Seit dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts strebte Lüneburg nach wirtschaftlicher und politischer Unabhängigkeit von seinem Stadtherrn. Beides ermöglichten die Gewinne aus der Salzherstellung, auf die sich der Rat steigenden Einfluss zu verschaffen wusste. Bereits 1229 erhielten die Sülzbegüterten das Recht, alljährlich den Sodmeister als leitenden Beamten der Saline zu wählen. Es handelte sich in der Regel um den Angehörigen eines Ratsgeschlechts. 1227 und 1239 erlangte Lüneburg für seine Bürger Zollprivilegien in Braunschweig und Hamburg 1269 erwarben die Sülzbegüterten die Pfannenschmiede der Saline und 1273 die Neue Saline, verbunden mit dem Verbot, neue Salzwerke im Fürstentum Lüneburg anzulegen. 1293 verkaufte der Landesherr den Ständen im Fürstentum das Münzrecht, wobei die Stadt Lüneburg den größten Teil der Kaufsumme bezahlte.
Hansischer Städteführer Lüneburg
Adresse
Stadt Lüneburg
Rathaus/Am Markt
21335 Lüneburg
Tel.: (0049)(0)4131/309-0
Internet: www.lueneburg.de
E-Mail: Stadt@lueneburg.de; touristik@lueneburg.de
I. Die Stadt
Spätestens im 9. Jahrhundert entstand zwischen Kalkberg und Ilmenau, einem Nebenfluss der Elbe, eine Siedlung, die 956 mit Saline, Kloster und Burg erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Lage an einem Flussübergang im Schutz der Burg und mit einer bedeutenden Produktionsstätte bestimmte die weitere Entwicklung des Ortes. Ende des 12. Jahrhunderts wurde das Dorf Modestorp mit der Archidiakonatskirche St. Johannes eingegliedert; 1247 ist die Stadtwerdung mit der Verleihung eigenen Stadtrechts durch den Herzog von Braunschweig-Lüneburg formal abgeschlossen.

Blick auf das Lüneburger Rathaus

Der Huldigungssaal im Rathaus
Das Handelsmonopol für das lange Zeit rare Salz ließ Lüneburg bis
um 1600 nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell erblühen.
Trotz des Wegfalls der Residenz nach 1371 blieb seine
Zentralfunktion erhalten. Erst mit der frühabsolutistischen
Herrschaftspraxis und dem Merkantilismus setzte der langsame
Niedergang Lüneburgs ein. Der Hanse verbunden blieb die Stadt bis
ins 17. Jahrhundert, nachdem sie zwischen 1363 und 1530 zu etwa 350
hansischen Tagfahrten, meist Quartiers- oder Drittelstagen,
Vertreter geschickt und solche zu 23 Hansetagen in ihren Mauern
empfangen hatte. 1615 beteiligte sich Lüneburg zum letzten Mal an
einem hansischen Unternehmen und schickte mit Lübeck, Hamburg,
Bremen und Magdeburg Truppen zur Befreiung Braunschweigs von
landesherrlicher Belagerung.
Von den Beschwernissen und Verheerungen der Kriege des 17. und 18.
Jahrhunderts konnte sich Lüneburg erst in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts erholen, als es nach dem Bau der Eisenbahn von
Hannover nach Harburg Anschluss an moderne Verkehrsinfrastrukturen
fand. Das alte Salzwerk entwickelte sich zu einem Betrieb der
chemischen Industrie, während die Solebadeanstalt als sein Ableger
eine regionale Gesundheitseinrichtung von nicht unerheblicher
Bedeutung wurde.

Kirchen Johannis und St. Nicolai
Durch die Ansiedlung weiterer Fabriken wuchs nicht nur das
industrielle Potential, sondern die Stadt strebte seit dem letzten
Drittel des 19. Jahrhunderts über ihre mittelalterlichen
Begrenzungen hinaus. Die Hannoversche Landdrostei und später die
Preußische Bezirksregierung verstärkten die Zentralität der Stadt.
