Hansischer Städteführer Braunschweig

Braunschweig Städteführer Wappen

Adresse
Stadtverwaltung Braunschweig
,
Platz der Deutschen Einheit 1, 38100 Braunschweig
Tel.: 0531/470-1
Internet: www.braunschweig.de
E-mail: stadt@braunschweig.de; touristinfo@braunschweig.de


I. Die Stadt

Die ersten Siedlungszellen der Stadt entstanden im 9. Jahrhundert nahe einer Furt an der Oker, wo sich zwei Handelswege von West nach Ost und von Nord nach Süd kreuzten. In der Folge entwickelte sich auch Dank dieser günstigen Verkehrsverhältnisse unter dem brunonischen Grafengeschlecht ein blühender Marktort mit Münzprägung. Die erste schriftliche Erwähnung Braunschweigs stammt allerdings erst aus der Weiheurkunde der St. Magnikirche im Jahre 1031. Unter dem Welfen Heinrich dem Löwen, der Braunschweig zu seiner Residenz auserkor und seinen Nachfolgern entwickelte sich die Stadt zu einer Pentapolis, einer Gruppenstadt mit fünf Weichbilden, die jeweils über eine eigene Selbstverwaltung verfügten: Altstadt, Altewiek, Neustadt, Hagen und Sack. Dank der gezielten Förderung von Handel und Gewerbe gelangte die Stadt zu wachsendem Reichtum.

Im Mittelalter war Braunschweig ein bedeutendes Zentrum des Fernhandels mit Handelsbeziehungen zu Dänemark, England, Flandern, Rußland, Schweden und Ungarn. Exportiert wurden vor allem Wolltuche, Metallwaren und Bier. Die Stadt trat der Hanse bei und rückte zum Vorort des sächsischen Quartiers auf. Sie gehörte dem Hansebund bis 1671 an, mit einer kurzen Unterbrechung von 1374 bis 1386. Einmal, im Jahre 1427, wurde ein Hansetag in Braunschweig abgehalten. Sie war in der Frühen Neuzeit die größte Stadt und damit die einzige Großstadt im niedersächsischen Raum.
Konflikte mit dem welfischen Landesherren hatten im 15. Jahrhundert zu dessen Übersiedlung nach Wolfenbüttel geführt und Braunschweig konnte sich bis 1671, dem Jahr der Unterwerfung unter die wieder erstarkten Herzöge, eines unabhängigen – selbst verwalteten – Status erfreuen, obwohl es rechtlich eine landesherrliche Stadt geblieben war. Nach der Eroberung wurde Braunschweig wieder Residenzstadt und blühte auch dank der Einrichtung zweier Messen im Jahre 1681 in wirtschaftlicher Hinsicht neu auf. Wirtschaftliche Förderung durch Neuansiedlung bedeutender Manufakturen sowie die Einrichtung kultureller und wissenschaftlicher Institute, wie das Collegium Carolinum, verschafften dem Braunschweig des 18. Jahrhunderts ein neues Schwergewicht. Die Stadt wurde zu einem der Zentren deutscher Aufklärung. Von 1807-1813 gehörte Braunschweig dem Königreich Westphalen an.

Das 19. Jahrhundert wurde mit der Niederlegung der Bastionen eingeleitet, die es seit ca. 1850 erlaubte, die Stadt im Industriealter beträchtlich auszuweiten. Die Bevölkerungszahl wuchs rasant von 16.000 (1671) auf 27.300 (1790) bis über 100.000 im Jahre 1891. Braunschweig hatte seine Schwerpunkte in der Konserven- und Verpackungsindustrie sowie im Maschinenanlagenbau.
Mit Ende des Ersten Weltkrieges kam auch das Ende Braunschweigs als Residenzstadt; stattdessen wurde sie Hauptstadt des Freistaats Braunschweig. In der NS-Zeit spielte sie eine wichtige Rolle in der Rüstungsindustrie, was dazu führte, dass die Stadt im Rüstungsdreieck Salzgitter-Wolfsburg-Braunschweig Ziel zahlreicher Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde. Am 14./15.10.1944 wurden 90 Prozent der historischen Innenstadt zerstört.

