Hansischer Städteführer Osnabrück
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I. Die Stadt
Osnabrück entstand um 780 n. Chr. als fränkische Missionszelle. Sie wurde vermutlich bereits kurz nach der Gründung zum Bistum erhoben. Um den Dom entwickelte sich mit der Verleihung des Münz-, Markt- und Zollrechts bereits 889 eine lebendige Marktsiedlung. Im 12. und 13. Jahrhundert entstand daraus eine Stadt (1147 erste urkundliche Erwähnung), die wenig später durch Kaiser Friedrich Barbarossa einen eigenen Gerichtsbezirk erhielt. Seit dem Zusammenschluss von Alt- und Neustadt sollte sie sich zu einer der wichtigsten Hansestädte im Westfälischen Quartier entwickeln. Insbesondere aufgrund des Tuchhandels gelangten die Osnabrücker zu Wohlstand. Mit der städtischen Legge bestand eine besondere Prüfstelle für Tuch. Das Leggesiegel mit dem Osnabrücker Rad wurde zu einem Qualitätssiegel für das Leinen, das als „Osnaburgh“ weltbekannt wurde. Dies ermöglichte es der Bürgerschaft, sich vom Bischof als Landesherrn weitgehend zu emanzipieren. Die Stadt erlangte jedoch nie die Reichsfreiheit.
Als Hansestadt agierte Osnabrück zwischen der Siedlungs- und Fernhandelstätigkeit des 12. und 13. Jahrhunderts und dem letzten Hansetag im Jahre 1669. Mehrere Voraussetzungen begünstigten Osnabrücks Weg in die Hanse. Aufgrund ihrer Stellung als Bischofs- und Stiftshauptstadt besaß die Stadt eine wichtige regional ausgerichtete Wirtschafts- und Handelsfunktion. Sie war ferner durch unterschiedliche Städtebünde und Friedenseinigungen mit zahlreichen Städten verbunden.
Der Ladberger Vertrag von 1246, zum Schutz ihres Handels von den Städten Osnabrück, Münster, Minden und Herford geschlossen, wurde eine der Grundlagen für den Westfälischen Städtebund. Für die Sicherheit der Handelswege musste gesorgt, der Fernhandel geschützt werden. Hierzu war ein Zusammenwirken von Städten und Fürsten notwendig. Die zahlreichen Städte- und Landfriedensbündnisse garantierten zwar keine absolute Sicherheit, waren aber entscheidende Voraussetzungen für organisiertes Handeln.
Die politischen und wirtschaftlichen Aktivitäten der Hanse und der Hansestädte wirkten gleichfalls in diese Richtung. Gemeinsam mit Soest, Dortmund und Münster zählte Osnabrück zu den„westfälischen Vierstädten“. Schließlich bildeten sie aufgrund ihrer verkehrsgünstigen Lage im hansischen Verbund einen wichtigen Handels- und Umschlagsplatz.
Als nördlichste der westfälischen Vierstädte in der Mitte zwischen den großen Handelsmetropolen Köln und Hamburg gelegen, verband die Stadt in Nord-Süd-Richtung die Rheinischen Straße mit der Weser- und Elbmündung und weiter mit dem Ostseehafen Lübeck. In west-östlicher Richtung konnten über die unterschiedlichen hansischen Handelsstraßen aus dem brandenburgisch-sächsischen und niedersächsischen Raum Güter in die Ijsselstädte Deventer und Zuthpen, Kampen und Zwolle transportiert werden und umgekehrt.
Osnabrück war bereits seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in
den hansischen Strukturen integriert. An den allgemeinen Versammlungen,
die seit etwa 1500 Hansetage genannt werden, nahm die Stadt, wie viele
andere westfälische Städte auch, erst mit Beginn des 14. Jahrhunderts
teil.
Im 14. und 15. Jahrhundert lassen sich in vielen Hansestädten
politische Beteiligungskämpfe nachweisen. Aufsteigende
Bevölkerungsschichten versuchten die Macht der alten Führungsschicht
zurückzudrängen und forderten politische Beteiligungsrechte. Hansische
Verordnungen verboten den Ratsumsturz, setzten sich für die
traditionellen Eliten ein.
