Hansischer Städteführer Lüneburg

Lüneburg Städteführer Wappen

Adresse
Stadt Lüneburg

Rathaus/Am Markt
21335 Lüneburg
Tel.: (0049)(0)4131/309-0
Internet: www.lueneburg.de
E-Mail: Stadt@lueneburg.de; touristik@lueneburg.de


I. Die Stadt

Spätestens im 9. Jahrhundert entstand zwischen Kalkberg und Ilmenau, einem Nebenfluss der Elbe, eine Siedlung, die 956 mit Saline, Kloster und Burg erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Lage an einem Flussübergang im Schutz der Burg und mit einer bedeutenden Produktionsstätte bestimmte die weitere Entwicklung des Ortes. Ende des 12. Jahrhunderts wurde das Dorf Modestorp mit der Archidiakonatskirche St. Johannes eingegliedert; 1247 ist die Stadtwerdung mit der Verleihung eigenen Stadtrechts durch den Herzog von Braunschweig-Lüneburg formal abgeschlossen.

Seit dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts strebte Lüneburg nach wirtschaftlicher und politischer Unabhängigkeit von seinem Stadtherrn. Beides ermöglichten die Gewinne aus der Salzherstellung, auf die sich der Rat steigenden Einfluss zu verschaffen wusste. Bereits 1229 erhielten die Sülzbegüterten das Recht, alljährlich den Sodmeister als leitenden Beamten der Saline zu wählen. Es handelte sich in der Regel um den Angehörigen eines Ratsgeschlechts. 1227 und 1239 erlangte Lüneburg für seine Bürger Zollprivilegien in Braunschweig und Hamburg 1269 erwarben die Sülzbegüterten die Pfannenschmiede der Saline und 1273 die Neue Saline, verbunden mit dem Verbot, neue Salzwerke im Fürstentum Lüneburg anzulegen. 1293 verkaufte der Landesherr den Ständen im Fürstentum das Münzrecht, wobei die Stadt Lüneburg den größten Teil der Kaufsumme bezahlte.
Die Salzproduktion brachte Lüneburg in Verbindung mit Lübeck, dem Haupt der Hanse und bald wichtigstem Ausfuhrhafen für Lüneburger Salz. Die Stadt gehörte dem Sächsischen Städtebund von 1246/66 und wenig später auch dem Wendischen an. Die Vermittlung zwischen beiden Quartieren war eine bedeutende Funktion Lüneburgs in der Hanse. Die Mitfinanzierung eines Feldzuges gegen Dänemark und die Teilnahme an einem Hansetag in Lübeck 1363 kennzeichnen die Stadt als Vollmitglied der „Städtehanse“.
Das Handelsmonopol für das lange Zeit rare Salz ließ Lüneburg bis um 1600 nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell erblühen. Trotz des Wegfalls der Residenz nach 1371 blieb seine Zentralfunktion erhalten. Erst mit der frühabsolutistischen Herrschaftspraxis und dem Merkantilismus setzte der langsame Niedergang Lüneburgs ein. Der Hanse verbunden blieb die Stadt bis ins 17. Jahrhundert, nachdem sie zwischen 1363 und 1530 zu etwa 350 hansischen Tagfahrten, meist Quartiers- oder Drittelstagen, Vertreter geschickt und solche zu 23 Hansetagen in ihren Mauern empfangen hatte. 1615 beteiligte sich Lüneburg zum letzten Mal an einem hansischen Unternehmen und schickte mit Lübeck, Hamburg, Bremen und Magdeburg Truppen zur Befreiung Braunschweigs von landesherrlicher Belagerung.

Von den Beschwernissen und Verheerungen der Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts konnte sich Lüneburg erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erholen, als es nach dem Bau der Eisenbahn von Hannover nach Harburg Anschluss an moderne Verkehrsinfrastrukturen fand. Das alte Salzwerk entwickelte sich zu einem Betrieb der chemischen Industrie, während die Solebadeanstalt als sein Ableger eine regionale Gesundheitseinrichtung von nicht unerheblicher Bedeutung wurde.
Durch die Ansiedlung weiterer Fabriken wuchs nicht nur das industrielle Potential, sondern die Stadt strebte seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts über ihre mittelalterlichen Begrenzungen hinaus. Die Hannoversche Landdrostei und später die Preußische Bezirksregierung verstärkten die Zentralität der Stadt. Dazu kam eine Reihe von Gerichten und zusätzlichen Bildungseinrichtungen wie die Lehrerbildungsanstalt, aus der sich nach dem 2. Weltkrieg die Pädagogische Hochschule und schließlich die Universität Lüneburg entwickelte.