Bis Ende 1946 – bis zur Eingliederung des Landes Braunschweig in das neue Bundesland Niedersachsen – hatte Braunschweig die Vorteile einer Landeshauptstadt genossen. Zum Teil existieren diese noch in den Vorrechten der Niedersächsischen Landesverfassung weiter, die diese dem früheren Staate Braunschweig eingeräumt hat.

Nach Kriegsende wurde die Stadt wieder aufgebaut. Fünf so genannte Traditionsinseln blieben erhalten und erinnern an das alte Braunschweig vor dem Kriege. Die Stadt – am Rand der sowjetischen Besatzungszone gelegen – wurde Durchgangsstation für Hunderttausende von Flüchtlingen aus dem Osten; bis 1949 siedelten sich 42.000 Menschen hier an, ein Fünftel der damaligen Stadtbevölkerung.

Der traditionelle Industriestandort Braunschweig erlebte in der Nachkriegszeit nach Wirtschaftswunder und Aufschwung auch viele Einbrüche. Der Dienstleistungsbereich avancierte zum führenden Wirtschaftssektor.
Heute ist Braunschweig mit seinen 240.000 Einwohnern eine Stadt mit einem bedeutenden Kunst- und Kulturleben sowie Standort zahlreicher Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Die Bedeutung Braunschweigs als herausragender Wissenschaftsstandort begründen zahlreiche international renommierte Forschungseinrichtungen wie das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt oder das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Geprägt von der engen Zusammenarbeit von Forschung und Wirtschaft ist die Stadt ein dynamischer und zukunftsorientierter Wirtschaftsstandort in der wichtigsten Industrieregion des Landes. Als größte Stadt Südostniedersachsens ist Braunschweig ein beliebtes Einkaufszentrum mit einem attraktiven Einzelhandelsangebot. Mit ihren herrlichen Parks, der Oker und dem Naturschutzgebiet und Europa-Vogelreservat Riddagshausen bietet die Löwenstadt ihren Einwohnern und Besuchern attraktive Naherholungsmöglichkeiten sowie eine hohe Lebensqualität. Ihr facettenreiches Gesicht ist geprägt von vielfältiger, spannender Geschichte und pulsierendem Leben. Die Spuren der Geschichte führen zum Beispiel zum Burgplatz mit Dom, Löwenstandbild und Burg Dankwarderode. Diese Zeitzeugen künden noch heute von Braunschweigs welfischen Ursprüngen. An die Zeit ihrer größten Unabhängigkeit, Machtentfaltung und wirtschaftlichen Blüte zu Zeiten der Hanse erinnert vor allem das Ensemble am Altstadtmarkt mit gotischem Altstadtrathaus sowie dem Renaissance-Gewandhaus der mächtigen Tuchhändler. Mit dem derzeitigen Bau der Rekonstruktion des herzoglichen Residenz-Schlosses wird ein weiteres Stück Braunschweiger Geschichte lebendig.

II. Die Überlieferung

Das Archiv

Stadtarchiv Braunschweig, Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig
Tel. 05 31/4 70 47 11; Fax 05 31/4 70 47 25;
E-mail: stadtarchiv@brauschweig.de
Öffnungszeiten: Mo, Fr 10-13 Uhr; Di, Mi, Do 10-18 Uhr
Bereits mit Beginn des 15. Jahrhunderts lässt sich für die Stadt Braunschweig ein Archiv nachweisen. Es diente in erster Linie der Rechtssicherung durch die Aufbewahrung wichtiger Urkunden und Schriftstücke.

