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Hansischer Städteführer Osnabrück

Adresse
Stadt Osnabrück
, Bierstr. 17/18, 49074 Osnabrück
Tel.: 0541 / 323-0
Internet: www.osnabrueck.de
E-Mail: info@osnabrueck.de

I. Die Stadt

Osnabrück entstand um 780 n. Chr. als fränkische Missionszelle. Sie wurde vermutlich bereits kurz nach der Gründung zum Bistum erhoben. Um den Dom entwickelte sich mit der Verleihung des Münz-, Markt- und Zollrechts bereits 889 eine lebendige Marktsiedlung. Im 12. und 13. Jahrhundert entstand daraus eine Stadt (1147 erste urkundliche Erwähnung), die wenig später durch Kaiser Friedrich Barbarossa einen eigenen Gerichtsbezirk erhielt. Seit dem Zusammenschluss von Alt- und Neustadt sollte sie sich zu einer der wichtigsten Hansestädte im Westfälischen Quartier entwickeln. Insbesondere aufgrund des Tuchhandels gelangten die Osnabrücker zu Wohlstand. Mit der städtischen Legge bestand eine besondere Prüfstelle für Tuch. Das Leggesiegel mit dem Osnabrücker Rad wurde zu einem Qualitätssiegel für das Leinen, das als „Osnaburgh“ weltbekannt wurde. Dies ermöglichte es der Bürgerschaft, sich vom Bischof als Landesherrn weitgehend zu emanzipieren. Die Stadt erlangte jedoch nie die Reichsfreiheit.

Als Hansestadt agierte Osnabrück zwischen der Siedlungs- und Fernhandelstätigkeit des 12. und 13. Jahrhunderts und dem letzten Hansetag im Jahre 1669. Mehrere Voraussetzungen begünstigten Osnabrücks Weg in die Hanse. Aufgrund ihrer Stellung als Bischofs- und Stiftshauptstadt besaß die Stadt eine wichtige regional ausgerichtete Wirtschafts- und Handelsfunktion. Sie war ferner durch unterschiedliche Städtebünde und Friedenseinigungen mit zahlreichen Städten verbunden.

Der Ladberger Vertrag von 1246, zum Schutz ihres Handels von den Städten Osnabrück, Münster, Minden und Herford geschlossen, wurde eine der Grundlagen für den Westfälischen Städtebund. Für die Sicherheit der Handelswege musste gesorgt, der Fernhandel geschützt werden. Hierzu war ein Zusammenwirken von Städten und Fürsten notwendig. Die zahlreichen Städte- und Landfriedensbündnisse garantierten zwar keine absolute Sicherheit, waren aber entscheidende Voraussetzungen für organisiertes Handeln.

Die politischen und wirtschaftlichen Aktivitäten der Hanse und der Hansestädte wirkten gleichfalls in diese Richtung. Gemeinsam mit Soest, Dortmund und Münster zählte Osnabrück zu den„westfälischen Vierstädten“. Schließlich bildeten sie aufgrund ihrer verkehrsgünstigen Lage im hansischen Verbund einen wichtigen Handels- und Umschlagsplatz.

Als nördlichste der westfälischen Vierstädte in der Mitte zwischen den großen Handelsmetropolen Köln und Hamburg gelegen, verband die Stadt in Nord-Süd-Richtung die Rheinischen Straße mit der Weser- und Elbmündung und weiter mit dem Ostseehafen Lübeck. In west-östlicher Richtung konnten über die unterschiedlichen hansischen Handelsstraßen aus dem brandenburgisch-sächsischen und niedersächsischen Raum Güter in die Ijsselstädte Deventer und Zuthpen, Kampen und Zwolle transportiert werden und umgekehrt.

Osnabrück war bereits seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in den hansischen Strukturen integriert. An den allgemeinen Versammlungen, die seit etwa 1500 Hansetage genannt werden, nahm die Stadt, wie viele andere westfälische Städte auch, erst mit Beginn des 14. Jahrhunderts teil.

