Hansischer Städteführer Pritzwalk
Stadt Pritzwalk, Marktstrasse 39, 16928 Pritzwalk
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I. Die Stadt
Die Ursprünge der deutschen Stadt gehen auf die Zeit um 1200 zurück. Sie entwickelte sich an einem älteren slawischen Siedlungsplatz am Flüsschen Dömnitz. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1256 im Zusammenhang mit der Verleihung des Seehausener Stadtrechts durch die brandenburgischen Markgrafen Otto und Johannes. Pritzwalk war somit eine Immediatstadt mit weitgehenden Selbstverwaltungs- und Gerichtsprivilegien bis hin zum Bündnisrecht und der Hochgerichtsbarkeit.
Die Entstehung Pritzwalks ist eng mit der Lage am Knotenpunkt verschiedener Landhandelswege verbunden. Der bedeutendste war zweifellos derjenige zwischen den alten slawischen Herrschaftszentren Wittstock und Lenzen. Von Lenzen aus erschloß sich über die Elbe die Verbindung mit dem Nordseeraum. Daneben verbanden die Wege über Parchim und Meyenburg Pritzwalk mit dem Ostseeraum. Dominierend jedoch blieb die Ost- West- Verbindung, die sich im Grundriß der Stadt widerspiegelte.
Zwischen Kemnitzer und Perleberger Tor verläuft die Marktstraße mit dem
Marktplatz.Die Marktstraße war bereits früh als breite Magistrale
angelegt, die den Händlern mit ihren Fuhrwerken ausreichend Platz bot
und durch mehrere Brunnen auch die Wasserversorgung der Pferde und des
Viehs ermöglichte. Die vergleichsweise Enge des Marktplatzes legt nahe,
daß die Marktstraße selbst auch als Ort des Handels und des
Warenstapels genutzt wurde.
Bereits in der Stadtrechtsurkunde von 1256 wird eine “Fraternitas
mercatorum” (Kaufmanns-Bruderschaft) erwähnt. Sie trieb regen
Fernhandel vor allem auch mit den Hansestädten an Nord- und Ostsee. So
sind im Schuldbuch von Hamburg aus dem Jahre 1288 die Pritzwalker
Kaufleute Richardus, Rico und Joh(annes). de Hertsfelde verzeichnet. Im
14. Jahrhunderts erlebte der Pritzwalker Handel eine frühe Blüte. Für
das Jahr 1359 ist die Mitgliedschaft Pritzwalks in der Hanse sicher
nachgewiesen, als Rostock die Stadt zu einem allgemeinen Hansetag nach
Lübeck einlud.
Die große Bedeutung Pritzwalks als Knotenpunkt der Handelswege unterstreicht das markgräfliche Zollprivileg von 1364, das die Erhebung eines Wagen- und Wegezolls zur Unterhaltung der Verkehrswege erlaubte. Der Landesherr bestätigte den Pritzwalker Bürgern zollfreien Handel zu Lande und zu Wasser in all seinen Städten und Landen. Darüber hinaus genossen die Pritzwalker Zollfreiheit in Lübeck.
Im 15. Jahrhundert litt der Handel zunehmend unter Raubüberfällen. Im 16. Jahrhundert kam die Konkurrenz des Adels und durch auswärtige Kaufleute, vor allem aus Hamburg und anderen großen Städten, die in der Prignitz Handel trieben, hinzu.
Die Beeinträchtigung des Fernhandels versuchten die Prignitzstädte durch den Ausbau der Jahr- und Wochenmärkte zu kompensieren. Pritzwalk erhielt 1593 die Bestätigung seiner freien Jahrmärkte. Seit dem Mittelalter waren drei Jahrmärkte gebräuchlich, nunmehr kam ein vierter am Montag oder Dienstag nach Martini hinzu.
Die Zerstörungen und Plünderungen des Dreißigjährigen Krieges, die
Pestepidemien und Seuchen sowie die daraus resultierende Entvölkerung
ruinierten die Stadt.Durch die Fertigstellung des Oder-Spree-Kanals
1669 verlor der alte, durch Pritzwalk führende Ost-West-Handelsweg
seine Funktion, wenn auch der Tuchverkauf nach Hamburg noch Ende des
18. Jahrhunderts recht umfangreich war.
Die Bevölkerungszahl von 400 um 1620 sank auf 52 anwesende Bürger um
1640.Erst um 1700 erreichte die Stadtbevölkerung wieder die Zahl 1700
und blieb ein Jahrhundert fast unverändert. Einen schweren Schlag
bedeutete der große Brand von 1821, der 90 % der Stadt einschließlich
der Kirche und des stolzen Renaissance-Rathauses vernichtete.