Aufgrund der bedeutenden Stellung Braunschweigs unter den im deutschen Sprachraum angesiedelten Städten des Mittelalters und der frühen Neuzeit sowie der geringen Schriftgutverluste, gehört das Stadtarchiv heute zu den beständereichsten Kommunalarchiven in Norddeutschland. Neben umfangreichen Schriftgutbeständen, welche die Tätigkeit von Rat und Verwaltung in allen Epochen der Stadtgeschichte widerspiegeln, ergänzen zahlreiche Sammlungen und Nachlässe bedeutender Persönlichkeiten (Carl Friedrich Gauß, Friedrich Gerstäcker, Wilhelm Raabe, Ricarda Huch) sowie Unterlagen von Vereinen und Firmen die stadtgeschichtliche Überlieferung.

Der Urkundenbestand umfasst annähernd 9.000 Stück, die Anzahl der städtischen Amtsbücher beläuft sich auf 1850 Bände und der Umfang der Akten misst über 4,5 Regalkilometer.

Das Stadtarchiv verfügt über einen umfangreichen Urkunden- und Aktenbestand für die Hansezeit sowie frühe Neuzeit und bietet somit für historisch interessierte Nutzer eine gute Quellenlage. Über die Handelsbeziehungen Braunschweigs zu den Städten der Hanse und die Bedeutung der Stadt innerhalb des Sächsischen Städtebundes geben vor allem die Urkunden der Gemeinen Stadt und die Aktenbestände bis 1671 Auskunft. Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt seit der zweiten Hälfte des 13. Jh. ist vorrangig in den Stadtbüchern und den zahlreichen Rechnungsreihen sowie den Aktenbeständen bis 1671 dokumentiert. Archivalien zu den einheimischen Gilden und Handwerken befinden sich in den Gildearchiven. Auch die in den Sammlungsbeständen überlieferten Chroniken und Handschriften geben über Braunschweigs Hansezeit und über dessen wirtschaftliche Entwicklung in diesem Zeitraum Auskunft.

Die Archivalien sind über Findbücher und Findkarteien zu erschließen, wobei ein großer Teil bereits auf EDV erfasst ist. Das Stadtarchiv verfügt über eine eigene Homepage (www.braunschweig.de) mit allen notwendigen Daten zum Bestand und zur Benutzung des Archivs. Des Weiteren enthält die Handbibliothek im Benutzerraum des Stadtarchivs die wichtigsten Standardwerke zur Geschichte der Stadt Braunschweig.
Wichtige Bestände für die Hansezeit und die frühe Neuzeit

I. Urkunden

Davon 4202 Urkunden für die Zeit von 1199-1671
  1. Gemeine Stadt und Weichbilde
  2. Gilden
  3. Kirchen und geistliche Institutionen
  4. zahlreiche Urkunden zu Braunschweiger Ratsfamilien

II. Amtsbücher

  1. Stadtbücher (694 Bände für den Zeitraum 1228-1696, u. a.)
    • Ratsprotokollbücher 1528-1668
    • Gedenkbücher 1304-1665
    • Finanzbücher 1379-1671
    • Degedingbücher 1268-1579
    • Handelbücher 1401-1685

  2. Rechnungsreihen (6665 Bände und Akten für den Zeitraum 1385-1679, u. a.)
    • Hauptrechnungen der Gemeinen Stadt 1400-1671
    • Kämmererbücher der Gemeinen Stadt 1513-1569
    • Rechnungen und Schoßregister der Weichbilde 1385-1671
III. Aktenbestände städtischer und nichtstädtischer Provenienz, 13.-17.Jh.
  1. Erster Aktenbestand (595 Akten) für die Zeit 1506-1671
    • Akten zur Hanse und zum sächsischen Städtebund

  2. Zweiter Aktenbestand (2384 Akten) für die Zeit 1292-1760
    • Akten zu Hansischen Angelegenheiten, Handel, Gewerbe unnd Verkehr

  3. Revidenda, mehrere unverzeichnete Akten, 14.-17. Jh.
    • Akten zu Handel und Gewerbe sowie zur Hanse

  4. Familienarchive von Braunschweiger Ratsfamilien, 14.-17. Jh.

  5. Braunschweiger Kirchen und kirchliche Institutionen, 13.-17.Jh.
IV. Sammlungen, 15.-20.Jh.
  1. Stadtgeschichtliche Sammlung
    • Chroniken und Handschriften des 16.-18.Jh. zur Hansegeschichte und Wirtschafts-/ Handelsgeschichte der Stadt
    • Ausarbeitungen zur Hansegeschichte, Quellenverzeichnisse und Regesten aus dem 19./20.Jh.

