ist in Vorbereitung. www.oppslagsverket.no ist ein Nachschlagewerk im Internet, das einige der Informationen enthält, die im Stadtarchiv verfügbar sind. Etwa 20 Einträge befassen sich mit der Hanse, Bryggen und dem Fischhandel.

Die Archive des Kontors, der Organisation der deutschen Händler auf Bryggen, wurden in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts nach Lübeck gebracht und befinden sich heute im Lübecker Stadtarchiv. Einige restliche Fragmente werden im Stadtarchiv von Bergen aufbewahrt, das auch die Archive der Nachfolgeorganisation, des Norwegischen Kontors (1754 – 1899), enthält. Das Stadtarchiv besitzt auch die Hausarchive einiger Händler auf Bryggen aus dem Zeitraum vom frühen 18. Jahrhundert bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts; mehrere davon waren Deutsche. Diese Archive geben Auskunft über die Beziehungen zwischen den deutschen Händlern und den nordnorwegischen Fischern.

Listen dieser Archive finden sich auf www.oppslagsverket.no unter den Stichworten „Nordlandshandel“ und „Hansa“. Eine Übersicht über die verschiedenen Archivquellen in norwegischer Sprache finden Sie hier.

Das Stadtarchiv verfügt über Lesesäle und Räumlichkeiten für Gruppen und Wissenschaftler. Es gibt zudem eine Dauerausstellung. Die öffentlich zugänglichen Flächen sind behindertengerecht ausgestattet. Die Bibliothek ist vom Lesesaal aus zugänglich und umfasst mehr als 25.000 Bände. 

Archive von einigen Handelsunternehmen befinden sich in der Spezialsammlung der Universitätsbibliothek Bergen.


Literatur und Präsentation

Andersson, Helle, Wiberg, Trebbi: Bryggen. Das Hanseatische Kontor in Bergen. Bergen 1982.

Bergen Bys Historie I og II.


Bergen Historiske Forenings Skrifter:

Nr 1, 1895: Dat Gartenrecht in den Jacobsfjorden unndt Bellgarden. (1529-1638).
Nr 3, 1897: Der Gesellen Boeck jm Jacubsforden unnde Belgarden. (1604-1671).
Nr 31,32, 1925,1926: E.Bull: Bergen og Hansestæderne.


Nogle oplysninger fra nordtyske arkiver. 

Nr 38, 1932: O.Brattegard: Über die Organisation und die Urkunden des hansischens Kontors zu Bergen.

F.Bruns: Die Sekretäre des Deutschen Kontores zu Bergen. Bergen 1939.
Das Frachtherrenbuch der Lübecker Bergenfahrer. Bergen 1953.
Das Hansische Kontor zu Bergen und die Lübecker Bergenfahrer. International Workshop.Lübeck 2003.
Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos I-II. Ausstellungskatalog. Hamburg 1989.
Britt Kristin Holsen: Nordlands handelarkiver. Historikk, veiledning og arkivfortegnelser. Bergen Byarkivs skrifter, rekke B nr. 3. Bergen 1984.
M.Trebbi: Bryggen i Bergen. Oslo 1997. Mit englischem Paralleltext.
Chr. Koren Wiberg: Det Tyske Kontor i Bergen. Bergen 1899.
Bergen-Fahrer dokumenter i tyske arkiver. Bergen 1921.
Det Hanseatiske Museums manuskriptsamling. Bergen 1926.
Hanseaterne og Bergen. Bergen 1932.Joh. Koren Wiberg: Det Norske Kontor. Bergen 1934.

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