Sprachauswahl - Select language

Hansischer Städteführer Stralsund

Adresse
Hansestadt Stralsund, Alter Markt 1, 18408 Stralsund
Telefon: 03831 / 252-0
Internet: www.stralsund.de
E-Mail: info@stralsund.de; info@stralsundtourismus.de

I. Die Stadt

Am 31. Oktober 1234 verlieh Rügenfürst Wizlaw I. das Stadtrecht an den damals Stralow genannten Ort, der aus einer slawischen Siedlung gewachsen ist. In einer Urkunde von 1240 heißt die Stadt dann bereits Stralesund. Handel und Schiffahrt waren die dominanten und ertragreichsten Erwerbszweige.  Dafür stehen u. a. das erste Stadtsiegel von 1265 mit einem Schiffsmotiv und die 1278 erlassene Hafenordnung. Wie erfolgreich die Kaufleute waren ist äußerlich an den noch heute vorhandenen Backsteinbauten ablesbar: das Rathaus mit seiner imposanten Schauwand, die Kirchen St. Nikolai, St. Marien und St. Jakobi sowie die Klöster St. Katharinen und St. Johannis. Hinzu kommen eine Vielzahl von Kaufmannshäusern des 13. bis 15. Jahrhunderts.

Stralsund gehört zu den Städten, die die Entwicklung der Hanse mitbestimmten. So fanden die Friedensverhandlungen zwischen den Vertretern des Königreiches Dänemark und denen der Kölner Konföderation in Stralsund statt. Der am 24. Mai 1370 geschlossene Frieden wurde im hiesigen Rathaus besiegelt.

Abermals trat die Stadt 1628 in das Rampenlicht der europäischen Geschichte, als sie sich weigerte, kaiserliche Truppen aufzunehmen und mit schwedischer und dänischer Hilfe die Wallensteinsche Belagerung erfolgreich abwehren konnte. Der mit dem König von Schweden geschlossene Allianz-Vertrag stellte den Beginn der „Schwedenzeit“ Zeit dar, die durch den Westfälischen Frieden ihre völkerrechtliche Sanktionierung fand und bis 1815 andauerte.

Der neue Landesherr war nun das Königreich Preußen. Während sich in anderen Regionen neue Strukturen herausbildeten, blieb in Stralsund Vieles beim Alten. Das ist auf die städtische Verfassung, das Handwerk und auch den Handel bezogen. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist ein Fortschritt erkennbar. Dieser findet seinen Ausdruck in größerer Bautätigkeit, dem Entstehen von Industriebetrieben und einer wachsenden Bevölkerungszahl.

Stralsund wird mit dem ansteigenden Tourismus auf Rügen und der neuen Fährverbindung über die Ostsee nach Schweden zum Tor des Nordens.  Die Inbetriebnahme des Rügendammes 1936 eröffnet in dieser Beziehung neue Möglichkeiten.

Nach dem Bombardement amerikanischer Bomber am 6. Oktober 1944 sind fast 60 % des Wohnungsbestandes beschädigt bzw. zerstört und mehr als 800 Menschen verloren ihr Leben.

In der Zeit des „real existierenden Sozialismus“ verfiel ein großer Teil der noch vorhandenen wertvollen Bausubstanz der vergangenen Jahrhunderte. Gebaut wurden Wohngebiete auf der grünen Wiese. Die Errichtung von Großbetrieben wie etwa der Volkswerft, Robotron, Bau- und Montagekombinat, Blechpackungswerk und natürlich auch der Offiziershochschule der Volksmarine „sicherten“ den Einfluss der Arbeiterklasse in der Stadt.

Mit der friedlichen Wende im Herbst 1989 begann ein neuer Zeitabschnitt in der Geschichte Stralsunds. Trotz vieler Probleme, die sich aus den Besitzverhältnissen bzw. – ansprüchen ergaben, ist eine fast unglaubliche Entwicklung erreicht worden. Die Stadt hat ihr Äußeres vorteilhaft verändert. Gemeinsam mit der Hansestadt Wismar wurde 2002 der Status einer Welterbestadt erreicht.

