Hansischer Städteführer Brakel
Stadt Brakel, Rathaus, Am Markt 12, 33034 Brakel
Tel.: 05272/360-0, Fax: 05272/360-360
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I. Die Stadt
Schon auf den ersten, schnellen Blick erinnert noch einiges an die
ältere Vergangenheit Brakels, einer Stadt, die im Mittelalter eine
bedeutende Rolle im Fürstbistum Paderborn (Hochstift Paderborn)
spielte. Dieses bestätigt sich auch in der Tatsache, dass Brakel
seit vielen Jahren im Arbeitskreis „Historischer Stadtkerne NRW“
vertreten ist. Brakel liegt zwischen Egge-Gebirge und Wesertal (130
bis 360 m ü. NN) im sog. ”Nethegau”, das schon im 7. Jahrhundert
besiedelt war. Einer überlieferten Reisebeschreibung verdankt die
Stadt ihre erste schriftliche Erwähnung im Jahre 836 durch
Benediktinermönche, die in der ”villa brechal” rasteten, bevor sie
das Kloster „Corvey“ in Höxter erreichten. Für die Zeit des 12.
Jahrhunderts lassen sich bereits "Herren von Brakel" nachweisen.
Aus einer Urkunde von 1213 geht hervor, dass Hermann von Brakel
seine Zehnteinkünfte “der Kirche von Brakel“ übertrug.
Der heute noch sichtbare mittelalterliche Grundriss der Stadt lässt
in den verschiedensten Phasen der Stadtentwicklung eine starke
Bautätigkeit erkennen. Die ältesten Gebäudeteile der Kath.
Pfarrkirche St. Michael reichen bis in das 12. Jahrhundert zurück.
Die noch heute vorhandene Aufteilung der Innenstadt in zwei
Hauptgeschäftsstraßen hatte ihren Ursprung in den mittelalterlichen
Handelswegen.
Ab dem 14. Jahrhundert stand Brakel in seiner vollen Blüte und
gleichrangig im Bistum Paderborn mit der Stadt Warburg, erkennbar
z. B. an eigenem Gerichts- und Marktrecht. Während sich die
wirtschaftliche Lage Brakels im 15. Jahrhundert verschlechterte,
kam es im vorstädtischen Bereich zur Gründung des Klosters Brede.
Mit Beginn des 14. Jh. kam es zur Bildung von Zünften und Gilden.
Brakel war im Verbund mit Paderborn, Warburg und anderen Städten im
16. Jh. der Hanse zugehörig. Die Lage an wichtigen Fernhandelswegen
und die Organisation der Kaufleute trug maßgeblich zur Entwicklung
der Stadt und einem wirtschaftlich prosperierenden Handelsraum bei.
Der Brakeler Denar erfreute sich als Zahlungsmittel einer weiten
Verbreitung. Die überregionalen Handelsbeziehungen Brakeler
Kaufleute lassen sich durch Neubürgerlisten in Hansestädten wie
Lübeck nachweisen (z. B. 1319-1351 Lübecker Bürgermatrikel mit 14
Eintragungen „de brakele“-„von brakel“). Weitere Nennungen finden
sich auch in Danzig, Riga, Dorpat und Reval.
Paderborn erklärte am 16.10.1567 erstmalig den Austritt aus dem
Hansebund wegen Zahlungsforderungen der Hanse . Dennoch schienen
die hansischen Handelsbeziehungen der hochstiftischen Städte weiter
zu bestehen. Darauf weist eine Urkunde vom 21.06.1598 hin, in der
Paderborn als Patrimonialstadt, die hansezugehörigen Städte des
Paderborner Landes nach Neuenheerse zur Beratung über
Angelegenheiten der Hanse einlud.
Für Brakel kann weder ein genauer Beitrittstermin noch ein
eindeutiger Austritt aus der Hanse ermittelt werden. Mehrere
Quellen lassen sich nachweisen, die den mehrmaligen Ein- bzw.
Austritt Paderborns in Bezug auf den Hansebund dokumentieren.
Letztendlich lässt sich jedoch für Brakel feststellen, dass obwohl
der Austritt aus der Hanse durch Paderborn erklärt wurde, eine rege
Aktivität der Kaufleute aus Brakel mit einem funktionierenden
Handelsnetz über mehrere „europäische“ Städte auch nach 1567
aufrecht erhalten wurde.