Dazu kam eine Reihe von Gerichten und zusätzlichen
Bildungseinrichtungen wie die Lehrerbildungsanstalt, aus der sich
nach dem 2. Weltkrieg die Pädagogische Hochschule und schließlich
die Universität Lüneburg entwickelte.
Die beiden Weltkriege haben Lüneburg unzerstört gelassen, doch litt
die Stadt lange unter dem Fehlen von Arbeitsplätzen und Wohnungen
sowie einem außerordentlichen Zustrom von Flüchtlingen. Gerade
diese gründeten aber auch neue Betriebe und schufen dringend
notwendige Arbeitsmöglichkeiten. Zwar waren die Britischen
Besatzungstruppen, die die deutschen militärischen Anlagen
weiternutzten, durchaus ein Wirtschaftsfaktor, doch behinderten sie
gleichzeitig den Ausbau des zivilen Wirtschaftsstandortes Lüneburg.
Erst in den sechziger Jahren ging es damit aufwärts, was sich auch
in der Stadtentwicklung bemerkbar machte. Rund um die Altstadt
entstanden neue Wohngebiete, und seit den 70er Jahren erlangte auch
der Schutz der historischen Bausubstanz erhöhte Bedeutung.
Die Ausweisung von Sanierungsgebieten half, den Charakter der Altstadt als Wohnquartier zu bewahren. Nicht nur einzelne Bauwerke, sondern ganze Ensembles wurden als denkmalwürdig eingestuft, wobei das bedeutendste sicher das zwischen dem Ende des 13. und Anfang des 18. Jahrhunderts erbaute Rathaus ist. Inzwischen ist die Stadt bestrebt, zusammen mit den umliegenden Landschaftsschutzgebieten in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen zu werden.

Stintmarkt
Mit dem Bau des Elbeseitenkanals und der Autobahn A 250 wurden im
letzten Viertel des 20. Jahrhunderts zwei zukunftsträchtige
Infrastrukturmaßnahmen abgeschlossen. Von noch höherer Bedeutung
erwies sich die Konversion aufgegebener Kasernenanlagen zu
Wohnbereichen bzw. zu einer Campusuniversität. Die Universität
Lüneburg, umgewandelt zu einer Stiftung, fusionierte im Jahr 2005
mit der Fachhochschule Nordostniedersachsen und hat nun eine
doppelte Vorbildfunktion.
Die Bevölkerungszahl Lüneburgs bewegte sich in der Hansezeit
zwischen 10.000 und 12.000 Einwohnern und stieg bis zum Beginn des
30jährigen Krieges auf rund 14.000. Die Kriege des 17. und
insbesondere des 18. Jahrhunderts ließen die Zahl auf etwa 9.500
schrumpfen. Erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts trat eine spürbare
Wende ein, und die Bevölkerungszahl der Hansezeit wurde wieder
erreicht. Bis zum 2. Weltkrieg stieg sie langsam auf 39.000
Einwohner, betrug danach kurzzeitig etwa 65.000 und liegt heute bei
rund 70.000. Eingemeindungen bescheidenen Umfangs erfolgten 1943
und im Zuge der Gebietsreform von 1974. Lüneburg ist seit 1994
Oberzentrum und gehört zur Metropolregion Hamburg.
II. Die Überlieferung
Das Archiv
Stadtarchiv Lüneburg, Wallstr. 4 , 21335 Lüneburg
Tel.: 04131/309223-309226; Fax: 04131/309586
E-Mail: stadtarchiv@stadt.lueneburg.de
Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag 9.00-16.00 Uhr, Mittwoch
9.00-18.00 Uhr
Die Bestände sind durch maschinenschriftliche und elektronische
Findmittel sowie Karteien erschlossen. Eine vervielfältigte
Beständeübersicht liegt vor. Im Internet ist das Stadtarchiv unter www.lueneburg.de zu finden. Die Dienstbibliothek umfasst etwa 10.000 Bände.