Mögen bei Stadtgründung ca. 4000 Menschen in ihr gelebt haben, so ist diese Zahl bis 1600 auf ca. 15000 angestiegen. 100 Jahre später lag die Zahl unter 10000, wozu drei Belagerungen und ein Stadtbrand beitrugen. Beim Übergang an Preußen waren es dann schon wieder 13000 Einwohner. Das Jahr 1900 begrüßten 32000 Bürger in der Stadt. Am Ende des 2. Weltkrieges hielten sich mehr als 50000 Einheimische, Vertriebene und Flüchtlinge in Stralsund auf. Mit Bianca Rossow wurde 1981 der 75000. Bürger der Stadt geboren. Im Jahr 2008 zählt die Stadt rund 60000 Einwohner.

II. Die Überlieferung

Das Archiv

Stadtarchiv Stralsund, Am Johanniskloster 35, 18439 Stralsund
Telefon: 03831 666466/88; Fax: 03831 666464; E-Mail: stadtarchiv@stralsund.de
Öffnungszeiten: Montag – Donnerstag 9 – 17 Uhr

Die Bestände des Stadtarchivs sind bis in die 1990er Jahre erschlossen. Der größte Teil davon ist über http://ariadne.uni-greifswald.de/ abfragbar. Die Fotosammlung, der Urkundenbestand, die Postkartensammlung, Pläne, Karten, der Archivbibliotheksbestand sind im Benutzerraum über PC recherchier- und einsehbar.

Zum Archivbestand gehören: ca. 3000 lfm Akten; 6000 Urkunden/Testamente; 7000 Karten, Pläne, Risse; 30000 Fotografien; 135000 Bücher der Archivbibliothek; Zeitungen beginnend im 17. Jahrhundert.

Wichtige Bestände für die Hansezeit und die frühe Neuzeit

1124 Städtische Urkunden für den Zeitraum 1234 – 1599          

Hanserezesse 1363 – 1628

Hanse-Acten 1371 – 1620

Stadtbücher beginnend 1270

Bürgerbücher beginnend 1319

Liber memorialis 1320 – 1520

Ratsprotokolle 1533 beginnend

Aktenbestände:

Rep. 03
Das Gerichtswesen der Stadt Stralsund
1310 - Mitte 19. Jh.
Rep. 04
Stralsunder Gewandschneiderkompanie
1281 - 1976
Rep. 05
Stralsunder Kaufmannsdeputation
1588 - 1945
Rep. 13
Stralsund in Landständen
1417 - 1881
Rep. 15
Hafen und Seeverkehr der Stadt Stralsund
15. Jh. - 1948
Rep. 29
Senat, Magistrat, Rat der Stadt Stralsund
 

Literatur und Präsentation

Fabricius, Ferdinand (Hrsg.): Das älteste Stralsundische Stadtbuch (1270-1310). – Berlin : Weber, 1872.

Reuter, Christian; Lietz, Paul; Wehner, Otto(Hrsg.):Das zweite Stralsundische Stadtbuch (1310-1342). - Stralsund : Struck, 1903 ; 1896.

Der Stralsunder Liber memorialis. - Schwerin : Petermänken-Verl. / Rostock (ab T. 4): Hinstorff (ab T. 4)
Fritze, Konrad :Die Hansestadt Stralsund : Die beiden ersten Jahrhunderte ihrer Geschichte. - Schwerin : Petermänken-Verl., 1961.               

Schildhauer, Johannes: Hansestädtischer Alltag : Untersuchungen auf der Grundlage der Stralsunder Bürgertestamente vom Anfang des 14. bis zum Ausgang des 16. Jahrhunderts. - Weimar : Böhlau, 1992.

Schildhauer, Johannes: Soziale, politische und religiöse Auseinandersetzungen in den Hansestädten Stralsund, Rostock, Wismar im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts. - Weimar : Böhlau, 1959.

Zoellner, Klaus-Peter: Vom Strelasund zum Oslofjord : Untersuchungen zur Geschichte der Hanse und der Stadt Stralsund in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. - Weimar : Böhlau, 1974.

Ewe, Herbert (Hrsg.): Geschichte der Stadt Stralsund. Weimar : Böhlau, 1984.