Der Dreißigjährige Krieg im 17. Jahrhundert hinterließ auch in
Brakel Spuren, doch aufgrund schwedischer Schutzbriefe, wurde die
Stadt nicht gebranntschatzt.
1633 wurde der bedeutende Barockmaler Johann Georg Rudolphi in
Brakel geboren.
1882 erblickte Peter Legge in der Ostheimer Straße in Brakel das
Licht der Welt. 1932 erhielt er die Weihe zum Bischof von Meißen in
der St. Sebastian-Kirche in Magdeburg.
Die Zeit bis 1803 verlor sich in der Abgeschiedenheit einer kleinen
Landstadt, bis sie unter preußische Regierung kam und für kurze
Zeit zur Kreisstadt erhoben wurde. Nach vorübergehender Verwaltung
unter Gerome Bonaparte (Königreich Westfalen bis 1813) und
anschließender preußischer Regierung, musste der Kreissitz im Jahr
1832 endgültig an Höxter abgegeben werden.
In der Folgezeit bis heute bildeten sich vier Schwerpunkte der Entwicklung heraus:
- Die Ansiedlung von Industrieunternehmen, insbesondere im holz-, metall-, textil- und kunststoffverarbeitenden Bereich.
- Die Entwicklung des Fremdenverkehrs zum ”Staatl. anerkannten Luftkurort” aufgrund der natürlichen Gegebenheiten.
- Angebot eines weit differenzierten Schulwesens durch die zentrale Lage im Kreis Höxter.
- Ansiedlung von Behörden und Institutionen mit überörtlicher Bedeutung.
Durch freiwilligen Zusammenschluss der vorher selbständigen
Gemeinden Beller, Bellersen, Bökendorf, Erkeln, Hembsen,
Hinnenburg, Istrup, Rheder, Riesel und Schmechten entstand am
1.1.1970 die Großgemeinde "Stadt Brakel". Durch das Gesetz zur
Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes
Sauerland/Paderborn vom 5.11.1974 wurden der Stadt Brakel ab
1.1.1975 die bis dahin selbständigen Gemeinden Auenhausen,
Frohnhausen, Gehrden, Hampenhausen und Siddessen zusätzlich
angegliedert.
Die Hansestadt Brakel gehört dem Westfälischen Hansebund als
Gründungsmitglied seit 1983 an. Die erfolgreiche Ausrichtung des
21. Westf. Hansetages im Jahr 2004 ist ein Indiz dafür, dass in
Brakel der Hansegedanke auch heute noch aktiv gelebt wird.
II. Die Überlieferung
Das Archiv
Tel. 05272/360-270; Fax 05272/360 44 270
E-mail: stadtarchiv@brakel.de
Öffnungszeiten: grundsätzlich nach telefonischer Vereinbarung, Mo-Di u. Do-Fr 8.00-12.00; Di u. Do 14.00-16.00, Mittwochs geschlossen
Das Stadtarchiv Brakel ist aufgrund seines kostbaren Urkundenbestands eines der bedeutenden Kommunalarchive in der Region. Diesen Sachverhalt und die weitgehende komplette Erhaltung des Altaktenbestands verdankt es nicht zuletzt der Tatsache, dass die Quellen über Jahrhunderte, wenig beachtet und vor Diebstahl, Feuer und Zerstörung gut gesichert, wie ein nach Paul Wiegand »eingefangener Poltergeist gehütet«, in einem »verschlafenen Gewölbe« überdauerten.
Urkunden
Im Urkundenbestand verwahrt das Stadtarchiv Brakel 478 Urkunden von
1259 – 1780. Die älteste Urkunde, Urk. 1 von 1244 fehlt.
Akten
Bestand A: 1551 Akten und Amtsbücher des 15. Jh. – 1815.
Bestand B: 823 Akten von 1815 – 1925
Bestand C: 883 Akten aus dem Amt Brakel von 1843 – 1935.
Bestand D: (früher M) 652 Magistrats - Akten von 1820 – 1942.
Bestand E: 395 registrierte Akten des ehemaligen Amts Peckelsheim
Dringenberg.
Bestand F: Zwischenarchiv mit Akten von 1935 – 1975. Die Verzeichnung dieses Registratur G: umfangreiche Bauakten von 1884 – 1975.
