In den Folgejahren erhielt die Stadt das Münzrecht und das Recht
der freien Schifffahrt. Durch den Ausbau des Mühlgrabens (Knatter)
für den Mühlenbetrieb erhielt die Stadt den Beinamen „Kyritz an der
Knatter“.
Am Anfang des 14. Jahrhunderts ist der Bau der stadtumschließenden
Stadtmauer abgeschlossen. Reste dieser Befestigung sind noch heute
erhalten.
Von Bedeutung im 14. und 15. Jahrhundert war das Kloster der
Franziskanermönche. Hier verbrachte der bekannte Mönch Matthias
Döring seinen Lebensabend. Er war Doktor der Theologie, Professor
in Erfurt und Generalminister des Franziskanerordens. Er verfasste
in Kyritz sein umfangreiches theologisches Werk.
Im Jahr 1359 wird die Stadt Kyritz erstmals als Mitglied im
Städtebund der Hanse erwähnt.
Bis in die heutige Zeit wird die Erinnerung an die Überfälle des
mecklenburgischen Raubritters Bassewitz im Jahr 1381 und 1411 wach
gehalten. Die Kyritzer wehrten sich erfolgreich und nahmen den
Ritter Bassewitz schließlich gefangen. Die Kyritzer feiern in
regelmäßigen Abständen das Bassewitz-Fest.
Online-Visitenkarte
Kyritz
Im Jahr 1147 legten die Herrn von Plotho eine deutsche Burg in Kyritz an. Diese diente dem Schutz der Eroberungen im damals slawischen Gebiet. In der Nähe der Burg entstand im Zuge der Kolonisation eine vorstädtische Siedlung aus der sich die Stadt Kyritz entwickelte. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes Kyritz (slawisch: kyrisz) geht auf das Jahr 1232 zurück. Im Jahr 1237 verliehen die Herrn von Plotho der Stadt das Stadtrecht nach Stendaler Recht.

Foto: Konstantin Normann

Foto: Konstantin Normann
Neben dem Bassewitz-Schwert gehört die 1478 in Köln gedruckte
Ratsbibel zu den Kostbarkeiten der Stadt und kann im Rathaus
besichtigt werden.
Die vielen Stadtbrände vernichteten immer wieder große Teile der
Stadt in den vergangenen Jahrhunderten. Ebenso kam es häufig zu
Pestepedemien, denen viele Menschen zum Opfer fielen.
Neben den Tuchmachern, Bäckern, Schustern und Schneidern bestimmten
die Bierbrauer das Bild der Stadt. Jeder Bürger hatte das Recht,
Bier zu brauen. Besonders bekannt geworden ist das Braunbier „Mord
und Totschlag“, das im Mittelalter in vielen Hansestädten verkauft
wurde.
Die Stadt hatte im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) sehr unter
Einquartierungen, Geldzahlungen, Proviantlieferungen und
Durchmärschen zu leiden. Die Stadt wurde fast vollständig zerstört
und die Bevölkerungszahl sank auf ein Drittel der ursprünglichen
Bevölkerung.
Erst 1714 konnte die fast 100 Jahre wüstliegende Kirche fertig
gestellt und geweiht werden.

Foto: Konstantin Normann
Seit 1718 war Kyritz Garnisonsort. Nach dem Sieg Napoleons über
Preußen im Jahr 1801 war die Stadt durch französische Truppen
besetzt. An diese Zeit erinnert auch ein Denkmal auf dem Kirchplatz
für die Bürger Schulze und Kersten, die von der französischen
Besatzungsmacht erschossen wurden.
1817 wird die Stadt Kyritz Kreisstadt des neu gebildeten
Landkreises Ostprignitz und Sitz des Landratsamtes.
Das in der Mitte des Marktplatzes gelegene Rathaus brannte 1825 ab.
1833 wurde das neue am heutigen Standort eröffnet. Im Jahr 1880
konnte das heutige Rathaus als Neubau fertig gestellt werden.
In den Gründerjahren, Ende des 19. Jahrhunderts, gab es für die
Stadt viele einschneidende Veränderungen, z.B. das neu erbaute
Landratsamt, die Gründung der Stärkefabrik als größten Betrieb der
Stadt, die Eröffnung der Eisenbahnstrecke von Neustadt nach
Pritzwalk, die Inbetriebnahme der Kleinbahn, die Eröffnung der
Molkerei und die Gründung des Lehrerseminars zur Ausbildung von
Volksschullehrern.
Bekannt wurde Kyritz nach dem II. Weltkrieg deutschlandweit. Hier
erläuterte der KPD-Vorsitzende Wilhelm Pieck am 2. September 1945
das Konzept der Bodenreform. Daraufhin wurde dieses Konzept für die
sowjetische Besatzungszone beschlossen und umgesetzt.
Kyritz und die Hanse

Foto: Konstantin Normann
Die Mitgliedschaft der Stadt Kyritz im Städtebund der Hanse ist
bereits im Jahr 1358 nachweisbar. Im Jahr 1359 wird die Stadt
erstmals schriftlich als Hansestadt erwähnt.
Als Wirtschaftstyp verkörpert Kyritz die Handels- und Gewerbestadt,
bei der sich Fern- und Zwischenhandel mit der Funktion als
Nahmarktzentrum eines landwirtschaftlich geprägten Umfeldes
verbindet. Wesentlich ist im Zusammenhang mit der
Hansemitgliedschaft der Handel des Kaufmanns im Fernhandel.
Die Handelsverbindungen der märkischen Kaufleute unter der
Beteiligung der Kyritzer mit dem Wirtschaftsraum der Ostsee,
Hamburg und über Hamburg auch mit Flandern reichen bis in das 13.
und 14. Jahrhundert zurück.
Kyritz liegt am alten Postweg von Berlin nach Hamburg. Für den
Fernhandel war jedoch der Wasserweg über die Elbe und die
Nebenflüsse entscheidend. Wie wichtig für die Kyritzer der
Wasserweg der Jäglitz war, über den man die Elbe erreichen konnte,
beweist das 1259 von den Herrn von Plotho auf die Kyritzer Bürger
übertragene Recht der freien Schifffahrt auf der Jäglitz. Das
Privileg enthält die Festlegung, dass der Flusslauf nicht durch
Mühlen und Wehre verbaut werden durfte.

Foto: Konstantin Normann
Für die Kyritzer sind der Getreidehandel und der Tuchhandel
bestimmend, aber auch Wolle, Holz, Flachs und Hopfen wurden
gehandelt. In Hamburg kauften die Kaufleute feine flandrische
Tuche, Fisch, Metalle, Weine, Gewürze und gewerbliche Dinge.
Den Handel der Kyritzer Kaufleute mit der Hansestadt Lübeck belegt
die im 14. Jahrhundert von Kyritz erlangte Zollfreiheit in Lübeck.
Im Jahr 1417 wird die Stadt Kyritz letztmalig als Hansestadt
schriftlich erwähnt.
Im Jahr 1980 wurden in der niederländischen Stadt Zwolle die
Hansetage der Neuzeit ins Leben gerufen. Seit dem 13. Hansetag, der
vom 12.-15. August 1993 in Münster stattfand, ist die Stadt
offiziell Mitglied im Hansebund der Neuzeit. Seitdem beteiligt sich
Kyritz aktiv an den Hansetagen.