Im 14. und 15. Jahrhundert lassen sich in vielen Hansestädten politische Beteiligungskämpfe nachweisen. Aufsteigende Bevölkerungsschichten versuchten die Macht der alten Führungsschicht zurückzudrängen und forderten politische Beteiligungsrechte. Hansische Verordnungen verboten den Ratsumsturz, setzten sich für die traditionellen Eliten ein.

Angesichts der Unruhen im Rampendahl-Aufstand von 1430 waren die hansischen Beschlüsse von 1418, die jeden innerstädtischen Auflauf untersagten, von besonderem Interesse. Tatsächlich wurden die Aufrührer hingerichtet; ein Zeichen dafür, dass Osnabrück eine den anderen Hansestädten vergleichbare innere Politik betrieb. Unter Beibehaltung einer exklusiven Führungsschicht wurden kritische Kräfte zurückgedrängt und die Autonomie der Stadt gegenüber dem Landesherrn und der Kirche gefördert.

Außenpolitisch hielt sich die Stadt dagegen eher zurück. Im 15. Jahrhundert versuchte die Stadt wiederholt, sich den politischen und militärischen Interessen des Hauptes Lübeck und des Hansetages zu entziehen. So beteiligte sich die Stadt, traditionell gute Handelsbeziehungen zu den nahen Niederlanden pflegend, nicht am hansisch-holländischen Krieg (1438-1441). Osnabrück entzog sich auch dem Hansekrieg mit England, der 1474 durch den Frieden von Utrecht beendet wurde.

1450 wagte es die Stadt, die sich seit 1445 in der Reichsacht befand, nicht den Hansetag in Lübeck zu beschicken. Die daraufhin beschlossene 10-jährige Verhansung traf die Osnabrücker Kaufleute. Vermutlich war dies noch Folge der Weigerung, den Handelsboykott der wendischen Hansestädte gegenüber den holländischen Städten zu unterstützen. Dem Osnabrücker Unterhändler Ertwin Ertmann (1429/30-1505) gelang es allerdings bereits 1452 in Köln, dass die Verhansung aufgehoben und Osnabrück wieder in die Hanse aufgenommen wurde. Auf dem Hansetag 1476 in Bremen vermittelte Ertman erneut erfolgreich, diesmal zwischen den konkurrierenden Städten Köln und Lübeck. Osnabrücks Vermittlerrolle sollte auch später immer wieder in Anspruch genommen werden.

Seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert beschränkte die wachsende Macht der Landesherren zunehmend den Einfluss vieler Städte. In Osnabrück versuchte Bürgermeister Ertman dieser Konfrontation durch ein freundschaftliches Zusammengehen mit dem Bischof zu entgehen, so dass die Stadt in Gegensatz zu anderen Hansestädten mit seinem Landesherrn noch in „gutem Frieden“ stand. In Ertmanns Amtszeit (1477-1503) fällt der Bau des repräsentativen Neuen Rathauses (1487-1512), das Ausdruck des städtischen Selbstbewusstseins und der erfolgreichen Politik dieser Zeit ist. Dennoch konnte auch in Osnabrück langfristig nicht verhindert werden, dass mit dem Monopol der Legge – spätestens nach dem Dreißigjährigen Krieg – eines der wichtigsten handelspolitischen Instrumente der Stadt faktisch außer Kraft gesetzt wurde. Die durch die Landesverfassung gesicherte Zentralität des Handels auf die Stadt wurde zunehmend aufgehoben, Landstädte immer intensiver gefördert. Im 18. Jahrhundert erhielten sechs weitere Städte des Stifts das Recht, eine Legge anzulegen.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt unter Bischof Franz Wilhelm von Wartenbergs (1593-1661) 1627/28 militärisch unterworfen und rekatholisiert. Der protestantische Stadtrat ersuchte den Hansetag in Lübeck daraufhin um Schutz gegen den katholischen Bischof. Nach die Belagerung und Einnahme der Stadt durch die Schweden 1633 musste Wartenberg schließlich fliehen. Ein Jahrzehnt später stand Osnabrück gemeinsam mit Münster für einige Jahre im Mittelpunkt der europäischen Politik. An den beiden neutralisierten Orten wurden von 1644 bis 1648 die Friedensverhandlungen zum Westfälischen Frieden geführt. In Münster verhandelte das katholische Lager, in Osnabrück die protestantische Seite.

