Hansischer Städteführer Lüneburg
Adresse
Stadt Lüneburg
Rathaus/Am Markt
21335 Lüneburg
Tel.: (0049)(0)4131/309-0
Internet: www.lueneburg.de
E-Mail: Stadt@lueneburg.de; touristik@lueneburg.de
I. Die Stadt
Spätestens im 9. Jahrhundert entstand zwischen Kalkberg und Ilmenau, einem Nebenfluss der Elbe, eine Siedlung, die 956 mit Saline, Kloster und Burg erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Lage an einem Flussübergang im Schutz der Burg und mit einer bedeutenden Produktionsstätte bestimmte die weitere Entwicklung des Ortes. Ende des 12. Jahrhunderts wurde das Dorf Modestorp mit der Archidiakonatskirche St. Johannes eingegliedert; 1247 ist die Stadtwerdung mit der Verleihung eigenen Stadtrechts durch den Herzog von Braunschweig-Lüneburg formal abgeschlossen.
Von den Beschwernissen und Verheerungen der Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts konnte sich Lüneburg erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erholen, als es nach dem Bau der Eisenbahn von Hannover nach Harburg Anschluss an moderne Verkehrsinfrastrukturen fand. Das alte Salzwerk entwickelte sich zu einem Betrieb der chemischen Industrie, während die Solebadeanstalt als sein Ableger eine regionale Gesundheitseinrichtung von nicht unerheblicher Bedeutung wurde.
Die beiden Weltkriege haben Lüneburg unzerstört gelassen, doch litt die Stadt lange unter dem Fehlen von Arbeitsplätzen und Wohnungen sowie einem außerordentlichen Zustrom von Flüchtlingen. Gerade diese gründeten aber auch neue Betriebe und schufen dringend notwendige Arbeitsmöglichkeiten. Zwar waren die Britischen Besatzungstruppen, die die deutschen militärischen Anlagen weiternutzten, durchaus ein Wirtschaftsfaktor, doch behinderten sie gleichzeitig den Ausbau des zivilen Wirtschaftsstandortes Lüneburg. Erst in den sechziger Jahren ging es damit aufwärts, was sich auch in der Stadtentwicklung bemerkbar machte. Rund um die Altstadt entstanden neue Wohngebiete, und seit den 70er Jahren erlangte auch der Schutz der historischen Bausubstanz erhöhte Bedeutung.
Mit dem Bau des Elbeseitenkanals und der Autobahn A 250 wurden im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts zwei zukunftsträchtige Infrastrukturmaßnahmen abgeschlossen. Von noch höherer Bedeutung erwies sich die Konversion aufgegebener Kasernenanlagen zu Wohnbereichen bzw. zu einer Campusuniversität. Die Universität Lüneburg, umgewandelt zu einer Stiftung, fusionierte im Jahr 2005 mit der Fachhochschule Nordostniedersachsen und hat nun eine doppelte Vorbildfunktion.
Die Bevölkerungszahl Lüneburgs bewegte sich in der Hansezeit zwischen 10.000 und 12.000 Einwohnern und stieg bis zum Beginn des 30jährigen Krieges auf rund 14.000. Die Kriege des 17. und insbesondere des 18. Jahrhunderts ließen die Zahl auf etwa 9.500 schrumpfen. Erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts trat eine spürbare Wende ein, und die Bevölkerungszahl der Hansezeit wurde wieder erreicht. Bis zum 2. Weltkrieg stieg sie langsam auf 39.000 Einwohner, betrug danach kurzzeitig etwa 65.000 und liegt heute bei rund 70.000. Eingemeindungen bescheidenen Umfangs erfolgten 1943 und im Zuge der Gebietsreform von 1974. Lüneburg ist seit 1994 Oberzentrum und gehört zur Metropolregion Hamburg.