Der Umfang des Bestandes an Urkunden, Amtsbüchern, Akten, Karten
und Plänen, Fotos, Zeitungen und sonstigen Informationsträgern
liegt bei rund 4.000 laufenden Metern. Das Schwergewicht der
Überlieferung ist im Zeitraum vom 15. bis zum 18. Jahrhundert zu
finden; diese setzt aber bereits im ersten Drittel des 13.
Jahrhunderts ein und reicht bis in die Gegenwart. Etliche
bedeutende Deposita wie z.B. adlige Gutsarchive oder die IHK
Lüneburg-Wolfsburg ergänzen die städtische Überlieferung. Material
zur Hansegeschichte findet sich im Urkundenbestand, in den
Amtsbüchern und den Akten. Das Stadtarchiv ist weder durch Kriege
noch durch Brände oder Hochwasser geschädigt worden, sondern hat
lediglich den im Laufe der Jahrhunderte üblichen „Schwund“ zu
verzeichnen.
Wichtige Bestände für die Hansezeit und die frühe Neuzeit
I. Urkunden
Mehrere Tausend aus dem Zeitraum 1229-1669. Besonders wichtig sind
die Privilegien
II. Amtsbücher
Stadtbücher: 75 Bände 1290-1685, Donatus burgensium antiquus
1290-1399, Kopiare 1346-1682, Stadtrechtskompilation 1400-1613
Ratsprotokolle ab 1643
Kämmereiregister ab 1428 (Bruchstücke ab 1321)
III. Akten
Alte Akten: Hanseatica 1412-1688
Literatur und Präsentation
Urkundenbuch der Stadt Lüneburg, bearb. v. Wilhelm Friedrich Volger, 3 Bde., Hannover 1872 –
Lüneburg 1877 (= Urkundenbuch des historischen Vereins für
Niedersachsen, Heft VIII)
Lüneburgs Ältestes Stadtbuch und Verfestungsregister, hg. v. Wilhelm Reinecke, Hannover/Leipzig 1903 (= Quellen und
Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens, Bd. VIII)
Wilhelm Reinecke, Lüneburg als Hansestadt, 2. Aufl., Lüneburg 1946
Helga Böse, Lüneburgs politische Stellung im wendischen Quartier der Hanse in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, Lüneburg 1971
Burchard Scheper, Frühe bürgerliche Institutionen norddeutscher Hansestädte. Beiträge zu einer vergleichenden Verfassungsgeschichte Lübecks, Bremens Lüneburgs und
Hamburgs, Köln/Wien 1975
Uta Reinhardt, Lüneburg, in: Handbuch der Niedersächsischen Hansestädte, bearb. V. Jürgen Bohmbach, Stade 1983 (= Veröffentlichungen aus
dem Stadtarchiv Stade 2)
Uta Reinhardt, Lüneburg und Schweden in der Hansezeit, in: Die Bedeutung Norddeutschlands für die Großmacht Schweden im 17. jahrhundert, Stade 1986 (= Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Stade 3)
Uta Reinhardt, Die Wirtschaftskrise des 16. Jahrhunderts und die
Aufrechterhaltung der Autonomie Lüneburgs bis zum 30jährigen Krieg,
in: Fernhandel und Stadtentwicklung im Nord- und Ostseeraum in der hansischen Spätzeit (1550-1630), Stade 1995 (= Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Stade 18)
Recht und Alltag im Hanseraum. Festschrift für Gerhard Theuerkauf, hg. v. Silke Urbanski, Christian Lamschus, Jürgen Ellermeyer,
Lüneburg 1995 (= De Sulte Nr. 4)
Lüneburger Testamente des Mittelalters 1323-1500, bearb. v. Uta Reinhardt, Hannover 1996 (= Veröffentlichungen der
Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen XXXVII,
Quellen und Untersuchungen zur Geschichte Niedersachsens im
Mittelalter 22)
Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos, Bd. 1, 2. verb. Aufl., hg. v. Jörgen Bracker, Volker Henn, Rainer
Postel, Lübeck 1998
Doris Böker, Hansestadt Lüneburg mit Kloster Lüne.
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in
Niedersachsen Band 22.1, Petersberg 2010.