Osnabrück nahm auch in der letzten Phase der hansischen Geschichte aktiv an der Politik der Hanse teil. Die Stadt beteiligte sich finanziell an den hansischen Projekten, beschwerte sich aber, wie die anderen Städte auch, über die zunehmenden Forderungen aus Lübeck und Köln. Im 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts organisierte die Stadt zusammen mit Münster, Dortmund und Soest die westfälische Hansepolitik. Unter Federführung Münsters wurden gemeinsame Politikgrundsätze formuliert und die hansischen Versammlungen vorbereitet. Der zweite Syndikus der Hanse war der Osnabrücker Johann Domann (1591-1618) gewesen. Noch beim letzten Hansetag 1669 mit um die Reorganisation der Hanse bemüht, erlebte die Stadt die Auflösung der Hanse.

Bilanzierend lässt sich festhalten, dass der für die Hanse typische Fernhandel, insbesondere der transkontinentale Großhandel, zwar für die Stadt an der Hase nicht die primäre Rolle gespielt hat. Dennoch profitierten Osnabrücker Kaufleute auch im Fernhandel von den Privilegien des Bündnisses. Wichtig für die Stadt war, eine Balance zwischen regionaler Politik und hansischen Interessen zu finden. Unter Wahrung der eigenen Handelsinteressen bemühte sich die Stadt um eine relative Unabhängigkeit und bot sich dabei zugleich als Vermittler in innerhansischen Auseinandersetzungen an.

Eröffnung des Hansetages Osnabrück

Eröffnung des Hansetages Osnabrück

Nach der Auflösung der politischen Selbständigkeit des Osnabrücker Landesherrschaft im Zuge des Reichsdeputationsschlusses entwickelte sich die Stadt im 19. Jahrhundert unter französischer, hannoverscher und preußischer Herrschaft zu einer bedeutenden Handels- und Industriestadt. 1939 überschritt sie mit 100.000 Einwohner die Schwelle zur Großstadt. Heute bildet die 157.000 Einwohnerstadt für rund 1,2 Millionen Menschen das regionale Oberzentrum.

Osnabrück ist Mitglied des 1980 neu gegründeten Hansebundes. 2006 richtete die Stadt anlässlich des 650-jährigen Bestehens der Städtehanse den 26. Internationalen Hansetag aus.

II. Die Überlieferung

Das Archiv

Niedersächsisches Staatsarchiv
Schlossstr. 29
49074 Osnabrück
Tel.: 0541 / 33162-0
Fax.: 0541 / 33162-62
Internet: www.staatsarchive.niedersachsen.de
E-Mail: Osnabrueck@nla.niedersachsen.de
Öffnungszeiten: Mo, Mi, Fr 8-16 Uhr; Di, Do 8-18.30 Uhr

Wichtige Bestände zum Thema „Osnabrück und die Hanse in Spätmittelalter und Früher Neuzeit“ im NLA Staatsarchiv Osnabrück

Die archivische Überlieferung zur Hanse ist vor allem im Bestand Stadtarchiv Osnabrück (Dep 3) erhalten. Dabei handelt es sich um Osnabrücker Korrespondenz mit Städten des westfälischen Viertels und anderen Hansestädten, Ausschreibungen und Vorbereitungen von Hansetagen, Geleitbriefe und Urkunden über Städtebündnisse vom 13. bis in das 16. Jahrhundert. Aus der Zeit von 1531 bis 1669 liegen zwei Aktenkonvolute über die Teilnahme Osnabrücks am Hansebund vor. Weiter zu berücksichtigen sind Ratsprotokolle und städtischen Rechnungsbücher sowie die Akten der Gilden und Innungen, die über Handelsaktivitäten, Handelsbeziehungen, Privilegien und Warenaustausch Osnabrücks mit anderen Städten Auskunft geben können. Daneben finden sich auch im Nachlass von Carl Bertram Stüve Zusammenstellungen und Quellenauszüge zur Hanse.