  2. Personengeschichtliche Sammlung
    • Archivalien und Aufzeichnungen zu Braunschweiger Kaufleuten, Handwerkern und Ratsherren, 16.-20.Jh.

  3. Sacksche Sammlung, ca.1400-ca. 1870

  4. Bodesche Sammlung, 16.-19.Jh.
V. Gildearchive
  1. 148 Bände und Akten für den Zeitraum 14.Jh.-1700
    • Gildebücher, Protokollbücher, Gesellenbücher und Ordnungen der Gewerke und Handwerke

Literatur und Präsentation

Die Ausstellung „Geschichte der Stadt Braunschweig im Altstadtrathaus“. Teil 3: I. Die Stadtwerdung 9. Jh.-1227 und II. Die Bürger- und Hansestadt 1227-1671, hrsg. vom Städtischen Museum Braunschweig, Braunschweig 1995.

Meckseper, Cord (Hrsg.), Stadt im Wandel. Kunst und Kultur des Bürgertums in Norddeutschland 1150-1650. Landesausstellung Niedersachsen 1985, 4 Bde., Stuttgart-Bad Cannstatt 1985

Puhle, Matthias, Die Politik der Stadt Braunschweig innerhalb des sächsischen Städtebundes und der Hanse im späten Mittelalter, Braunschweig 1985 (Braunschweiger Werkstücke 63)

Spies, Gerd (Hrsg.), Braunschweig. Das Bild der Stadt in 900 Jahren, 2 Bde., Braunschweig 1985

Spieß, Werner, Geschichte der Stadt Braunschweig im Nachmittelalter, 2 Bde., Braunschweig 1966

Urkundenbuch der Stadt Braunschweig, 7 Bde., 1873-2003
Ausstellungen
Die stadtgeschichtliche Ausstellung in der Dependance des Städtischen Museums im Altstadtrathaus (Altstadtmarkt 7) zeigt als eigene Abteilung „Die Hansestadt Braunschweig“. Dort wird die Zeit unter politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Aspekten vorgestellt. In der Dauerausstellung des Braunschweigischen Landesmuseums (Burgplatz 1) werden Mittelalter, Frühe Neuzeit und Neuzeit des Braunschweiger Landes ebenfalls präsentiert; die Abteilungen Mittelalter und Frühe Neuzeit sind vorübergehend geschlossen.

In der Karte

Zahlen und Fakten

Gründung

1031

Wahrzeichen

Der bronzene Löwe (1166)

Geographische Lage

nördliche Breite 52° 16° 38°, östliche Länge 10° 31° 28°

Nächstgelegene, größere

Hannover

Einwohner

240.000

Studenten

17.000

Verkehrsverbindungen

Bahnhof (ICE-Verbindung), BAB, Flughafen, Binnenhafen

Typisches

Mumme (dunkles Gerstenbier), Till Eulenspiegel, Spargel, Wurst

Internationale Events

Zahlreiche Festivals: wie das Braunschweig Classix Festival, der Mittelalterliche Markt, die Kulturnacht, die CityJazzNight, das Festival Kultur im Zelt, das internationale Filmfest oder das Opern-Open Air des Staatstheaters Braunschweig.

Partnerstädte

Bandung, Bath, Magdeburg, Nimes, Sousse, Kiryat Tivon / Omaha, Kasan

Intern. Mitgliedschaften

Die HANSE

Projekte der Hanse

Hanse-Wirtschaftskooperationsdatenbank