II. Die Überlieferung
Das Archiv
Stadtarchiv Lüneburg, Rathaus, Eingang E, 21335 Lüneburg
Tel.: 04131/309223-309226; Fax: 04131/309586
E-Mail: stadtarchiv@stadt.lueneburg.de
Öffnungszeiten: montags bis donnerstags 9.00-16.00 Uhr,
freitags 9.00-12.00 Uhr
Die Bestände sind durch maschinenschriftliche und elektronische Findmittel sowie Karteien erschlossen. Eine vervielfältigte Beständeübersicht liegt vor. Im Internet ist das Stadtarchiv unter www.lueneburg.de zu finden. Die Dienstbibliothek umfasst etwa 10.000 Bände.
Der Umfang des Bestandes an Urkunden, Amtsbüchern, Akten, Karten und Plänen, Fotos, Zeitungen und sonstigen Informationsträgern liegt bei rund 4.000 laufenden Metern. Das Schwergewicht der Überlieferung ist im Zeitraum vom 15. bis zum 18. Jahrhundert zu finden; diese setzt aber bereits im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts ein und reicht bis in die Gegenwart. Etliche bedeutende Deposita wie z.B. adlige Gutsarchive oder die IHK Lüneburg-Wolfsburg ergänzen die städtische Überlieferung. Material zur Hansegeschichte findet sich im Urkundenbestand, in den Amtsbüchern und den Akten. Das Stadtarchiv ist weder durch Kriege noch durch Brände oder Hochwasser geschädigt worden, sondern hat lediglich den im Laufe der Jahrhunderte üblichen „Schwund“ zu verzeichnen.
Wichtige Bestände für die Hansezeit und die frühe Neuzeit
I. Urkunden
Mehrere Tausend aus dem Zeitraum 1229-1669. Besonders wichtig sind die Privilegien
Stadtbücher: 75 Bände 1290-1685, Donatus burgensium antiquus 1290-1399, Kopiare 1346-1682, Stadtrechtskompilation 1400-1613
Ratsprotokolle ab 1643
Kämmereiregister ab 1428 (Bruchstücke ab 1321)
III. Akten
Alte Akten: Hanseatica 1412-1688
Literatur und Präsentation
Lüneburgs Ältestes Stadtbuch und Verfestungsregister, hg. v. Wilhelm Reinecke, Hannover/Leipzig 1903 (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens, Bd. VIII)
Wilhelm Reinecke, Lüneburg als Hansestadt, 2. Aufl., Lüneburg 1946
Helga Böse, Lüneburgs politische Stellung im wendischen Quartier der Hanse in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, Lüneburg 1971
Burchard Scheper, Frühe bürgerliche Institutionen norddeutscher Hansestädte. Beiträge zu einer vergleichenden Verfassungsgeschichte Lübecks, Bremens Lüneburgs und Hamburgs, Köln/Wien 1975
Uta Reinhardt, Lüneburg, in: Handbuch der Niedersächsischen Hansestädte, bearb. V. Jürgen Bohmbach, Stade 1983 (= Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Stade 2)
Uta Reinhardt, Lüneburg und Schweden in der Hansezeit, in: Die Bedeutung Norddeutschlands für die Großmacht Schweden im 17. jahrhundert, Stade 1986 (= Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Stade 3)
Uta Reinhardt, Die Wirtschaftskrise des 16. Jahrhunderts und die Aufrechterhaltung der Autonomie Lüneburgs bis zum 30jährigen Krieg, in: Fernhandel und Stadtentwicklung im Nord- und Ostseeraum in der hansischen Spätzeit (1550-1630), Stade 1995 (= Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Stade 18)
Recht und Alltag im Hanseraum. Festschrift für Gerhard Theuerkauf, hg. v. Silke Urbanski, Christian Lamschus, Jürgen Ellermeyer, Lüneburg 1995 (= De Sulte Nr. 4)
Lüneburger Testamente des Mittelalters 1323-1500, bearb. v. Uta Reinhardt, Hannover 1996 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen XXXVII, Quellen und Untersuchungen zur Geschichte Niedersachsens im Mittelalter 22)
Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos, Bd. 1, 2. verb. Aufl., hg. v. Jörgen Bracker, Volker Henn, Rainer Postel, Lübeck 1998
