Rückblick auf das Hanse-Wirtschaftsforum in Lippstadt
11. Mai 2007
„Europa und die Hanse – zwei Stichworte, ein Gedanke“, so äußerte sich sinngemäß EU-Kommissar Günter Verheugen, den die Gäste des Hanse-Wirtschaftsforums anlässlich des 27. Internationalen Hansetages in Lippstadt als ersten Redner begrüßten.
Die Idee der historischen Hanse sei eine verbesserte wirtschaftliche Zusammenarbeit und der Abbau von Handelshemmnissen jeglicher Art gewesen. Dies sei auch ein zentraler Gedanke bei der Gründung der EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) gewesen und bleibe bis heute zentrales Anliegen der EU.
Somit war man auch schnell bei den zentralen Themen, die das erstmalig für einen Hansetag organisierte Wirtschaftsforum sich vorgenommen hatte:
Internationale Vernetzung der Hansestädte als Motor für eine verbesserte wirtschaftliche Zusammenarbeit vor dem Hintergrund der weltweiten Globalisierung.
Manfred Maus, Gründer der OBI-Organisation schilderte in seinem Vortrag anhand von zahlreichen Beispielen die Notwendigkeit, die kulturellen und sozialen Verhältnisse in den jeweiligen Ländern zu beachten. Nur wer diese sehe und den Menschen – den Kunden in den Mittelpunkt seiner Betrachtung stelle, könne dauerhaft eine erfolgreiche Internationalisierung vornehmen.
Andreas Becker von der WestLB wies in seinem Referat auf die Dienstleitungsnetze und –angebote der Banken und ihrer Partner im Ausland hin, die mittelständischen Unternehmen den Einstieg in ausländische Märkte erleichterten.
Den Referaten schloss sich eine sehr lebhafte und phasenweise emotionale Podiumsdiskussion an, denn das Thema „Globalisierung“ bedeutet nicht nur Chance sondern auch Risiko, vor allem in Bezug auf die Verlagerung von Produktionsarbeitsplätzen.
Dem Nutzen durch billige Warenangebote, den der Westen ganz klar habe, so Verheugen, denn über 50% der Exporte aus den sog. Billiglohnländern erfolgten durch westliche Exporteure ins westliche Ausland, stehe an vielen Stellen der Verlust von Arbeitsplätzen entgegen. Dies treffe dann ganz konkret einzelne Städte und Standtorte, denen es wenig nutze, wenn man ihnen sage, dass irgendwo auf der Welt ja dafür auch wieder Arbeitsplätze entstünden.
Dr. Behrend als Vertreter eines auch hier in Deutschland produzierenden Unternehmens wies auf die derzeit doch teilweise sehr unterschiedlichen Wettbewerbssituationen aufgrund von mangelnden oder nicht vorhandenen sozialen, arbeitsrechtlichen und ökologischen Standards weltweit hin. Sie machten einen fairen Wettbewerb, dem man sich natürlich stellen müsse, unmöglich.
An diese Diskussion schloss sich inhaltlich nahtlos somit die Präsentation der Hanse-Kooperationsdatenbank, die die Wirtschaftsförderung Lippstadt in den vergangenen Monaten erstellt hatte, an. Sie sei als praktisches Hilfsmittel zum gegenseitigen Kennenlernen ein erster Schritt, man könne sich hier gezielt Ansprechpartner in anderen Hansestädten suchen, die einem dann Kontakte und Informationen zu potenziellen Kooperationspartnern vermitteln könnten, so Wirtschaftsförderer Wilhelm Coprian.
Das Besuchsspektrum reichte vom Flugzeugbeleuchtungsspezialisten Goodrich Lighting Systems, über den Fahrzeugklimaanlagenhersteller BHTC, die Pralinenproduktion Peters, das Orchideenzuchtlabor Hark, den Automobilzulieferer Hella, den Nahrungsmittelspezialisten SATRO bis zum weltweit bekannten Unternehmen Rothe Erde.
Abends traf man sich zu einem gemütlichen Get Together auf dem Gelände des Golfclubs Lippstadt. Leider schränkte das durchwachsene Wetter den Genuss der wunderschönen Anlage etwas ein, dennoch konnten sich die Gäste in gemütlicher Runde einen Eindruck von westfälischem Essen und Bier verschaffen.
