„Europa und die Hanse – zwei Stichworte, ein Gedanke“, so äußerte
sich sinngemäß EU-Kommissar Günter Verheugen, den die Gäste des
Hanse-Wirtschaftsforums anlässlich des 27. Internationalen
Hansetages in Lippstadt als ersten Redner begrüßten.
Die Idee der historischen Hanse sei eine verbesserte
wirtschaftliche Zusammenarbeit und der Abbau von Handelshemmnissen
jeglicher Art gewesen. Dies sei auch ein zentraler Gedanke bei der
Gründung der EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) gewesen und
bleibe bis heute zentrales Anliegen der EU.
Somit war man auch schnell bei den zentralen Themen, die das
erstmalig für einen Hansetag organisierte Wirtschaftsforum sich
vorgenommen hatte:
Internationale Vernetzung der Hansestädte als Motor für eine
verbesserte wirtschaftliche Zusammenarbeit vor dem Hintergrund der
weltweiten Globalisierung.
Nach der Begrüßung der ca. 400 Gäste im Stadttheater durch
Lippstadts Bürgermeister Christof Sommer und Hansevormann Bernd
Saxe wurde diese Thematik von den weiteren Referenten jeweils aus
einer anderen Perspektive betrachtet:
Rückblick auf das Hanse-Wirtschaftsforum in Lippstadt
11. Mai 2007

Günter Verheugen

Günter Verheugen, Dr. Jürgen Behrend, Manfred Maus
Dr. Jürgen Behrend, persönlich haftender, geschäftsführender
Gesellschafter der Hella KGaA Hueck & Co. stellte die
Notwendigkeit der Schaffung von Unternehmensnetzwerken zur
Zukunftssicherung dar und listete die beeindruckende Zahl von
Joint-Ventures und Unternehmenskooperationen, an denen Hella
beteiligt ist, auf. Nur so sei ein Überleben im globalisierten
Weltmarkt für ein mittelständisches Unternehmen möglich.
Manfred Maus, Gründer der OBI-Organisation schilderte in seinem
Vortrag anhand von zahlreichen Beispielen die Notwendigkeit, die
kulturellen und sozialen Verhältnisse in den jeweiligen Ländern zu
beachten. Nur wer diese sehe und den Menschen – den Kunden in den
Mittelpunkt seiner Betrachtung stelle, könne dauerhaft eine
erfolgreiche Internationalisierung vornehmen.
NRW Innovationsminister Andreas Pinkwart stellte in seinem Beitrag
die Bedeutung der Förderung von Aus- und Weiterbildung, Forschung
und Innovation als zentrale Erfolgsfaktoren der westlichen Welt für
ein Bestehen im internationalen Wettbewerb und für die
Zukunftssicherung dar.

Prof. Dr. Andreas Pinkwart
Andreas Becker von der WestLB wies in seinem Referat auf die
Dienstleitungsnetze und –angebote der Banken und ihrer Partner im
Ausland hin, die mittelständischen Unternehmen den Einstieg in
ausländische Märkte erleichterten.
Den Referaten schloss sich eine sehr lebhafte und phasenweise
emotionale Podiumsdiskussion an, denn das Thema „Globalisierung“
bedeutet nicht nur Chance sondern auch Risiko, vor allem in Bezug
auf die Verlagerung von Produktionsarbeitsplätzen.
Dem Nutzen durch billige Warenangebote, den der Westen ganz klar
habe, so Verheugen, denn über 50% der Exporte aus den sog.
Billiglohnländern erfolgten durch westliche Exporteure ins
westliche Ausland, stehe an vielen Stellen der Verlust von
Arbeitsplätzen entgegen. Dies treffe dann ganz konkret einzelne
Städte und Standtorte, denen es wenig nutze, wenn man ihnen sage,
dass irgendwo auf der Welt ja dafür auch wieder Arbeitsplätze
entstünden.
Dr. Behrend als Vertreter eines auch hier in Deutschland
produzierenden Unternehmens wies auf die derzeit doch teilweise
sehr unterschiedlichen Wettbewerbssituationen aufgrund von
mangelnden oder nicht vorhandenen sozialen, arbeitsrechtlichen und
ökologischen Standards weltweit hin. Sie machten einen fairen
Wettbewerb, dem man sich natürlich stellen müsse, unmöglich.
Auf die Abschlussfrage des Moderators, Martin Krigar (li.),
Chefredakteur des Westfälischen Anzeigers, was denn nun die Hanse
an dieser Stelle leisten könne, wurde allenthalben die Verbesserung
der Zusammenarbeit im Hansenetzwerk zur Schaffung von
Wettbewerbsvorteilen genannt.

An diese Diskussion schloss sich inhaltlich nahtlos somit die
Präsentation der Hanse-Kooperationsdatenbank, die die
Wirtschaftsförderung Lippstadt in den vergangenen Monaten erstellt
hatte, an. Sie sei als praktisches Hilfsmittel zum gegenseitigen
Kennenlernen ein erster Schritt, man könne sich hier gezielt
Ansprechpartner in anderen Hansestädten suchen, die einem dann
Kontakte und Informationen zu potenziellen Kooperationspartnern
vermitteln könnten, so Wirtschaftsförderer Wilhelm Coprian.
Dr. Heinz Günter Focken, 1. Vorsitzender der Hansegesellschaft
Lippstadt forderte im seinem Abschlusswort alle Hanseaten auf,
diesen Gedanken, der in Lippstadt erstmals so deutlich angestoßen
wurde, nun auch weiter zu verfolgen und die Daten zu der eigenen
Stadt in der Datenbank aktuell und vollständig zu halten. Dies sei
unter den Internetseiten des Hansetages Lippstadt www.hansetag-lippstadt.com oder unter den Seiten der NEUEN HANSE unter www.hanse.org möglich.
Das Besuchsspektrum reichte vom Flugzeugbeleuchtungsspezialisten Goodrich Lighting Systems, über den Fahrzeugklimaanlagenhersteller BHTC, die Pralinenproduktion Peters, das Orchideenzuchtlabor Hark, den Automobilzulieferer Hella, den Nahrungsmittelspezialisten SATRO bis zum weltweit bekannten Unternehmen Rothe Erde.
Abends traf man sich zu einem gemütlichen Get Together auf dem Gelände des Golfclubs Lippstadt. Leider schränkte das durchwachsene Wetter den Genuss der wunderschönen Anlage etwas ein, dennoch konnten sich die Gäste in gemütlicher Runde einen Eindruck von westfälischem Essen und Bier verschaffen.


