Hansischer Städteführer - Lippstadt
Adresse
Stadt Lippstadt, Ostwall 1, 59555 Lippstadt
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I. Die Stadt
Um 1220 datiert auch das älteste Stadtrecht Lippstadts. Seitdem wurden Jahrmärkte abgehalten und etwa seit 1231 Münzen geprägt. 1253 gehörte Lippstadt gemeinsam mit Dortmund, Münster und Soest, ab 1264 auch Osnabrück, dem 'Werner Bund' zum Schutz des regionalen Handels an. Direkte Aktivitäten Lippstadts im Hansebund sind bis 1461 nicht nachzuweisen, als die Stadt erstmals auf einem regionalen Hansetag in Wesel durch ihren Bürgermeister vertreten war. Auf den allgemeinen Hansetagen übernahm die Nachbarstadt Soest die Interessenvertretung auch für Lippstadt.
Lange Zeit bestimmten Militär und Garnison das Erscheinungsbild der nach 1666 zur Festung ausgebauten Stadt. Sie erlebte im 17. und 18. Jahrhundert verschiedenste Besatzungen, zuletzt im Siebenjährigen Krieg die Franzosen. Nach Kriegsende wurden die Festungswerke geschleift. Garnisonsstadt aber blieb Lippstadt mit kurzen Unterbrechungen auch weiterhin.
In der Zeit der französischen Herrschaft Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Nicolaikirche an die katholische Gemeinde übergeben. Sie hatte nach der bereits 1524 in Lippstadt eingeführten Reformation kein eigenes Gotteshaus gehabt.
Im Zweiten Weltkrieg blieb Lippstadt trotz mehrerer für die Rüstung tätiger Betriebe von Bombenangriffen weitgehend verschont. Die Einwohnerzahl stieg im Krieg durch mehrere tausend vorwiegend weibliche Zwangsarbeiter sowie durch Flüchtlinge aus ausgebombten Städten und - nach dem Krieg - aus den Ostgebieten bis auf fast 29.000 im Jahr 1947 an. Durch die Gebietsreform 1975 verlor Lippstadt den Kreissitz an Soest, wurde aber durch zahlreiche Eingemeindungen wesentlich vergrößert. Die Einwohnerzahl liegt heute bei 70.000.
Durch mehrere Stadtbrände, so etwa 1656, haben sich nur wenige Gebäude aus früherer Zeit erhalten. Bedeutend neben den Kirchen, zu denen auch die Jakobikirche aus dem 13. Jahrhundert zählt, sind vor allem der "Goldene Hahn" von 1532, das Metzgeramtshaus von 1660/61 und Bürgerhäuser wie das heute 'Stadtpalais' genannte von 1785-88. Das Rathaus wurde 1773/74 durch einen Neubau ersetzt und prägt in dieser Form heute noch das Zentrum Lippstadts.
II. Die Überlieferung
Das Archiv
Tel.: 02941 / 980-262; Fax: 02941 / 720893
E-Mail: stadtarchiv@stadt-lippstadt.de
Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 8.30-12.30, Di 14.00-16.00, Do 14.00-17.30. Mi geschlossen
Die Bestände mit einem Gesamtumfang von ca. 1500 laufenden Metern
umfassen den Zeitraum vom frühen 13. Jahrhundert bis in die
Gegenwart. Das "Alte Ratsarchiv" von den Anfängen bis 1822 enthält
ca. 4500 Urkunden und einzelne Aktenstücke. Die Überlieferung nimmt
erst mit dem 16. Jahrhundert merklich und dann seit dem 17.
Jahrhundert deutlich zu. 40 Stücke datieren vor dem Jahr 1400,
weitere 48 stammen aus dem 15. Jahrhundert. Als Archivalien mit
direktem Bezug zur Hanse sind 48 Stücke vorwiegend aus dem 16.
