Hansischer Städteführer - Lippstadt

Lippstadt Städteführer Wappen

Adresse
Stadt Lippstadt
, Ostwall 1, 59555 Lippstadt
Tel.: 02941 / 980 - 0
Fax: 02941 / 78111
Internet: www.lippstadt.de
E-Mail: post@stadt-lippstadt.de; info@lippstadt-marketing.de


I. Die Stadt

Lippstadt ist die älteste "Gründungsstadt" Westfalens. Doch schon vor der eigentlichen Gründung durch Bernhard II. zur Lippe um 1185 bestand hier eine Kaufmannssiedlung um die Nicolaikirche. Deren ältester Teil, der Turm, stammt aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und hatte nachweislich einen um 1177 abgebrannten Vorgänger. Diese Siedlung und eine weitere um den Sitz der lippischen Edelherren wurden erst bei der ersten Erweiterung der schnell wachsenden Stadt im 13. Jahrhundert in die nun vier Stadtteile, "Hofen" genannt, eingegliedert.
Zu den frühesten kirchlichen Einrichtungen gehören auch das um 1185 gegründete Damenstift mit der Kirche (Klein) St. Marien, heute Stiftsruine, und die Marktkirche (Groß) St. Marien, geweiht um 1220 durch Bernhard II. Dieser war erstmals 1211 zu Missionszwecken ins Baltikum gezogen und wurde dort Abt des Klosters Dünamünde und Bischof von Selonien. In seinem Gefolge kamen westfälische Landsleute nach Livland. In den Ratsbüchern von Dorpat, Reval und Riga sind Personen "de Lippia" belegt. Damit gehört Bernhard II. zur Lippe zu den Wegbereitern der Hanse im Ostseeraum und speziell im Baltikum.

Um 1220 datiert auch das älteste Stadtrecht Lippstadts. Seitdem wurden Jahrmärkte abgehalten und etwa seit 1231 Münzen geprägt. 1253 gehörte Lippstadt gemeinsam mit Dortmund, Münster und Soest, ab 1264 auch Osnabrück, dem 'Werner Bund' zum Schutz des regionalen Handels an. Direkte Aktivitäten Lippstadts im Hansebund sind bis 1461 nicht nachzuweisen, als die Stadt erstmals auf einem regionalen Hansetag in Wesel durch ihren Bürgermeister vertreten war. Auf den allgemeinen Hansetagen übernahm die Nachbarstadt Soest die Interessenvertretung auch für Lippstadt.
Ein wichtiges Charakteristikum der Stadtgeschichte ist die aus der Verpfändung der Stadt durch die lippischen Stadtherren an den Grafen von der Mark hervorgegangene "Samtherrschaft". Von 1445 bis 1851 hatte Lippstadt zwei Stadtherren: die Lipper und die Märker, deren Herrschaft über das Herzogtum Jülich-Kleve-Berg im 17. Jahrhundert an Brandenburg-Preußen gelangte.

Lange Zeit bestimmten Militär und Garnison das Erscheinungsbild der nach 1666 zur Festung ausgebauten Stadt. Sie erlebte im 17. und 18. Jahrhundert verschiedenste Besatzungen, zuletzt im Siebenjährigen Krieg die Franzosen. Nach Kriegsende wurden die Festungswerke geschleift. Garnisonsstadt aber blieb Lippstadt mit kurzen Unterbrechungen auch weiterhin.

In der Zeit der französischen Herrschaft Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Nicolaikirche an die katholische Gemeinde übergeben. Sie hatte nach der bereits 1524 in Lippstadt eingeführten Reformation kein eigenes Gotteshaus gehabt.
Bis ins 19. Jahrhundert hatte die Einwohnerzahl etwa 3000 betragen, nicht mehr als in der Blütezeit im 13. Jahrhundert. Erst durch die Industrialisierung wuchs die Stadt über ihre mittelalterlichen Stadtgrenzen hinaus. Mehrere große Unternehmen siedelten sich hier an und sind bis heute tätig.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Lippstadt trotz mehrerer für die Rüstung tätiger Betriebe von Bombenangriffen weitgehend verschont. Die Einwohnerzahl stieg im Krieg durch mehrere tausend vorwiegend weibliche Zwangsarbeiter sowie durch Flüchtlinge aus ausgebombten Städten und - nach dem Krieg - aus den Ostgebieten bis auf fast 29.000 im Jahr 1947 an. Durch die Gebietsreform 1975 verlor Lippstadt den Kreissitz an Soest, wurde aber durch zahlreiche Eingemeindungen wesentlich vergrößert. Die Einwohnerzahl liegt heute bei 70.000.

Durch mehrere Stadtbrände, so etwa 1656, haben sich nur wenige Gebäude aus früherer Zeit erhalten. Bedeutend neben den Kirchen, zu denen auch die Jakobikirche aus dem 13. Jahrhundert zählt, sind vor allem der "Goldene Hahn" von 1532, das Metzgeramtshaus von 1660/61 und Bürgerhäuser wie das heute 'Stadtpalais' genannte von 1785-88. Das Rathaus wurde 1773/74 durch einen Neubau ersetzt und prägt in dieser Form heute noch das Zentrum Lippstadts.