Angesichts der Unruhen im Rampendahl-Aufstand von 1430 waren die
hansischen Beschlüsse von 1418, die jeden innerstädtischen Auflauf
untersagten, von besonderem Interesse. Tatsächlich wurden die Aufrührer
hingerichtet; ein Zeichen dafür, dass Osnabrück eine den anderen
Hansestädten vergleichbare innere Politik betrieb. Unter Beibehaltung
einer exklusiven Führungsschicht wurden kritische Kräfte zurückgedrängt
und die Autonomie der Stadt gegenüber dem Landesherrn und der Kirche
gefördert.
Außenpolitisch hielt sich die Stadt dagegen eher zurück. Im 15. Jahrhundert versuchte die Stadt wiederholt, sich den politischen und militärischen Interessen des Hauptes Lübeck und des Hansetages zu entziehen. So beteiligte sich die Stadt, traditionell gute Handelsbeziehungen zu den nahen Niederlanden pflegend, nicht am hansisch-holländischen Krieg (1438-1441). Osnabrück entzog sich auch dem Hansekrieg mit England, der 1474 durch den Frieden von Utrecht beendet wurde.
Seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert beschränkte die wachsende Macht der Landesherren zunehmend den Einfluss vieler Städte. In Osnabrück versuchte Bürgermeister Ertman dieser Konfrontation durch ein freundschaftliches Zusammengehen mit dem Bischof zu entgehen, so dass die Stadt in Gegensatz zu anderen Hansestädten mit seinem Landesherrn noch in „gutem Frieden“ stand. In Ertmanns Amtszeit (1477-1503) fällt der Bau des repräsentativen Neuen Rathauses (1487-1512), das Ausdruck des städtischen Selbstbewusstseins und der erfolgreichen Politik dieser Zeit ist. Dennoch konnte auch in Osnabrück langfristig nicht verhindert werden, dass mit dem Monopol der Legge – spätestens nach dem Dreißigjährigen Krieg – eines der wichtigsten handelspolitischen Instrumente der Stadt faktisch außer Kraft gesetzt wurde. Die durch die Landesverfassung gesicherte Zentralität des Handels auf die Stadt wurde zunehmend aufgehoben, Landstädte immer intensiver gefördert. Im 18. Jahrhundert erhielten sechs weitere Städte des Stifts das Recht, eine Legge anzulegen.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt unter Bischof Franz Wilhelm
von Wartenbergs (1593-1661) 1627/28 militärisch unterworfen und
rekatholisiert. Der protestantische Stadtrat ersuchte den Hansetag in
Lübeck daraufhin um Schutz gegen den katholischen Bischof. Nach die
Belagerung und Einnahme der Stadt durch die Schweden 1633 musste
Wartenberg schließlich fliehen. Ein Jahrzehnt später stand Osnabrück
gemeinsam mit Münster für einige Jahre im Mittelpunkt der europäischen
Politik. An den beiden neutralisierten Orten wurden von 1644 bis 1648
die Friedensverhandlungen zum Westfälischen Frieden geführt. In Münster
verhandelte das katholische Lager, in Osnabrück die protestantische
Seite.
Osnabrück nahm auch in der letzten Phase der hansischen Geschichte
aktiv an der Politik der Hanse teil. Die Stadt beteiligte sich
finanziell an den hansischen Projekten, beschwerte sich aber, wie die
anderen Städte auch, über die zunehmenden Forderungen aus Lübeck und
Köln. Im 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts organisierte die Stadt
zusammen mit Münster, Dortmund und Soest die westfälische Hansepolitik.
Unter Federführung Münsters wurden gemeinsame Politikgrundsätze
formuliert und die hansischen Versammlungen vorbereitet. Der zweite
Syndikus der Hanse war der Osnabrücker Johann Domann (1591-1618)
gewesen. Noch beim letzten Hansetag 1669 mit um die Reorganisation der
Hanse bemüht, erlebte die Stadt die Auflösung der Hanse.
Bilanzierend lässt sich festhalten, dass der für die Hanse typische
Fernhandel, insbesondere der transkontinentale Großhandel, zwar für die
Stadt an der Hase nicht die primäre Rolle gespielt hat. Dennoch
profitierten Osnabrücker Kaufleute auch im Fernhandel von den
Privilegien des Bündnisses. Wichtig für die Stadt war, eine Balance
zwischen regionaler Politik und hansischen Interessen zu finden. Unter
Wahrung der eigenen Handelsinteressen bemühte sich die Stadt um eine
relative Unabhängigkeit und bot sich dabei zugleich als Vermittler in
innerhansischen Auseinandersetzungen an.