Bestand X: 68 Karteikisten, die alten auf Karteikarten befindlichen
Melderegister der Stadt Brakel von 1920 bis 1984.
Bestand Y: 117 Nachlassakten bedeutender Persönlichkeiten aus Brakel.
Bestand Z: einmalige lokale Zeitungsbestände bis zum Jahr 1892, 168 laufende
Meter.
Ergänzt werden die schriftlichen Quellen im Archiv durch Karten und Pläne, ein Foto-, Film- und Tonträgerarchiv und die Präsenzbibliothek mit etwa 3000 Titeln.
Eine Neuverzeichnung nach chronologischen und sachlichen
Ordnungskriterien erfolgte in den 1960er Jahren durch Archivrat Dr.
Wolfgang Leesch. Sie lieferte die Grundlage des 1979 gedruckten
Findbuchs, des Inventars des Stadtarchivs Brakel. Ihm folgte die
Verzeichnung des Aktenbestands C, bearbeitet durch verschiedene
Mitarbeiter, die durch das Westfälische Archivamt in Münster
betreut wurden. Das Verzeichnis liegt nur als Typoskript vor und
ist bislang nicht veröffentlicht. Auch für die neu verzeichneten
Bestände D und E bzw. Y fehlen gedruckte Findbücher, als
Arbeitsgrundlage wurden hierzu umfangreiche Datenbanken angelegt.
Die Bibliothek ist aus der alten Verwaltungsbibliothek und den Buchbeständen des Heimat- und Museumsvereins Brakel e. V. und des Stadtmuseums Brakel hervorgegangen und verwahrt bzw. sammelt insbesondere Publikationen zur Regionalgeschichte.
Literatur und Präsentation
Detten, Georg von, Die Hansa der Westfalen, Münster 1897.
Rondorf, Josef, Die westfälischen Städte in ihrem Verhältnis zur Hanse bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts (Diss.) Botin 1905.
Schoppmeyer, Heinrich, Brakel 836-1803, Geschichte und Struktur. In: Brakel 829-1229-1979, Höxter 1979, S. 49-132.
Schoppmeyer, Heinrich, Die Städte des Paderborner Landes und die Hanse. In: Die Warte 21 (1979), Heft 3. S. 3 f
Schoppmeyer, Heinrich, Hansische Organisationsformen in Westfalen. Entwicklung und Struktur. In: Hansische Geschichtsblätter, Band 100 (1982). S. 69-86.
Schoppmeyer, Heinrich, Paderborn als Hansestadt. In: Westfälische Zeitschrift, 120. Bd. (1970), S. 313-3 76.
Schoppmeyer, Heinrich, Probleme der Periodisierung mittelalterlicher Stadtgeschichte: Brakel. Höxter 1980.
Stephan, Hans-Georg, Areliäologische Betrachtungen zur Siedlungsgeschichte der Landschaft in Brakel von der Vorgeschichte bis zum späten Mittelalter. In: Brakel 829-1229-1979, Höxter 1979, S. 10-48.
Ulrich, Ernst, Brakel als Hansestadt, In: Hansische Stadtgeschichten des Westfälischen Hansebundes, Herford 1997
Stadtmuseum Brakel
Das Stadtmuseum Brakel im Haus des Gastes (Obergeschoss) zeigt auf rund 1oo m² die
Entwicklung der Stadt von der jungsteinzeitlichen Besiedelung im
Nethetal bis zur Gegenwart. Stadtbild und Grundriss von Brakel sind
Zeugen einer bedeutenden mittelalterlichen Stadtanlage. Die
Stadtgeschichte lässt sich Dank eines kostbaren Stadtarchivs seit
1259 verfolgen. Zu den sehenswerten Exponaten gehören
steinzeitliche Beile, Äxte und Steinklingen, mittelalterliche
Keramik-, Glas- und Metallfunde, barocke Schnittgläser aus der
Glashütte Emde sowie Gesangbücher der Jüdischen Gemeinde Brakel. In
Verbindung mit Erkundungen mittelalterlicher Tonnen- und
Kreuzgewölbekeller, dem historischen Stadtrundgang durch Brakel
oder der Topografie jüdischen Lebens in der Stadt Brakel kann der
Besuch des Stadtmuseums zu einem spannenden Erlebnis werden.