Urkunden
Dep 3 a, 13.-16. Jahrhundert

Akten und Amtsbücher
Dep 3 b, Akten 16. und 17. Jahrhundert
Erw A 16, Nr. 81 und Nr. 490.
 

Literatur

Gerd Steinwascher (Hrsg.): Geschichte der Stadt Osnabrück, Osnabrück 2006

Ludwig Hoffmeyer: Chronik der Stadt Osnabrück, 6. Aufl., Osnabrück 1995

Karl Georg Kaster (Bearb.): Osnabrück – 1200 Jahre Fortschritt und Bewahrung. Profile bürgerlicher Identität, Nürnberg 1980

Historischer Verein zu Osnabrück (Bearb. und Hrsg.): Osnabrücker Urkundenbuch, 7 Bde., Osnabrück 1892-1996

Wilfried Ehbrecht: Köln – Osnabrück – Stralsund. Rat und Bürgerschaft hansischer Städte zwischen religiöser Erneuerung und Bauernkrieg, in: Franz Petri (Hrsg.): Kirche und gesellschafter Wandel in deutschen und niederländischen Städten der werdenden Neuzeit (Städteforschung: Reihe A. Darst.; 10), Köln-Wien 1980, S. 23-63

Bernd-Ulrich Hergemöller: Osnabrück im mittelalterlichen Hanseverband, in: Friedrich Bernward Fahlbusch, Friedrich-Wilhelm Hemann, Bernd-Ulrich Hergemöller: Beiträge zur westfälischen Hansegeschichte, Warendorf 1988

Johannes Ludwig Schipmann: Politische Kommunikation in der Hanse (1550-1621). Hansetage und westfälische Städte (Quellen und Darstellungen zur hansischen Geschichte; N.F., 55): Köln-Weimar-Wien 2004

Johannes Ludwig Schipmann: Osnabrück und die Hanse im 16. und 17. Jahrhundert, in: Osnabrücker Mitteilungen 109, 2004, S. 87-106.

Gisela Wagner: Osnabrück als Stadt der Hanse, Osnabrück [1980]

Präsentation

Felix-Nussbaum-Haus / Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück
Lotter Str. 2
D-49078 Osnabrück
tel +49-(0)541/323-2207
fax +49-(0)541/323-2739
museum@osnabrueck.de
www.osnabrueck.de/museum

Das Kulturgeschichtliche Museum Osnabrück zeichnet in seiner stadtgeschichtlichen Dauerausstellung zur Entwicklung von Stadt und Region Osnabrück die Bedeutung der Stadt als Handels- und Verkehrszentrum nach. Bedeutende Exponate zur Aktivität der Kaufleute, Gilden und Ämter sowie der wichtigen städtischen Legge machen den Besuch des Museums zu einem besonderen Erlebnis.

In der Karte

Zahlen und Fakten

Gründung 780
Wahrzeichen Rathaus des Westfälischen Friedens
Geographische Lage 52° 16’ 28’’ nördliche Breite und 8° 3’ 2’’ östliche Länge
Nächstgelegene, größere Münster (45 km), Bremen (120 km)
Einwohner ca. 164.000
Studenten ca. 18.500
Verkehrsverbindungen Autobahnkreuz Osnabrück/Lotte, intern. Flughafen Münster-Osnabrück in Greven (FMO), RegionalflugplatzAtter für Lufttaxis und Reisemaschinen, Eisenbahnknotenpunkt, Hafen -Anbindung über Mittellandkanal/Stichkanal
Typisches Steckenpferdreiten am 25. Oktober (Tag des Westfälischen Friedens), Maiwoche, Weihnachtsmarkt
Internationale Events European Media Art Festival, Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises
Partnerstädte Haarlem (H), Angers (F), Derby (GB), Greifswald (D), Twer (R)
Intern. Mitgliedschaften DIE HANSE

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