Erst das Industriezeitalter weckte Pritzwalk aus seinem
Dornröschenschlaf. Wiederum wurde die Stadt zu einer Schnittstelle der
Transport- und Handelswege. Den Anfang bildete der um 1840 einsetzende
Chausseebau. Schließlich entwickelte sich Pritzwalk ab 1885 zu einem
überregionalen Eisenbahnknotenpunkt.
Herausragende Bedeutung erlangte die „Uniformtuchfabrik Gebr. Draeger“ am Meyenburger Tor, die später in den Besitz der heute bedeutenden Industriellenfamilie Quandt überging. In unmittelbarer Nachbarschaft produzierte die Brauerei Schraube und tut dies als Brauhaus Preussen Pils GmbH noch heute.Daneben sorgten moderne Mühlen, Molkereien und kleinere Maschinenbaubetriebe, Händler und eine leistungsfähige Landwirtschaft für wachsenden Wohlstand.
Die beiden Weltkriege forderten auch in Pritzwalk ihren schrecklichen Tribut. Hunderte Pritzwalker verloren ihr Leben auf den Schlachtfeldern. Die Explosion eines Munitionszuges auf dem Bahnhof in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges richtete schwere Schäden an.
Bald nach Ende des Krieges begann der Wiederaufbau. Pritzwalk wurde 1952 Kreisstadt.
Die Errichtung des Zahnradwerks mit seinen nahezu 2 000 Beschäftigten und vieler anderer Betriebe ab den sechziger Jahren gab der Stadtentwicklung entscheidende Impulse. Neue Stadtteile, Schulen und soziale Einrichtungen entstanden. Indes blieb auch Pritzwalk von den Krisenzeichen der späten DDR nicht verschont.
Trotz aller Probleme entwickelte sich Pritzwalk städtebaulich und wirtschaftlich nach der Wiedervereinigung Deutschlands erfolgreich. Heute kommt der Besucher Pritzwalks in eine gastfreundliche und lebendige Stadt, deren 14 000 Einwohner ihren Gästen mit Stolz das historisch Überkommende wie das neu Entstandene präsentieren.
II. Die Überlieferung
Das Archiv
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E-mail: archiv@pritzwalk.de
Öffnungszeiten: Di 8.00-12.00 und 13.00 – 17.30 Uhr; Do 8.00-12.00 und 13.00-16.00 Uhr sowie nach Vereinbarung
Der Stadtbrand 1821 vernichtete einen Großteil des Bestandes. Die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bestände bestehen deshalb nur aus 56 Urkunden sowie einzelnen Aktenstücken und einem städtischen Gerichtsbuch jeweils aus dem 17. und 18. Jahrhundert.Die Urkunden befinden sich als Depositum im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam, sind als Fotokopie aber in Pritzwalk einsehbar.
Literatur
725 Jahre Pritzwalk. Chronik der Stadt Pritzwalk, Pritzwalk 1981
Lieselott Enders, Die Prignitz. Geschichte einer kurmärkischen Landschaft vom 12. bis zum 18. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, hg.v. Klaus Neitmann), Potsdam 2000
Lieselott Enders, Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil 1 Prignitz, Weimar 1997
Johannes Schultze, Die Prignitz. Aus der Geschichte einer märkischen Landschaft, Köln/Graz 1956
Prignitz – Forschungen Nr. 1 - 2, hg.v. Heimatmuseum Pritzwalk, Pritzwalk 1966 und 1971
Pritzwalker Heimatblätter, Heft 1- 10, Pritzwalk 1987 - 2003
Pritzwalk und Prignitz. Beiträge zur Heimatkunde, hg.v. Heimatmuseum des Kreises Pritzwalk, Pritzwalk 1961
Rolf Rehberg / Wolfgang Simon, Geschichte Pritzwalks (in Vorbereitung für 2006)