Die beiden Weltkriege haben Lüneburg unzerstört gelassen, doch litt die Stadt lange unter dem Fehlen von Arbeitsplätzen und Wohnungen sowie einem außerordentlichen Zustrom von Flüchtlingen. Gerade diese gründeten aber auch neue Betriebe und schufen dringend notwendige Arbeitsmöglichkeiten. Zwar waren die Britischen Besatzungstruppen, die die deutschen militärischen Anlagen weiternutzten, durchaus ein Wirtschaftsfaktor, doch behinderten sie gleichzeitig den Ausbau des zivilen Wirtschaftsstandortes Lüneburg. Erst in den sechziger Jahren ging es damit aufwärts, was sich auch in der Stadtentwicklung bemerkbar machte. Rund um die Altstadt entstanden neue Wohngebiete, und seit den 70er Jahren erlangte auch der Schutz der historischen Bausubstanz erhöhte Bedeutung.
Die Ausweisung von Sanierungsgebieten half, den Charakter der Altstadt als Wohnquartier zu bewahren. Nicht nur einzelne Bauwerke, sondern ganze Ensembles wurden als denkmalwürdig eingestuft, wobei das bedeutendste sicher das zwischen dem Ende des 13. und Anfang des 18. Jahrhunderts erbaute Rathaus ist. Inzwischen ist die Stadt bestrebt, zusammen mit den umliegenden Landschaftsschutzgebieten in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen zu werden.

Mit dem Bau des Elbeseitenkanals und der Autobahn A 250 wurden im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts zwei zukunftsträchtige Infrastrukturmaßnahmen abgeschlossen. Von noch höherer Bedeutung erwies sich die Konversion aufgegebener Kasernenanlagen zu Wohnbereichen bzw. zu einer Campusuniversität. Die Universität Lüneburg, umgewandelt zu einer Stiftung, fusionierte im Jahr 2005 mit der Fachhochschule Nordostniedersachsen und hat nun eine doppelte Vorbildfunktion.

Die Bevölkerungszahl Lüneburgs bewegte sich in der Hansezeit zwischen 10.000 und 12.000 Einwohnern und stieg bis zum Beginn des 30jährigen Krieges auf rund 14.000. Die Kriege des 17. und insbesondere des 18. Jahrhunderts ließen die Zahl auf etwa 9.500 schrumpfen. Erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts trat eine spürbare Wende ein, und die Bevölkerungszahl der Hansezeit wurde wieder erreicht. Bis zum 2. Weltkrieg stieg sie langsam auf 39.000 Einwohner, betrug danach kurzzeitig etwa 65.000 und liegt heute bei rund 70.000. Eingemeindungen bescheidenen Umfangs erfolgten 1943 und im Zuge der Gebietsreform von 1974. Lüneburg ist seit 1994 Oberzentrum und gehört zur Metropolregion Hamburg.

II. Die Überlieferung

Das Archiv

Stadtarchiv Lüneburg, Rathaus, Eingang E, 21335 Lüneburg
Tel.: 04131/309223-309226; Fax: 04131/309586
E-Mail: stadtarchiv@stadt.lueneburg.de
Öffnungszeiten: montags bis donnerstags 9.00-16.00 Uhr, freitags 9.00-12.00 Uhr

Die Bestände sind durch maschinenschriftliche und elektronische Findmittel sowie Karteien erschlossen. Eine vervielfältigte Beständeübersicht liegt vor. Im Internet ist das Stadtarchiv unter www.lueneburg.de zu finden. Die Dienstbibliothek umfasst etwa 10.000 Bände.

Der Umfang des Bestandes an Urkunden, Amtsbüchern, Akten, Karten und Plänen, Fotos, Zeitungen und sonstigen Informationsträgern liegt bei rund 4.000 laufenden Metern. Das Schwergewicht der Überlieferung ist im Zeitraum vom 15. bis zum 18. Jahrhundert zu finden; diese setzt aber bereits im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts ein und reicht bis in die Gegenwart. Etliche bedeutende Deposita wie z.B. adlige Gutsarchive oder die IHK Lüneburg-Wolfsburg ergänzen die städtische Überlieferung. Material zur Hansegeschichte findet sich im Urkundenbestand, in den Amtsbüchern und den Akten. Das Stadtarchiv ist weder durch Kriege noch durch Brände oder Hochwasser geschädigt worden, sondern hat lediglich den im Laufe der Jahrhunderte üblichen „Schwund“ zu verzeichnen.

