Hansischer Städteführer Alfeld (Leine)
Siedlung an der Leine-Furt
Rathaus der Stadt Alfeld (Leine)
Der Platz, an dem sich der heutige Stadtkern Alfelds befindet, war
bereits in der vorchristlichen Eisenzeit (ca. 500 v. Chr.)
besiedelt.
Im Mittelalter entwickelte sich dann hier - nahe einer Furt in der
Leine - der Siedlungskern, der als Ursprung der heutigen Stadt
angesehen wird. Im Schutz einer Burg, die der Bischof von
Hildesheim zur Kontrolle der Leine-Furt hatte anlegen lassen,
entstand eine Marktsiedlung mit Kaufleuten und Handwerkern.
Wahrscheinlich war Alfeld schon zu Anfang des 12. Jahrhunderts Sitz
eines Archidiakonats.
Zwischen 1221 und 1258 erhielt die Marktsiedlung dann die
Stadtrechte. Zünfte wurden zum ersten Mal im 14. Jahrhundert
urkundlich erwähnt: 1333 die Bäckergilde,1387 die Leineweber und
1388 die Wollenweber.
Die Stadt lebte vor allem vom Handel mit Wolltuchen, Leinen-Garn
und gewebter Leinwand, sowie Bier und Hopfen, der rund um Alfeld
angebaut wurde. Zeitweise durften vier Jahrmärkte pro Jahr
abgehalten werden.
Im Jahr 1426 wurde die Stadt Mitglied des Sächsischen Städtebundes,
der der Hanse angegliedert war. Sie war damit Hansestadt und hatte
teil am nordeuropäischen Handel.
Der Wohlstand, den Alfeld dadurch im 15., 16. und Anfang des 17.
Jahrhunderts erlangte, erlaubte den Bürgern den Ausbau ihrer Stadt,
heute noch zu sehen an zwei öffentlichen Bauten: Das ursprünglich
gotische Rathaus wurde zwischen 1584 und 1586 zu einem
repräsentativen Bau im Stil der Weserrenaissance umgestaltet, die
städtische Lateinschule bekam Anfang des 17. Jahrhunderts ein neues
Gebäude, das großzügig mit Bildschnitzereien geschmückt war.
Mit dem Niedergang der Hanse und den Folgen des 30jährigen Kriegs
endete Alfelds wirtschaftliche Blüte. Es dauerte nahezu 200 Jahre,
bis die Stadt erneut wirtschaftliche Bedeutung erlangte.
Mit dem Anschluss an die Nord-Südverbindung der Eisenbahnstrecke
Hannover-Kassel 1853/54 begann ein neuer wirtschaftlicher
Aufschwung. Zwischen 1860 und 1914 siedelten sich zahlreiche
Unternehmen an; Alfeld entwickelte sich zu einem Industriestandort.
Der Schwerpunkt der Produktion lag - und liegt auch heute noch - im
Maschinenbau, in der Papierherstellung, der Papierverarbeitung und
der Schuhleisten-Herstellung. Aber auch außergewöhnliche
Handelszweige waren vertreten, z.B. die Alpenveilchenzucht und der
Handel mit Kanarienvögeln und exotischen Tieren.
Mit der Industrialisierung stieg die Bevölkerungszahl sprunghaft
an. 1855 hatte Alfeld 2.660 Einwohner, im Jahr 1900 bereits doppelt
so viele: 5411, im Jahr 1939 waren es 7755. Die Stadt, die bis zur
Mitte des 19. Jahrhunderts kaum die mittelalterliche Begrenzung
überschritten hatte, dehnte sich nun aus. Es entstanden ein
Industriegebiet und neue Wohnviertel.
Die erste Industrialisierungsphase endete mit dem 1. Weltkrieg.
Inflation, Weltwirtschaftskrise und der 2. Weltkrieg führten zu
wirtschaftlicher Stagnation. Erst nach 1948 zeichnete sich ein
neuer Aufschwung ab.
Die Nachkriegszeit war bis Anfang der 1970er Jahre vor allem durch
die Integration von ca. 6.000 Flüchtlingen und Vertriebenen
geprägt. Infrastruktur und Wohnraum mussten dem Bedarf von jetzt
13.721 Menschen angepasst werden.
Heute leben etwa 12.500 Menschen in Alfeld, mit den Einwohnern der
Ortsgemeinden, die seit 1974 zur Stadt gehören, sind es 22.500.
Stadtarchiv Alfeld, Seminarstraße 26, 31061 Alfeld
Tel. 05181/703-181; Fax 05181/703-216
E-Mail: museum.alfeld@t-online.de
Öffnungszeiten: nach telefonischer Vereinbarung
Die Bestände des Stadtarchivs Alfeld gehen auf das Ratsarchiv
zurück. Sie
sind seit 1976 in einem eigenen Archivgebäude untergebracht und
öffentlich zugänglich. Seit 1974 umfasst das Stadtarchiv Alfeld
auch die Akten der in die Stadt Alfeld eingegliederten Gemeinden.
Die Bestände sind z.T. durch maschinenschriftliche Findmittel
erschlossen. Eine Bestandübersicht befindet sich im Internet: www.alfeld.de/stadt/stadtarchiv.
Die Bestände umfassen Urkunden, Stadtbücher, Kämmereirechnungen,
Akten, Gerichtsprotokolle, Karten, Pläne, Fotos, Postkarten und
Zeitungen.
Die Hauptmasse der archivischen Überlieferung setzt gegen Ende des
18. Jahrhunderts ein und reicht bis ins 20. Jahrhundert.
Die Archivbibliothek umfasst ca. 5.000 Bände.
Wichtige Bestände für die Hansezeit und die frühe Neuzeit
Urkunden
1339 bis Ende 17. Jahrhundert
Amtsbücher und Handschriften
1. Stadtbücher
15. und 17. Jahrhundert (mit Statuten und Willküren)
2. Ratsprotokolle
ab 1610
3. Kämmerei-Rechnungen
ab 1587
Akten
Magistratsarchiv
Nur vereinzelte Akten beziehen sich auf die Hansezeit und die frühe
Neuzeit.
Literatur und Präsentation
Heinze, Wilhelm: Die Geschichte der Stadt Alfeld, Alfeld 1894.
Graff, Paul, Geschichte des Kreises Alfeld, Hildesheim/Leipzig 1928.
Scale, Martha: Geschichte der Stadt Alfeld in neuer Sicht, Alfeld 1973.
Im Stadtmuseum wird im Rahmen der Dauerausstellung auf Alfelds Mitgliedschaft in
der Hanse hingewiesen.