Hansischer Städteführer Salzwedel

Salzwedel Städteführer Stadtwappen

Adresse
Stadt Salzwedel, An der Mönchskirche 5, 29410 Salzwedel
Tel.: 03901/65-0
Fax: 03901/65-199
Internet: www.salzwedel.de; www.kultour-saw.de; www.hansetag2008.de
E-Mail: hanse@salzwedel.de

 


I. Die Stadt

Die urkundliche Ersterwähnung anläßlich einer Belagerung der Burg der Markgrafen der Nordmark durch Kaiser Heinrich V. fällt in das Jahr 1112; die Weiterentwicklung zur voll ausgebildeten Stadt nahm aber noch einige Zeit in Anspruch: Erst 1233 ist in einem Privileg der Markgrafen von Brandenburg für die Gewandschneidergilde von der „civitas“ Salzwedel die Rede. Das rasche Wachstum im 13. Jahrhundert läßt jedoch vermuten, daß sich wesentliche Phasen der Siedlungs- und Stadtentstehung in urkundlich nicht faßbaren Zeiträumen davor abgespielt haben.

Salzwedel Städteführer Neustädter Rathausturmecke
Neustädter Rathausturmecke

1247 wurde nördlich von Burg und Altstadt die Neustadt begründet; Altstadt und Neustadt blieben trotz mehrerer Einigungsversuche bis zum Jahr 1713 selbständig, scheinen aber in gerichtlichen und auswärtigen Angelegenheiten weitgehend gemeinsam aufgetreten zu sein. Salzwedel hatte ein eigenständiges Stadtrecht, das sich vom Magdeburger, Lübecker und Lüneburger Recht unterschied, obwohl es Elemente aus diesen und anderen Rechten aufgenommen hatte. 1273 und 1278 bestätigt, wurde es bereits 1239 an Perleberg und 1252 an Lenzen übertragen; auch Apenburg, Gartow und Wustrow gehörten zu den Städten Salzwedeler Rechts.

Die Mitteilung des Lübecker Rats an den Ältermann auf Gotland über die Aufnahme Salzwedels in die Gemeinschaft in Wisby von 1263 wird als Aufnahme Salzwedels in die Hanse betrachtet. Aber schon zuvor gibt es Belege für Fernhandelsaktivitäten Salzwedeler Kaufleute, so z. B. 1248 ein Zollprivileg Herzog Albrechts von Sachsen-Lauenburg, Engern und Westfalen für den Handel auf den Straßen zwischen Salzwedel und Hamburg sowie Lübeck und Salzwedel. Zu den wichtigsten Salzwedeler Handelsgüter zählten Tuch, Leinen und Bier. 1518 kündigte Salzwedel, vielleicht unter dem Druck des Landesherren nach der Niederschlagung des Bierzieseaufstands von 1488, die Mitgliedschaft in der Hanse, bemühte sich in den Jahren 1554/55 (allerdings erfolglos) jedoch um die Wiederaufnahme.


Salzwedel Städteführer Alte Lateinschule
Die Alte Lateinschule
Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts und das frühe 17. Jahrhundert dürften noch einmal Blütezeiten der wirtschaftlichen Entwicklung Salzwedels gewesen sein, wie einige eindrucksvolle Bauwerke (Neustädter Lateinschule, Neustädter Rathaus mit Rathausturm, das 1895 abgebrannte Kaufhaus der Neustadt u. a.) vermuten lassen. Der Dreißigjährige Krieg scheint insgesamt die wirtschaftliche Entwicklung gehemmt zu haben; allerdings waren die Auswirkungen weitaus weniger dramatisch als in einigen Städten der östlichen Altmark, die im Zuge von Kampfhandlungen belagert oder gar geplündert worden sind.

Zu einem wichtigen ökonomischen Faktor, der einige Nachteile der Grenzlage ausglich, entwickelte sich im 18. Jahrhundert die Garnison. Die starke Einflußnahme der Landesherren auf die städtische Selbstverwaltung im Zuge von Verwaltungsreformen führte in diesem Jahrhundert zum Abschluß mehrerer teils schon seit Jahrhunderten schwebender Vereinigungen, so 1713 zur Vereinigung beider Städte und 1744 zur Vereinigung beider Lateinschulen. Einschneidende Veränderungen bewirkte in den Jahren 1807 bis 1813 die Zugehörigkeit Salzwedels zum Königreich Westfalen; einerseits endeten damit viele der mittelalterlichen Rechtsverhältnisse Salzwedels (wie das eigenständige Stadtrecht und das Zunftrecht), andererseits erhielt Salzwedel als Distriktshauptstadt im Elbedepartement erstmals größere Aufgaben als regionales Verwaltungszentrum.

