Kontore im Ausland

Kontore im Ausland © H.-J. Draeger / © BOYENS BUCHVERLAG

Kontore nannte man die großen Handelsniederlassungen der Hanse im Ausland. Sie bildeten die Eckpfeiler des hansischen Handels. Es waren dies der Stalhof in London, der Peterhof in Nowgorod, das Kontor in Brügge und die Deutsche Brücke in Bergen. Kleinere Handelsstützpunkte gab es in größerer Zahl, man bezeichnete sie als Faktoreien.

Die gewählten Ältermänner, Leiter der Kontore in der Fremde, mussten gute Beziehungen zu den jeweiligen Herrschern herstellen und aufrechterhalten, um für die deutschen Kaufleute günstige Handelsbedingungen im Lande zu schaffen.

Es gab aber auch andere Methoden, um Vorrechte (Privilegien) für Fernhändler von den Landesherren zu erhalten. Als 1284 der norwegische König die Privilegien der Hansekaufleute zu beschneiden versuchte, brachen diese die Handelsbeziehungen einfach ab und lieferten kein Getreide mehr. Als die Hungersnot im Lande zu groß wurde, musste der König nachgeben und den Kaufleuten sogar erweiterte Rechte zugestehen. Das Druckmittel der Handelssperre setzte die Hanse mehrfach auch in anderen Ländern ein.

Nowgorod

Da der Weg nach Nowgorod in Russland sehr weit, schwierig und gefährlich war, blieben die Händler meist ein halbes Jahr dort. Sommer- und Winterfahrer lösten sich ab. Die Regeln für das Zusammenleben der Deutschen im Peterhof waren in der „Schra“ zusammengefasst. Der Hof hatte seinen Namen von der St. Peterskirche, dem einzigen Gebäude aus Stein, das auch als Warenlager und Tresor diente. Die ganze Anlage war mit einem hohen Palisadenzaun gesichert und bestand aus zahlreichen Holzhäusern.

Die Gotländer besaßen mit dem Gotenhof schon sehr früh eine Niederlassung in Nowgorod. Sie nahmen in der Folgezeit auch die Deutschen mit dorthin, bald aber wurden sie von diesen aus dem Geschäft gedrängt. Im Wechsel mit Visby regelte Lübeck fortan die Angelegenheiten im Kontor von Nowgorod. Später übernahm Riga diese Stellung.

Pelze und Wachs, Honig und Holz waren die Hauptausfuhrartikel des Kontors, dafür brachten die niederdeutschen Händler Tuche, Bernstein, Salz, Wein, Silber und vieles andere mehr.

Bergen

Im norwegischen Bergen bezeichnete man den Standort des Hansekontors als „Tyske Bryggen“, „Deutsche Brücke“. Es bestand aus zahlreichen am Kai aufgereihten Holzhäusern, an die sich schmale Höfe anschlossen. Hier lebten und arbeiteten die deutschen Geschäftsleute mit ihren Hilfskräften auf engem Raum. Getrockneter Kabeljau, der sogenannte Stockfisch, wurde ausgeführt, ins Land brachte man vorwiegend Getreide. Die Lübecker Bergenfahrer leiteten das Kontor.

Wenn Lehrjungen zum ersten Mal nach Bergen kamen, wurden sie zunächst kräftig „gehänselt“, das heißt, sie hatten eine oft brutale Aufnahmeprüfung zu bestehen. Zum Beispiel mussten sie in beißendem Rauch laut singen oder Fragen beantworten. Verhinderte das der Husten oder die Atemnot, gab es reichlich Prügel. Die raue Männergesellschaft nannte das „die Bergener Spiele“ und vergnügte sich köstlich dabei.

Brügge

Das Kontor in Brügge war das wichtigste für die Hanse. Hier kamen die Kaufleute aus der ganzen damals bekannten Welt zusammen und tauschten Waren und Erfahrungen aus. Man lebte nicht in einem abgeschlossenen Bereich, sondern bei einheimischen Wirten, die gleichzeitig als Makler tätig waren. Erst 1442 erhielten die Deutschen mit dem „Osterlingenhaus“ eine eigene Versammlungsstätte, vorher tagten sie in den Räumen eines Klosters.

Mehrfach boykottierten die Hansekaufleute den Handel mit der flandrischen Stadt Brügge, weil sie ihre Rechte missachtet sahen. Sie zogen sich nach Aardenburg oder Dordrecht in den Niederlanden zurück und betrieben von da aus ihre Geschäfte, bis Brügge klein beigab.

London

1175 stellte der englische König Heinrich II. einigen Kölner Kaufleuten Schutzbriefe aus, die es ihnen erlaubten, in England Weinhandel zu betreiben. Im 13. Jahrhundert konnten auch die Fernhändler aus den Ostseestädten in den Englandhandel mit ihren Waren einsteigen.

Das Versammlungshaus der Hansa Allemanie in London war die „Guildhall“. Hier befanden sich die Geschäfts- und Lagerräume sowie die Wohnstätten der Kaufleute. Später bildete der ganze Bereich den „Stalhof “, weil hier Waren „gestalt“, das heißt mit Gütesiegeln versehen wurden.