Osnabrück ist Mitglied des 1980 neu gegründeten Hansebundes. 2006 richtete die Stadt anlässlich des 650-jährigen Bestehens der Städtehanse den 26. Internationalen Hansetag aus.
II. Die Überlieferung
Das Archiv
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49074 Osnabrück
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Fax.: 0541 / 33162-62
Internet: www.staatsarchive.niedersachsen.de
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Öffnungszeiten: Mo, Mi, Fr 8-16 Uhr; Di, Do 8-18.30 Uhr
Wichtige Bestände zum Thema „Osnabrück und die Hanse in Spätmittelalter und Früher Neuzeit“ im NLA Staatsarchiv Osnabrück
Die archivische Überlieferung zur Hanse ist vor allem im Bestand Stadtarchiv Osnabrück (Dep 3) erhalten. Dabei handelt es sich um Osnabrücker Korrespondenz mit Städten des westfälischen Viertels und anderen Hansestädten, Ausschreibungen und Vorbereitungen von Hansetagen, Geleitbriefe und Urkunden über Städtebündnisse vom 13. bis in das 16. Jahrhundert. Aus der Zeit von 1531 bis 1669 liegen zwei Aktenkonvolute über die Teilnahme Osnabrücks am Hansebund vor. Weiter zu berücksichtigen sind Ratsprotokolle und städtischen Rechnungsbücher sowie die Akten der Gilden und Innungen, die über Handelsaktivitäten, Handelsbeziehungen, Privilegien und Warenaustausch Osnabrücks mit anderen Städten Auskunft geben können. Daneben finden sich auch im Nachlass von Carl Bertram Stüve Zusammenstellungen und Quellenauszüge zur Hanse.
Urkunden
Dep 3 a, 13.-16. Jahrhundert
Akten und Amtsbücher
Dep 3 b, Akten 16. und 17. Jahrhundert
Erw A 16, Nr. 81 und Nr. 490.
Literatur
Ludwig Hoffmeyer: Chronik der Stadt Osnabrück, 6. Aufl., Osnabrück 1995
Karl Georg Kaster (Bearb.): Osnabrück – 1200 Jahre Fortschritt und Bewahrung. Profile bürgerlicher Identität, Nürnberg 1980
Historischer Verein zu Osnabrück (Bearb. und Hrsg.): Osnabrücker Urkundenbuch, 7 Bde., Osnabrück 1892-1996
Wilfried Ehbrecht: Köln – Osnabrück – Stralsund. Rat und Bürgerschaft hansischer Städte zwischen religiöser Erneuerung und Bauernkrieg, in: Franz Petri (Hrsg.): Kirche und gesellschafter Wandel in deutschen und niederländischen Städten der werdenden Neuzeit (Städteforschung: Reihe A. Darst.; 10), Köln-Wien 1980, S. 23-63
Bernd-Ulrich Hergemöller: Osnabrück im mittelalterlichen Hanseverband, in: Friedrich Bernward Fahlbusch, Friedrich-Wilhelm Hemann, Bernd-Ulrich Hergemöller: Beiträge zur westfälischen Hansegeschichte, Warendorf 1988
Johannes Ludwig Schipmann: Politische Kommunikation in der Hanse (1550-1621). Hansetage und westfälische Städte (Quellen und Darstellungen zur hansischen Geschichte; N.F., 55): Köln-Weimar-Wien 2004
Johannes Ludwig Schipmann: Osnabrück und die Hanse im 16. und 17. Jahrhundert, in: Osnabrücker Mitteilungen 109, 2004, S. 87-106.
Gisela Wagner: Osnabrück als Stadt der Hanse, Osnabrück [1980]
Präsentation
Lotter Str. 2
D-49078 Osnabrück
tel +49-(0)541/323-2207
fax +49-(0)541/323-2739
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www.osnabrueck.de/museum
Das Kulturgeschichtliche Museum Osnabrück zeichnet in seiner stadtgeschichtlichen Dauerausstellung zur Entwicklung von Stadt und Region Osnabrück die Bedeutung der Stadt als Handels- und Verkehrszentrum nach. Bedeutende Exponate zur Aktivität der Kaufleute, Gilden und Ämter sowie der wichtigen städtischen Legge machen den Besuch des Museums zu einem besonderen Erlebnis.