II. Die Überlieferung

Das Archiv

Stadtarchiv Lippstadt, Soeststraße 8, 59555 Lippstadt
Tel.: 02941 / 980-262; Fax: 02941 / 720893
E-Mail: stadtarchiv@stadt-lippstadt.de
Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 8.30-12.30, Di 14.00-16.00, Do 14.00-17.30. Mi geschlossen

Die Bestände mit einem Gesamtumfang von ca. 1500 laufenden Metern umfassen den Zeitraum vom frühen 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Das "Alte Ratsarchiv" von den Anfängen bis 1822 enthält ca. 4500 Urkunden und einzelne Aktenstücke. Die Überlieferung nimmt erst mit dem 16. Jahrhundert merklich und dann seit dem 17. Jahrhundert deutlich zu. 40 Stücke datieren vor dem Jahr 1400, weitere 48 stammen aus dem 15. Jahrhundert. Als Archivalien mit direktem Bezug zur Hanse sind 48 Stücke vorwiegend aus dem 16. Jahrhundert anzusehen. Aus früherer Zeit finden sich städtische Privilegien der Landesherren, Urkunden über Städtebünde zur Sicherung des regionalen Handels, Rentenverkäufe, Grundstücks- und andere Privatgeschäfte. Unterlagen verschiedener hier "Ämter" genannter Zünfte setzen ab 1600, Dokumente der städtischen Armenversorgung im 15. Jahrhundert ein.

Wie in vielen anderen Städten wurde auch in Lippstadt die frühe archivalische Überlieferung durch Brände (etwa 1656), aber auch durch Lippe-Hochwasser stark dezimiert. So sind Unterlagen zur hansischen Geschichte Lippstadts an anderen Stellen zu finden, wie aus den Hanse-Rezessen zu ersehen ist. Außerdem sind Urkundenbücher baltischer Städte wie Riga, Reval und Dorpat heran zu ziehen, wo nach den Zügen Bernhards II. Lipper bzw. Lippstädter nachweisbar sind.

Weitere wichtige Bestände des Stadtarchivs sind Nachlässe und Schenkungen wie das Alte Bildarchiv Walter Nies, vor allem aus der NS-Zeit, Deposita wie die Tageszeitung "Der Patriot" ab 1848, das Archiv Rose (Bürgermeister und Amtleute, 17. - frühes 20. Jahrhundert) oder das Familienarchiv derer von Schorlemer. Zahlreiche Schützen-, Sport- und Musikvereine haben ihr Archivgut im Stadtarchiv deponiert.

Die Bestände bis 1945 sind überwiegend durch maschinenschriftliche Findbücher und Karteien erschlossen, lediglich die ältesten Bestände durch handschriftliche Findmittel. Letztere sind aber bereits komplett, die übrigen in wachsender Zahl per EDV recherchierbar. Eine Online-Recherchemöglichkeit ist geplant und in eingeschränkter Form bereits über www.archive.nrw.de gegeben. Eine kurze Darstellung des Archivs findet sich auch unter www.lippstadt.de, Stadtarchiv. Die Beständeübersicht von 1983 wird zur Zeit überarbeitet.

Zur Nutzung verfilmter Archivalien, vor allem der Lokalzeitung "Der Patriot", stehen Mikrofilmlesegeräte, ein analoger und ein digitaler Readerprinter zur Verfügung. Die Anfertigung von Schwarz-weiß-Fotografien und Fotokopien sowie digitaler Aufnahmen von Archivalien ist in vertretbarem Umfang möglich.

Literatur und Präsentation

Wilfried Ehbrecht (Hg.), Lippstadt. Beiträge zur Stadtgeschichte (Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Lippstadt 2) 2 Bände, Lippstadt 1985

Lippstadt . Die Geschichte einer lebendigen Stadt, Lippstadt, hg. von KWL Kultur und Werbung Lippstadt GmbH, Lippstadt o. J. [1990er Jahre]

Hartwig Walberg (Hg.), Quellen zur Zunftgeschichte Lippstadts in der Frühen Neuzeit (Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Lippstadt 8) Lippstadt 1993

Hartwig Walberg, Hansische Geschichte Lippstadts, in: Hansische Stadtgeschichten, hg. vom Westfälischen Hansebund 1985

Hartwig Walberg, Einführung in die Geschichte und Bestände des Stadtarchivs Lippstadt, Lippstadt 1983

Lippstädter Spuren, hg. vom Heimatbund Lippstadt, zu verschiedenen Themen wie: Leben und Leiden der jüdischen Minderheit in Lippstadt (6/1991), Die Garnison in Lippstadt (7/1991), 750 Jahre höhere Schule in Lippstadt. Von der Lateinschule zum Ostendorf-Gymnasium (12/1997) u. a.

Das Städtische Heimatmuseum Lippstadt, untergebracht in einem stattlichen Haus des 17. Jahrhunderts, zeigt neben einer Dauerausstellung mit Exponaten aus den verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte wechselnde Ausstellungen zu Themen aus der Lippstädter Vergangenheit.

Ulrich Becker, Städtisches Heimatmuseum Lippstadt. Bildführer, Lippstadt 2003

In der Karte

Zahlen und Fakten

Gründung

1185

Wahrzeichen

Große Marienkirche und historisches Rathaus

Geographische Lage

8° 20'56

Nächstgelegene, größere

Paderborn (40 km)

Einwohner

72.000

Studenten

--

Verkehrsverbindungen

Autobahnverbindungen A 2 und A 44, Bahnverbindungen über DB-Schnellstrecke Dortmund-Kassel, Luftverkehr über Regional-Flughafen Paderborn-Lippstadt

Typisches

Historischer Stadtkern, Autozulieferindustrie

Internationale Events

Lippstädter Herbstwoche

Partnerstädte

Uden/Niederlande

Intern. Mitgliedschaften

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