Wichtige Bestände für die Hansezeit und die frühe Neuzeit

I. Urkunden

Mehrere Tausend aus dem Zeitraum 1229-1669. Besonders wichtig sind die Privilegien

II. Amtsbücher
Stadtbücher: 75 Bände 1290-1685, Donatus burgensium antiquus 1290-1399, Kopiare 1346-1682, Stadtrechtskompilation 1400-1613
Ratsprotokolle ab 1643
Kämmereiregister ab 1428 (Bruchstücke ab 1321)

III. Akten
Alte Akten: Hanseatica 1412-1688

Literatur und Präsentation

Urkundenbuch der Stadt Lüneburg, bearb. v. Wilhelm Friedrich Volger, 3 Bde., Hannover 1872 – Lüneburg 1877 (= Urkundenbuch des historischen Vereins für Niedersachsen, Heft VIII)

Lüneburgs Ältestes Stadtbuch und Verfestungsregister, hg. v. Wilhelm Reinecke, Hannover/Leipzig 1903 (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens, Bd. VIII)

Wilhelm Reinecke, Lüneburg als Hansestadt, 2. Aufl., Lüneburg 1946

Helga Böse, Lüneburgs politische Stellung im wendischen Quartier der Hanse in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, Lüneburg 1971

Burchard Scheper, Frühe bürgerliche Institutionen norddeutscher Hansestädte. Beiträge zu einer vergleichenden Verfassungsgeschichte Lübecks, Bremens Lüneburgs und Hamburgs, Köln/Wien 1975

Uta Reinhardt, Lüneburg, in: Handbuch der Niedersächsischen Hansestädte, bearb. V. Jürgen Bohmbach, Stade 1983 (= Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Stade 2)

Uta Reinhardt, Lüneburg und Schweden in der Hansezeit, in: Die Bedeutung Norddeutschlands für die Großmacht Schweden im 17. jahrhundert, Stade 1986 (= Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Stade 3)

Uta Reinhardt, Die Wirtschaftskrise des 16. Jahrhunderts und die Aufrechterhaltung der Autonomie Lüneburgs bis zum 30jährigen Krieg, in: Fernhandel und Stadtentwicklung im Nord- und Ostseeraum in der hansischen Spätzeit (1550-1630), Stade 1995 (= Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Stade 18)

Recht und Alltag im Hanseraum. Festschrift für Gerhard Theuerkauf, hg. v. Silke Urbanski, Christian Lamschus, Jürgen Ellermeyer, Lüneburg 1995 (= De Sulte Nr. 4)

Lüneburger Testamente des Mittelalters 1323-1500, bearb. v. Uta Reinhardt, Hannover 1996 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen XXXVII, Quellen und Untersuchungen zur Geschichte Niedersachsens im Mittelalter 22)

Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos
, Bd. 1, 2. verb. Aufl., hg. v. Jörgen Bracker, Volker Henn, Rainer Postel, Lübeck 1998

In der Karte

Zahlen und Fakten

Gründung

956

Wahrzeichen

Alter Kran, Rathaus, Luna-Brunnen, St. Johannis, historische Altstadt

Geographische Lage

10°24‘17 östliche Länge und 53°15‘ 9 nördliche Breite

Nächstgelegene, größere

Hamburg (50 km)

Einwohner

70.000

Studenten

10.000

Verkehrsverbindungen

Autobahn A250, Bahn, Flugplatz, Elbe-Seitenkanal, Hafen

Typisches

Salz, Giebel, Heide, Heidschnucken, Lüneburger Pilsener

Internationale Events

Bachtage, Schleswig-Holstein Musikfestival, Niedersächsische Musiktage

Partnerstädte

Clamart, Scunthorpe, Viborg, Naruto, Kulmbach, Köthen, Tartu, Ivrea

Intern. Mitgliedschaften

Die HANSE

Projekte der Hanse

Hanse-Wirtschaftskooperationsdatenbank