Jahrhundert anzusehen. Aus früherer Zeit finden sich städtische
Privilegien der Landesherren, Urkunden über Städtebünde zur
Sicherung des regionalen Handels, Rentenverkäufe, Grundstücks- und
andere Privatgeschäfte. Unterlagen verschiedener hier "Ämter"
genannter Zünfte setzen ab 1600, Dokumente der städtischen
Armenversorgung im 15. Jahrhundert ein.
Wie in vielen anderen Städten wurde auch in Lippstadt die frühe
archivalische Überlieferung durch Brände (etwa 1656), aber auch
durch Lippe-Hochwasser stark dezimiert. So sind Unterlagen zur
hansischen Geschichte Lippstadts an anderen Stellen zu finden, wie
aus den Hanse-Rezessen zu ersehen ist. Außerdem sind Urkundenbücher
baltischer Städte wie Riga, Reval und Dorpat heran zu ziehen, wo
nach den Zügen Bernhards II. Lipper bzw. Lippstädter nachweisbar
sind.
Weitere wichtige Bestände des Stadtarchivs sind Nachlässe und
Schenkungen wie das Alte Bildarchiv Walter Nies, vor allem aus der
NS-Zeit, Deposita wie die Tageszeitung "Der Patriot" ab 1848, das
Archiv Rose (Bürgermeister und Amtleute, 17. - frühes 20.
Jahrhundert) oder das Familienarchiv derer von Schorlemer.
Zahlreiche Schützen-, Sport- und Musikvereine haben ihr Archivgut
im Stadtarchiv deponiert.
Die Bestände bis 1945 sind überwiegend durch maschinenschriftliche
Findbücher und Karteien erschlossen, lediglich die ältesten
Bestände durch handschriftliche Findmittel. Letztere sind aber
bereits komplett, die übrigen in wachsender Zahl per EDV
recherchierbar. Eine Online-Recherchemöglichkeit ist geplant und in
eingeschränkter Form bereits über www.archive.nrw.de gegeben. Eine kurze Darstellung des Archivs findet sich auch unter
www.lippstadt.de, Stadtarchiv. Die Beständeübersicht von 1983 wird zur Zeit
überarbeitet.
Zur Nutzung verfilmter Archivalien, vor allem der Lokalzeitung "Der
Patriot", stehen Mikrofilmlesegeräte, ein analoger und ein
digitaler Readerprinter zur Verfügung. Die Anfertigung von
Schwarz-weiß-Fotografien und Fotokopien sowie digitaler Aufnahmen
von Archivalien ist in vertretbarem Umfang möglich.
Literatur und Präsentation
Wilfried Ehbrecht (Hg.), Lippstadt. Beiträge zur Stadtgeschichte (Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Lippstadt 2) 2 Bände, Lippstadt 1985
Lippstadt . Die Geschichte einer lebendigen Stadt, Lippstadt, hg. von KWL Kultur und Werbung Lippstadt GmbH, Lippstadt o. J. [1990er Jahre]
Hartwig Walberg (Hg.), Quellen zur Zunftgeschichte Lippstadts in der Frühen Neuzeit (Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Lippstadt 8) Lippstadt 1993
Hartwig Walberg, Hansische Geschichte Lippstadts, in: Hansische Stadtgeschichten, hg. vom Westfälischen Hansebund 1985
Hartwig Walberg, Einführung in die Geschichte und Bestände des Stadtarchivs Lippstadt, Lippstadt 1983
Lippstädter Spuren, hg. vom Heimatbund Lippstadt, zu verschiedenen Themen wie: Leben und Leiden der jüdischen Minderheit in Lippstadt (6/1991), Die Garnison in Lippstadt (7/1991), 750 Jahre höhere Schule in Lippstadt. Von der Lateinschule zum Ostendorf-Gymnasium (12/1997) u. a.
Das Städtische Heimatmuseum Lippstadt, untergebracht in einem stattlichen Haus des 17. Jahrhunderts, zeigt neben einer Dauerausstellung mit Exponaten aus den verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte wechselnde Ausstellungen zu Themen aus der Lippstädter Vergangenheit.
Ulrich Becker, Städtisches Heimatmuseum Lippstadt. Bildführer, Lippstadt 2003