Salzwedel Städteführer Marienkirche
Die Marienkirche

Die Salzwedeler Textilproduktion (Tuchmacherei, Leinenweberei) erlosch im 19. Jahrhundert, da sie die Einführung industrieller Fertigungsmethoden verpaßte bzw. zu spät und in zu geringer Intensität vornahm. Eine kulinarische Köstlichkeit, der Salzwedeler Baumkuchen, begann in diesem Jahrhundert seinen bis in die Gegenwart anhaltenden Siegeszug um die Welt. Verbesserungen der Infrastruktur (Chausseebau in der Altmark Mitte 19. Jahrhundert, Anschluß an die Eisenbahn ab 1870) führten gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur Entstehung einiger teils auch überregional bedeutender mittelständischer Betriebe (1876 Eisengießerei, später Pumpenfabrik; 1892 Zuckerfabrik; 1897 Bergschloßbrauerei). 1908 wurde der Vorort Perver eingemeindet, der wie Salzwedel gegen Ende des 19. Jahrhunderts einige mittelständische Betriebe erhalten hatte.

Nach dem II. Weltkrieg stieg die Bevölkerungszahl Salzwedels durch Umsiedler zunächst stark an; im Zuge der stärkeren Profilierung beider deutscher Staaten kam es aber vor allem in den 50er Jahren zu starken Abwanderungsverlusten, die erst durch den Bau der Mauer und der Grenzanlagen seit 1961 verringert wurden. Eine neue wirtschaftliche Blüte und starken Bevölkerungszuzug rief die 1968 einsetzende Erdgasförderung hervor; die Infrastruktur wurde verbessert, neue Wohngebiete und das Kulturhaus („Klubhaus der Erdgasarbeiter“) entstanden. Die Eingemeindung einiger stadtnaher Dörfer (1950 Böddenstedt, 1974 Kricheldorf und Sienau) stärkte die Bedeutung landwirtschaftlicher Fragen für Salzwedel.


Stade Visitenkarte Bürgermeisterhof
Der Bürgermeisterhof
Nach der Wiedervereinigung wurden die bis dahin bestehenden Salzwedeler Großbetriebe überwiegend stillgelegt oder bis zur Bedeutungslosigkeit reduziert. Der Mangel an Arbeits- und Lehrstellen führte zu starker Abwanderung vor allem der Jugend in die alten Bundesländer. Die Ansiedlung neuer Wirtschafts- und Gewerbeunternehmen sowie die Förderung des Tourismus führten bislang nicht zu gegenläufigen Tendenzen. Die geringe Attraktivität Salzwedels als Wirtschaftsstandort beruht vor allem auf der sich ständig verschlechternden Infrastruktur: fast alle Eisenbahnlinien sind stillgelegt worden, große Mittel werden in unzulänglich dimensionierte Umgehungsstraßen gesteckt und alle Autobahnneubauprojekte machen um die westliche Altmark einen großen Bogen. Änderungen auf der untersten Ebene der Kommunalverwaltung führten in den Jahren 2003 und 2005 zur Eingemeindung einiger Dörfer (Amt Dambeck, Brewitz, Brietz, Buchwitz, Chüttlitz, Dambeck, Mahlsdorf, Maxdorf, Stappenbeck). Ob Salzwedel künftig seine administrative Bedeutung (Kreisstadt und Mittelzentrum im Land Sachsen-Anhalt) wahren und von seiner günstigen zentralen Lage profitieren kann, wird die Zukunft zeigen.

II. Die Überlieferung

Das Archiv

KulTour-Eigenbetrieb der Stadt Salzwedel, Stadtarchiv, An der Mönchskirche 5, 29410 Salzwedel
Tel. 03901/65135; Fax: 03901/65199 (Telefonzentrale); E-Mail: rathaus@salzwedel.de (allgemein für Stadtverwaltung) bzw. archiv@kultour-saw.de
Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 9.00-12.00; Mo, Do 13.00-15.30; Di 13.00-17.30

 

Die Bestände sind überwiegend durch maschinenschriftliche Bestandsverzeichnisse, neuere Akten durch Ablieferungslisten und das Zugangsbuch erschlossen. Für die Urkundensammlung und die Altakten (einschl. Amtsbücher und Stadtbücher) gibt es das handschriftliche Urkundenfindbuch von Danneil (1835) und ein gebundenes maschinenschriftliches Findbuch (1939/41). Das Archiv verfügt nicht über eine eigene Internet-Homepage. Die seit 1990 im Aufbau befindliche Dienstbibliothek, die auch zentralisierte Teile der Verwaltungsbücherei enthält, ist nicht detailliert verzeichnet.

Die Überlieferung konzentriert sich auf Unterlagen städtischer Provenienz, Fremdbestände (Altmärkischer Verein für vaterländische Geschichte zu Salzwedel; Salzwedeler Familienstiftungen; Firmenschriftgut u. a.) sind dem Umfang nach von geringerer Bedeutung. Urkunden und Altakten wurden bereits 1835 verzeichnet und scheinen den Rathausbrand von 1895 ohne größere Verluste überstanden zu haben. Die neuere Aktenüberlieferung setzt erst danach ein, ist aber besonders für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts außerordentlich aussagekräftig und gut überliefert. Von den einstmals sicher vorhandenen städtischen Amtsbüchern, Ratsprotokollen und Rechnungen sind nur relativ geringe Reste erhalten geblieben (Kämmereirechnungen ab 1826, Stadtverordnetenprotokolle 1835-37, ab 1852, Magistratsprotokolle ab 1894), deren mittelalterliche und frühneuzeitliche Teile Bestandteil der Altakten (Rep. II) sind.

Wichtige Bestände für die Hansezeit und die frühe Neuzeit

I. Urkunden: ca. 1800 von 1223-1871, überwiegend 15./16. Jh.
II. Amtsbücher: Bestandteil der Altakten, 6 Bände Stadtbücher im engeren Sinne (Anf. 14. Jh. –1637)
III. Akten: Altakten (ca. 15./16. Jh. –1895), etwa 5 laufende Meter.

Literatur und Präsentation

Jahresberichte des „Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte zu Salzwedel“ (Nr. 1 von 1838, aktuell zur Zeit Nr. 76 von 2004)

Karl Gaedcke: Der Ursprung der Stadt Salzwedel. Salzwedel 1910 (Nachdruck in Festschrift 1933, S. 17-28)

Gottfried Wentz: Das Salzwedeler Stadtrecht (In: Festschrift 1933, S. 63-74)

Heinz Stoob: Salzwedel (Deutscher Städteatlas, Lieferung III Nr. 8, Münster 1984)

Steffen Langusch: Zu Urkundenverlusten des Stadtarchivs Salzwedel (In: 71. Jahresbericht AVVG, Lüchow 1996, S. 196-221)

Arno Sommerfeld: Hansestadt Salzwedel – Ein Rundgang durch die Geschichte der Stadt. Salzwedel 2000

Steffen Langusch: Leben in Salzwedel im 30jährigen Krieg – Spurensuche nach einer Krisenzeit (In: „Beiträge zur Regional- und Landeskultur Sachsen-Anhalts“, Heft 16, Halle 2000, S. 71-94)

Arndt Eberhagen: Betrachtungen zu den Anfängen von Salzwedel (In: 74. Jahresbericht AVVG, Oschersleben 2002, S. 16-29)

Steffen Langusch: Sie waren zwei und wurden eins – Das 18. Jahrhundert als Salzwedels Jahrhundert der Einheit (In: „Beiträge zur Regional- und Landeskultur Sachsen-Anhalts“, Heft 25, Halle 2003, S. 176-190)

August Wilhelm Pohlmann: Geschichte der Stadt Salzwedel seit ihrer Gründung bis zum Schlusse des Jahres 1810. Halle 1811, Reprint Aschersleben 2005

Das Danneil-Museum in der ehemaligen Propstei an der St. Marien-Kirche gehört zu den „Museen des Kreises Salzwedel“ und dokumentiert die geschichtliche Entwicklung der Stadt und des Kreises Salzwedel. Sammlungsschwerpunkte sind die Ur- und Frühgeschichte und Kirchliche Kunst des Mittelalters (z. B. „Salzwedeler Madonna“, Weinberg-Altar von Lucas Cranach d. J.).

In der Karte

Zahlen und Fakten

Gründung

1112

Wahrzeichen

Marienkirchturm, Tor- und Wallanlagen, Rathausturm

Geographische Lage

52°51´14 nordliche Breite, 11°09´17 östliche Breite

Nächstgelegene, größere

Lüneburg (75 km), Braunschweig (85 km)

Einwohner

20800

Studenten

--

Verkehrsverbindungen

Bundesstrassen: B71, B190, B248, Bahnverbindungen Uelzen-Magdeburg, Hamburg-Krakau (Pl)

Typisches

Original Salzwedeler Baumkuchen

Internationale Events

Dionysius-Markt, Parkfestival

Partnerstädte

Wesel (D), San Vito dei Normanni (I), Felixstowe (GB)

Intern. Mitgliedschaften

Die HANSE

Projekte der Hanse

Hanse-Wirtschaftskooperationsdatenbank